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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

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Die Marshall-Inseln, 
Gesteuert wird das Kanoe durch ein einfaches Blattruder, eine Art 
Paddel, mit welchem die Bootsleute bei Windstille das Fahrzeug auch vor- 
wärte bewegen, 
Da das Kanoe durch den Ausleger die Neigung hat, beim Vorwärtsgehen 
zu drehen, und zwar nach der Seite, wo der Ausleger angebracht ist, so hat 
man die innere, dem Ausleger zugekehrte Seite des Bootes ausfallend, die 
äufsere aber fast ganz gerade gearbeitet. Hierdurch ist der durch den Aus- 
leger entstehende Nachteil zum gröfsten Theil aufgehoben. Bei grofsen Kanoes 
befindet sich auf den, den Ausleger mit dem Boot verbindenden Hölzern und 
auf einer, auf der entgegengesetzten Seite des Bootes angebrachten Plattform 
je eine kleine Hütte, welche sechs bis acht Personen aufnehmen soll. 
In früheren Zeiten unternahmen die Marshall-Insulaner weite Reisen in 
ihren Kanoes., ‚Jetzt fahren sie zur von Insel zu Insel, gröfsere Touren legen 
sie lieber auf den Schonern, welche für die dortigen europäischen Firmen 
zwischen den Inseln kreuzen, zurück, auf welchen sie auch für ein geringes 
Ueberfahrtsgeld mitgenommen werden. 
Zur  rientirnas auf See hatten die eingeborenen Seefahrer Karten, die 
zie sich aus dünnen Stöcken und Steinchen herstellten. Die Steinchen bedeuten 
jedesmal eine Insel. Heutzutage ist es nur noch der im Anfange dieses Berichts 
erwähnte Schiffer Launa, der gröfsere Seereisen auf Kanoes unternimmt und 
dabei nach einer solchen Karte sein Fahrzeug über See bringt. 
Die Karten sind auch nur für gröfsere Fahrten nothwendig, bei den 
kleinen Reisen von Insel zu Insel richten die Eingeborenen ihren Kurs am Tage 
nach der Sonne, in der Nacht nach den Sternen, deren Stand sie für ihre 
Zwecke recht genau kennen, Vergleicht man eine solche primitive Karte mit 
einer europäischen, so findet man, dafs alle Atolle der ganzen Gruppe vorhanden 
und auch ihrer Gröfse entsprechend durch grofse und kleine Steine bezeichnet 
sind. Die Entfernungen der einzelnen Inseln von einander sind ebenfalls 
ziemlich richtig dargestellt, während ihre Lage zu einander keine nach unsern 
Begriffen korrekte ist. Der Umstand, dafs Kanoes auf größeren Reisen in 
Windstille durch Strom oder infolge widriger Winde öfters verschlagen wurden 
und nach anderen Inselgruppen der Südsee gelangten, wird wohl mit Recht als 
Grund für die Vermischung der Südsee-Insulaner angesehen, 
Der Fischfang ist für den Marshall-Insulaner eine weitere Beschäftigung, 
der er mit vielem Geschick und manchmal auch mit vielem Eifer obliegt. Für 
die gröfseren Arten Fische bedient sich der Eingeborene entweder des ein- 
heimischen Angelhakens aus Perlmutterschale, den er selbst angefertigt hat, 
oder des vom fremden Händler gekauften, uns bekannten Angelhakens. 
Eigenartig ist der Fang eines einer Sardine ähnlichen kleinen Fisches, 
welcher in gröfßseren Schwärmen in der Lagune angetroffen wird. Zeigt sich 
ein solcher Schwarm, so wird er von den zum Fang bereit liegenden Kanoes, 
oder wenn die Tiefe des Wassers dies gestattet, von den Eingeborenen selbst 
dem Lande zugetrieben. Zwischen den Treibern bezw. Kanoes wird zu dem 
Zwecke schnell ein Netzwerk von Matten und Schnüren, an denen Kokosnufs- 
blätter befestigt sind, hergestellt, und indem sich der so gebildete Ring all- 
mählich dem Lande nähert, werden die Fische, welche wieder aus dem Netzwerk 
heraus nach aufsen zu dringen versuchen, mit Stöcken, Händen und unter 
großem Geschrei zurückgescheucht. In der Nähe des Strandes werden die 
Fische dann mit Körben, Matten, Händen u. s. w. gefangen. 
Kin anderer, recht wohlschmeckender Fisch, der sich durch einen gelben 
Schwanz auszeichnet und nach letzterem auch genannt ist, wird gefangen, indem 
mehrere Kanoes zwischen sich eine dünne Schnur ausspannen und, allmählich 
ihren Kreis enger ziehend, dem Strande zufahren. Obgleich nun der Fisch frei 
nach See zu unter den Schnüren schwimmen könnte, zo thut er dies nicht, 
sondern bleibt innerhalb des so anugedeuteten Ringes, bis er, dicht an den 
Strand getrieben, dort wieder mit Matten, Netzen u. dergl. gefangen wird. Hin 
and wieder kommt es bei dieser Fangart vor, dafs der Fisch ins Freie ent- 
weicht, aber nicht, indem er einfach nach See zu schwimmt, sondern indem er 
über die an der Oberfläche des Wassers schwimmende Schnur springt. Leider 
ist von den vielen, in der Lagune vorhandenen Fischen eine grofßse Anzahl 
giftig. Die Europäer haben es noch nicht feststellen können, welche Fische
	        
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