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Die Marshall-Insehn,
für den Tagesgebrauch nöthigen Nüsse von den Kokospalmen und badet sich
dann in der See, Die übrige Zeit des Tages füllt er, wenn er nicht anders
beschäftigt ist, wie z. B. mit Fischfang, Kanocbau u. 8. w., oder sich zur Arbeit
verdungen hat, mit Schlafen, Essen, Baden, Rauchen, sowie nutzlosem Umher-
treiben und gedankenlosem Dahinträumen aus.
Regelmäfsige Mahlzeiten stehen nicht auf der Tagesordnung. Die Frauen
bereiten das Essen, sobald sie mit sich einig geworden sind, dafs sie etwas
geniefsen wollen. Die für die Speisen noöthwendigen Iugredienzen werden von
den Männern besorgt.
Die Nachtruhe wird erst zu verhältnilsmäfßsig später Stunde aufgesucht.
In hellen Mondnächten bleiben die Eingeborenen oft sämmtlich bis zum Unter-
gange des Mondes wach. Die Eingeborenen baden des Tages mehrere Male;
sie benutzen dabei als Seife aus der Kokosnufs gewonnenes Oel, welches im
Seewasser nicht gerade schäumt, aber mit dem Wasser zusammen eine dicke
yeißliche Flüssigkeit bildet, mit welcher man den Körper einigermalsen reinigen
kann. Der Grund für das häufige Baden ist aber nicht etwa in einer angeborenen
Liebe für die Reinlichkeit zu suchen, sondern nur in dem Bedürfnils, sich ab-
zukühlen. Wäre letzteres Bedürfnis nicht vorhanden, so würde sich der
Marshall-Insulaner wohl selten oder gar nicht in die Fiuthen begeben. Nach
dem Baden schmiert er seinen Körper wieder mit Kokosnulsöl ein, das seinen
Körper fett glänzend macht und einen dem Fremden unangenehmen Geruch um
ihn verbreitet.
Ehen werden ohne besondere Feierlichkeiten geschlossen. Der KEin-
geborene nimmt sich eine Frau, wenn sie ihm gefällt und die Eltern des
Mädchens damit übereinstimmen, Gefällt ihm die Frau nicht mehr, oder gebärt
sie ihm keine Kinder, so jagt er sie fort und nimmt sich eine andere,
Geburten und Begräbnisse, auch wohl die Heirathen der Häuptlinge
werden stets durch Gesänge und Tänze gefeiert. Es kommt auch dies immer
mehr und mehr ab; in früheren Zeiten wurde jedes freudige Ereignifs, wie
gutes. Wetter, Regen nach langer Trockenheit, eine gute Kokosnufsernte, eine
glücklich vollendete Reise u s. w., durch Gesang und Tanz gefeiert.
Stirbt ein Eingeborener, so wird sein Leichnam in eine Matte gehüllt
and 1 bis 2 Tage nach seinem Tode in die See geworfen, Bis dahin werden
uam ihn Klagelieder gesungen und auch Tänze aufgeführt. Kin alter Gebrauch
schreibt vor, dafs die Verwandten die Hinterbliebenen beäuchen und ihnen
(Geschenke machen, die die Betreffenden erwidern,
Die Gesänge sind eintönig, die Begleitung oder vielmehr der Takt wird
auf einer Trommel, die aus einem mit einem Fell bespannten ausgehöhlten Stück
Holz besteht, von alten Weibern geschlagen, Der Gesang beginnt langsam,
yetragen und mit halblauter Stimme, und ist stets von Händeklatschen und Be-
yegungen des Öberkörpers, der Arme und Hände begleitet, Allmählich wird
der Gesang und die Bewegungen stärker, bis das Ende der Strophe im Gesang
gekommen. Zu bewundern ist die Gleichmäfsigkeit, in der bei den Gesängen
die sie begleitenden Körperhewegungen ausgeführt werden. Auch die geringste
Drehung der Hand wird zu derselben Zeit und in demselben Maße von den
Betheiligten gemacht. Die Sänger oder Sängerinnen sitzen dabei in zwei oder
mehreren Reihen auf der Erde, zwischen sich eine Matte ausgebreitet.
Der Text der Gesäuge ist gröfstentheils sehr albern; jede auch noch so
geringfügige Veranlassung, z. B, das Einlaufen eines Schiffes, die Freigebigkeit
eines Europäers u. s. w., giebt den Stoff zu einem improvisirten Texte.
Wird kein altbekanntes Lied gesungen, sondern der Text improvisirt,
Y ‚geschieht letzteres ron dem Vorsänger. Der Chor singt dann nur den
efrain.
Die Tänze werden nur von Männern ausgeführt; sie sollen den Krieg
verherrlichen, Die Häuptlinge sind gleichzeitig auch die hervorragendsten
Tänzer. Sie. schmücken sich zum Tanze dadurch, dafs sie grofse Federbüschel
im Haar und um die Arme befestigen, sich dick mit Kokosnufsöl einreiben, um
Hals und in die Haare Kränze von Blumen oder Muschein winden, und ihre
aufgeschlitzten Ohrläppchen durch eingelegte Pandanusblattrippen möglichst
lang und weit abstehend machen. Zum Tanze nehmen sie auch die aus Holz
yefertigte Lanze, welche früher ihre Waffe war, mit. Der Tanz selbst besteht