Eine Dampfschiffahrt nach der Mündung des Tafs.
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Am 3. August Fortsetzung der Fahrt. Die Wassertiefe botrug 2 Fad.
und bald darauf Tange Zeit gleichmäfsig 4 Fad, Um 4 Uhr Nachmittags Land
im Westen in Sicht (südlichstes Kap der Samojeden-Halbinsel Jamala). 11 Uhr
Nachts Land im Osten sichtbar (Kap Sjunei der Halbinsel zwischen Ob- und
Tafsbusen). Während der Nacht ununterbrochene Fahrt, Ebenfalls am 4. August
10 Uhr Vormittags Land im Westen (Kap Setnot). 2 Uhr Nachmittags Land
im Osten und Westen zu gleicher Zeit sichtbar.
An der Ostküste des Obischen Meerbusens lagen in den Buchten grofse
Massen Treibeis hoch über einander geschoben, und wurde deshalb unrichtiger-
weise die Westseite des Meerbusens aufgesucht und neben Kap Kamennyi Anker
geworfen; unmittelbar am Ufer lagen auch bier Eisschollen. Es herrschte der
Irrthum, das Schiff befände sich weiter südlich neben Kap Setnoi,
Am 5. August neben Kap Kamennyi vor Anker; Jagd auf Seehunde.
Am 6. August anfänglich frischer, dann starker Nordwestwind; früh
Morgens trieb, vom Nebel verdeckt, Eis auf das Schiff zu; zweimal wurde aus-
gewichen und etwas südlicher geankert, trotzdem war der Schoner um 2 Uhr
Nachmittags von Treibeis umgeben, und eine bis in die Nacht dauernde Arbeit
begann, um Beschädigungen vorzubeugen. Endlich gelang os, den Anker zu
lichten und unter entsetzlichem Schwanken des Schiffes mitten in den Meerbusen
hinein zu fahren und an einer eisfreien Stelle Anker zu werfen.
Am 7. August bis Nachmittags 5'2z Uhr vor Anker, dann Weiterfahrt,
welche während der Nacht nicht unterbrochen wurde, Der oben bemerkte
Irrthum, die Untauglichkeit des Fernrohres und ein am 8. August früh Morgens
eintretender Nebel hatten zur Folge, dals das Schiff am Tafsbusen vorbeifuhr.
Als sich der Nebel zertheilt hatte, wurde bemerkt, dals der Obische Meerbusen
vor uns mit Treibeis gefüllt war, welches in langen Zickzackstreifen denselben
von der östlichen bis westlichen Küste bedeckte. Die Rückfahrt wurde deshalb
beschlossen, während derselben aber der Tafsbusen entdeckt und um 8 Uhr
Abends diese geschützt liegende und eisfreie Bucht erreicht, Anfänglich von
ziemlich bedeutender Tiefe, machte der Tafsbusen später durch sein flaches
Wasser ähnliche Schwierigkeiten, wie die Mündung des Ob.
Am 10. August Nachmittags neben Jamburg, wurde am 11. August Vor-
mittags neben Nachodka, den Mündungen der Flüsse Ta/s und Purr gegenüber,
geankert.
Jamburg und noch mehr Nachkodka ragen über das anliegende Land hoch
empor, sind aber keine Inseln.
Der ziemlich tiefe Fluß Ta/s war nicht zu erreichen, weil der Ta/sbusen
vor seiner Mündung zu flach ist. Den Purr hinauf fuhr der Schoner mit grofser
Mühe etwa 12kın; es mufste dann aber wegen der geringen Tiefe dieses
Flusses ein weiteres Vordringen aufgegeben werden,
Am 22, August Abfahrt und Rückfahrt des Schoners nach Tobolsk und
Tjumenj. Es war das erste Dampfschiff gewesen, welches den Ta/sbusen
hinauf gefahren und die Mündungen des Ta/s und des Purr aufgesucht hatte.
Es war in den 40 Tagen seiner Reise nach diesen Flüssen elfmal auf den
Grund gerathen, entging ein Paar Mal kaum dem Untergange und hatte un-
zählige kleinere Unfälle gehabt. Trotzdem würden gute Karten, zweckmäfsig
gebaute Fahrzeuge und der Fluß- und Seeschiffahrt kundige Männer alle
Schwierigkeiten wohl überwinden können, und nach den von mir eingezogenen
Erkundigungen war der Öbische Meerbusen in diesem Jahre ungewöhnlich lange
mit Treibeis gefüllt.
Da ich in einem kleinen, unweit der Purr-Mündung befindlichen Block-
hause ein Unterkommen finden konnte, fuhr ich nicht wieder mit dem Schoner
zurück, sondern blieb bis zum 2. Dezember dort und reiste dann mit einer
Rennthier-Karawane in 24 Tagen bis Surgut. Vom 25, Dezember 1884 bis
5. Januar 1885 in diesem Orte verweilend, setzte ich die Reise nach Tjumenj
in einer achttägigen, Tag und Nacht fast ununterbrochenen Fahrt mit Pferden
fort, erreichte am 1%. Januar Tobolsk und am 14. Januar früh Morgens Tjumenj.