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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

Ann. d. Hydr. ete., XIV. Jahrg. (1886), Heft V. 
18% 
Bericht der Direktion der Seewarte über die Cyklone 
im Golf von Aden im Anfang Juni 1885, 
Hierzu Tafel 6. 
Der Orkan, welcher im Anfang Juni 1885 im Golf von Aden auftrat und 
neben verschiedenen anderen Schiffen auch S. M. Kreuzer-Korvette „Augusta“ 
wahrscheinlich den Untergang bereitete, ist nach Allem, was über die Wind- 
und Wetterverhältnisse jener Gegend bisher bekannt geworden ist, als ein 
höchst aufsergewöhnliches Ereignila anzusehen. Heftige Stürme sind dort freilich 
schon verschiedentlich aufgetreten. Wie im „Gulf of Aden Pilot“ bemerkt ist, 
wurde die Stadt Aden am 3. Mai 1859 und wieder am 26. Oktober 1860 von 
Stürmen mit furchtbarem Regen (tremendous rain storms) heimgesucht.!) Ein 
dritter, ebenfalls von heftigen Regengüssen begleiteter Sturm ereignete sich 
dort, Zeitungsberichten zufolge, am 20. Mai 1883. Von einem wirklichen Orkan 
im Golf von Aden haben wir indessen an keiner Stelle ein Beispiel aufgeführt 
gefunden, Die grofse Seltenheit der Stürme daselbst wird nicht nur durch den 
bereits citirten „Pilot“ der Britischen Admiralität beatätigt, sondern sie ergiebt 
sich auch aus einer Bemerkung in dem aus Aden über den Orkan vom Juni 1885 
eingegangenen Berichte, der zufolge ein solches Unwetter dort seit der Besitz- 
ergreifung durch die Engländer, also seit dem Jahre 1839; noch nicht vor- 
gekommen war. 
Auch im eigentlichen Arabischen Meere kommen Orkane verhältnifsmäfsig 
selten vor, viel seltener, wie in der Bai von Bengalen und in der China-See, 
Sie fehlen indessen keineswegs gänzlich. Eine bemerkenswerthe Thatsache ist, 
dafs sie zum grofsen Theile in dieselbe Jahreszeit fallen, wie der hier in Rede 
stehende Orkan. Es ist die Zeit des Ueberganges vom NE- zum SW- Monsun, 
Um diese Zeit, bevor der niedrige Luftdruck über dem Asiatischen Festlande 
sich voll herausgebildet hat und der SW-Monsun voll eingesetzt ist, scheint 
oft ein Gebiet verhältnismäßig niedrigen Luftdruckes über dem Arabischen 
Meere zu liegen, in welchem dann mitunter lokale Depressionen entstehen, die 
zu Orkancentren werden, Ist einmal der SW-Monsun voll entwickelt, so liegt 
der niedrigste Luftdruck über dem Lande, und fehlt auf dem Ocean, trotzdem 
der Druck auch hier noch niedriger ist, als im Mai, die Veranlassung zur Aus- 
bildung solcher Wirbel. Meistens führt die Bahn der lotzteren längs der 
Malabar-Küste. Es sind aber, besonders für die Zeit vor dem Einsetzen des 
SW-Monsuns, auch verschiedene Fälle berichtet, wo Orkane und schwere Stürme 
an der Küste von Arabien, bei Maskat und den Khuria-Muria-Inseln auftraten. 
Zum Belege des hier Gesagten lassen wir in Kürze folgen, was wir in 
Piddington’s „Sailor’s Horn-Book“,?) dem Segelhandbuche Findlay’s®) und 
dem „Gulf of Aden Pilot“ über Stürme und Orkane im Arabischen Meero in 
den Monaten April, Mai und Juni verzeichnet finden. 
1) Siehe Seite 5. 
%) The Sailor's Horn-Book by Henry Piddington, 6. Auflage, London 1876. Das von P, 
zusammengestellte Verzeichnifs von Cyklonen ist wohl gerade für den nördlichen Theil des Indischen 
Oceans als ein sehr vollständiges zu bezeichnen. 
$) Sailing Directory for the Indian Ocean, Andlage 1882,
	        
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