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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

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Die Marshall-Insehn, 
für den Tagesgebrauch nöthigen Nüsse von den Kokospalmen und badet sich 
dann in der See, Die übrige Zeit des Tages füllt er, wenn er nicht anders 
beschäftigt ist, wie z. B. mit Fischfang, Kanocbau u. 8. w., oder sich zur Arbeit 
verdungen hat, mit Schlafen, Essen, Baden, Rauchen, sowie nutzlosem Umher- 
treiben und gedankenlosem Dahinträumen aus. 
Regelmäfsige Mahlzeiten stehen nicht auf der Tagesordnung. Die Frauen 
bereiten das Essen, sobald sie mit sich einig geworden sind, dafs sie etwas 
geniefsen wollen. Die für die Speisen noöthwendigen Iugredienzen werden von 
den Männern besorgt. 
Die Nachtruhe wird erst zu verhältnilsmäfßsig später Stunde aufgesucht. 
In hellen Mondnächten bleiben die Eingeborenen oft sämmtlich bis zum Unter- 
gange des Mondes wach. Die Eingeborenen baden des Tages mehrere Male; 
sie benutzen dabei als Seife aus der Kokosnufs gewonnenes Oel, welches im 
Seewasser nicht gerade schäumt, aber mit dem Wasser zusammen eine dicke 
yeißliche Flüssigkeit bildet, mit welcher man den Körper einigermalsen reinigen 
kann. Der Grund für das häufige Baden ist aber nicht etwa in einer angeborenen 
Liebe für die Reinlichkeit zu suchen, sondern nur in dem Bedürfnils, sich ab- 
zukühlen. Wäre letzteres Bedürfnis nicht vorhanden, so würde sich der 
Marshall-Insulaner wohl selten oder gar nicht in die Fiuthen begeben. Nach 
dem Baden schmiert er seinen Körper wieder mit Kokosnulsöl ein, das seinen 
Körper fett glänzend macht und einen dem Fremden unangenehmen Geruch um 
ihn verbreitet. 
Ehen werden ohne besondere Feierlichkeiten geschlossen. Der KEin- 
geborene nimmt sich eine Frau, wenn sie ihm gefällt und die Eltern des 
Mädchens damit übereinstimmen, Gefällt ihm die Frau nicht mehr, oder gebärt 
sie ihm keine Kinder, so jagt er sie fort und nimmt sich eine andere, 
Geburten und Begräbnisse, auch wohl die Heirathen der Häuptlinge 
werden stets durch Gesänge und Tänze gefeiert. Es kommt auch dies immer 
mehr und mehr ab; in früheren Zeiten wurde jedes freudige Ereignifs, wie 
gutes. Wetter, Regen nach langer Trockenheit, eine gute Kokosnufsernte, eine 
glücklich vollendete Reise u s. w., durch Gesang und Tanz gefeiert. 
Stirbt ein Eingeborener, so wird sein Leichnam in eine Matte gehüllt 
and 1 bis 2 Tage nach seinem Tode in die See geworfen, Bis dahin werden 
uam ihn Klagelieder gesungen und auch Tänze aufgeführt. Kin alter Gebrauch 
schreibt vor, dafs die Verwandten die Hinterbliebenen beäuchen und ihnen 
(Geschenke machen, die die Betreffenden erwidern, 
Die Gesänge sind eintönig, die Begleitung oder vielmehr der Takt wird 
auf einer Trommel, die aus einem mit einem Fell bespannten ausgehöhlten Stück 
Holz besteht, von alten Weibern geschlagen, Der Gesang beginnt langsam, 
yetragen und mit halblauter Stimme, und ist stets von Händeklatschen und Be- 
yegungen des Öberkörpers, der Arme und Hände begleitet, Allmählich wird 
der Gesang und die Bewegungen stärker, bis das Ende der Strophe im Gesang 
gekommen. Zu bewundern ist die Gleichmäfsigkeit, in der bei den Gesängen 
die sie begleitenden Körperhewegungen ausgeführt werden. Auch die geringste 
Drehung der Hand wird zu derselben Zeit und in demselben Maße von den 
Betheiligten gemacht. Die Sänger oder Sängerinnen sitzen dabei in zwei oder 
mehreren Reihen auf der Erde, zwischen sich eine Matte ausgebreitet. 
Der Text der Gesäuge ist gröfstentheils sehr albern; jede auch noch so 
geringfügige Veranlassung, z. B, das Einlaufen eines Schiffes, die Freigebigkeit 
eines Europäers u. s. w., giebt den Stoff zu einem improvisirten Texte. 
Wird kein altbekanntes Lied gesungen, sondern der Text improvisirt, 
Y ‚geschieht letzteres ron dem Vorsänger. Der Chor singt dann nur den 
efrain. 
Die Tänze werden nur von Männern ausgeführt; sie sollen den Krieg 
verherrlichen, Die Häuptlinge sind gleichzeitig auch die hervorragendsten 
Tänzer. Sie. schmücken sich zum Tanze dadurch, dafs sie grofse Federbüschel 
im Haar und um die Arme befestigen, sich dick mit Kokosnufsöl einreiben, um 
Hals und in die Haare Kränze von Blumen oder Muschein winden, und ihre 
aufgeschlitzten Ohrläppchen durch eingelegte Pandanusblattrippen möglichst 
lang und weit abstehend machen. Zum Tanze nehmen sie auch die aus Holz 
yefertigte Lanze, welche früher ihre Waffe war, mit. Der Tanz selbst besteht
	        
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