accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

Die Marshall-Inseln. 
199 
Die Missionare haben diese Nationaltracht auf den Inseln, wo ihre 
Stationen sind, fast ganz als unchristlich abgeschafft. Sie ist nur noch auf den 
aördlicheren Inseln zu finden. Auf den südlicheren Inseln, wo der HEinfluls der 
Missionare geltend ist, werden europäische Kleidungsstücke oder solche mit 
der einheimischen Tracht zusammen getragen. So sieht man vielfach über dem 
Bastrock, bezw. den Matten bei den Frauen, das europäische Unterhemde oder 
Frauenhemde. Zur einheimischen Tracht gehört keine N Kopfkedeckans, die halb 
oder ganz europäisch gekleideten Kingeborenen tragen jedoch einen selbst- 
gefertigten Strohhut mit breiter Krempe, der Aehnlichkeit mit dem Panama- 
strohhute hat. Andere sonst in Europa gebräuchliche Kopfbedeckungen sind 
noch selten. 
Die Eingeborenen leben in Hütten, welche sie sich aus Pfählen mit einem 
Dache von Pandanus- oder Kokosnufspalmenblättern errichten. Auf den nörd- 
licheren Inseln sind die Hütten mit größerer Sorgfalt erbaut, als auf den süd- 
licheren, und sind besonders die Hütten in Jalurt selbst beinahe die ärmlichsten, 
Aie- angetroffen wurden. Die Hütten der Häuptlinge unterscheiden sich von 
denen des niederen Volkes sehr wenig. Der einzige Unterschied ist vielleicht 
der, dafs eine Häuptlingshütte stets volle Wände ‘hat, was bei den anderen 
Hütten nicht immer der Fall ist. 
Der Boden der Hütte ist mit Matten oder getrockneten Blättern bedeckt, 
Da die Eingeborenen auch vielfach in den Hütten selbst kochen und rösten, 
ist es zu verwundern, dafs Brände selten sind. Beim Bau der Hütten ist zu 
bemerken, dafs die Verbindung zweier Hölzer oder Pfähle, wie wir dies später 
auch beim Kanoebau sehen werden, stets durch Lasche aus Kokosunfsfaserschnur 
hergestellt wird. Nägel kennen die Eingeborenen nocht nicht und haben deren 
Gebrauch für sich von den Fremden noch nicht angenommen. 
Die Kokosnufspalme, der Pandanus- und Brodfruchtbaum geben den 
Marshall-Insulanern die Hauptnahrungsmittel. Hierzu kommt die der Kartoffel 
äußerlich ähnlich aussehende Arrowroot, das Blatt des Taro-Gewächses und 
Fische, Schweine und Hühner, die auf den Inseln überall in gröfserer oder 
geringerer Anzahl, wenn auch verwildert, angetroffen werden, sind keine EEE 
speise der Eingeborenen; sie verkaufen diese Thiere, desgleichen die Eier der 
Hühner lieber an die Fremden. Dagegen essen sie die von den Fremden ein- 
geführten präservirten Fleischspeisen ete., nur sind sie ihnen zu theuer. 
Abgesehen davon, dafs die Kokosnufßs durch die aus ihr gewonnene 
Kopra (geschnittenes Fleisch der alten Kokosnufs, aus welchem zu Hause Oel eto. 
hergestellt wird} für den Eingeborenen fast gleichbedeutend dem Geolde ist, so 
ist sie auch das Hauptnahrungsmittel. Die Milch der Nufs ersetzt dem Kin- 
geborenen das sehr oft mangelnde Wasser, von dem Fleisch der Nufs kann er 
sich sättigen, und schlielslich giebt die Milch bezw. das klein geriebene Fleisch 
der Nufs eine schmackhafte und manchmal durchaus nothwendige Zuthat, um 
andere Speisen geniefsbar zu machen. So kann z. B. Arrowroot ohne Zuthat 
von Kokosnulsmilch nicht genossen werden; die fein zerriebene Arrowroot mit 
der Kokosnufsmilch zu einem Brei gemengt, dann in Pandanusblätter gehüllt 
und zwischen heilsen Steinen geröstet, ist dagegen eine Lieblingsspeise. Die 
Arrowroot wächst nur auf den nördlicheren Inseln, von denen sie nach dem 
Süden ausgeführt wird. 
Aus der Frucht des Pandanusbaumes, deren Saft die Eingeborenen in 
rohem Zustande aussaugen, wird eine wie getrocknete Feigen schmeckende 
Speise bereitet, welche gleichzeitig als Präserve dient und zu langen Seereisen 
in großen Mengen an Bord genommen wird. Diese Speise wird in etwa 1m 
langen und 1—1,5dm dicken Rollen aufbewahrt, welche in getrocknete Pandanus- 
blätter eingeschlagen und mit Kokosnulsfaserschnur kunstvoll umwickelt werden. 
30 hält sie sich zwei Jahre lang gut. Sie ist, wie schon erwähnt, die Haupt- 
nahrung der Eingeborenen auf der See. Aus der Brodfrucht wird ebenfalls 
eine Präservo bereitet, welche sich aber nur höchstens !/s Jahr hält und weniger 
schmackhaft und kostbar als die des Pandanus ist. Die Brodfrucht wird sonst 
geröstet genossen, . 
Schweine, Hühner, wenn sie solche essen, und Fische werden, in grüne 
Pandanusblätter eingehüllt, zwischen heißen Steinen geröstet.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.