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Kine Dampfschiffahrt nach der Mündung des Tals.
Eine Dampfschiffahrt nach der Mündung des Tals.
Witterungsbeobachtungen im Obischen Meerbusen und am Tals-
busen im Jahre 1884.
Von de Dobbeler,
Meinem Wunsche folgend, Sibirien kennen zu lernen, unternahm ich nach
einem längeren Aufenthalte in Russland eine Reise nach diesem wenig bekannten
and beschriebenen Lande. Auf einem der zwischen Zyumen) und Tomek fahren-
den Passagierdampfschiffe machte ich in der Nähe von Tobolsk die Bekannt-
schaft eines H. Funck, welcher mit seinem eigenen Schiffe den Zrtisch und Ob
hinunter, durch den Odb- und Tafsbusen nach den Mündungen der Flüsse Taft
and Purr fahren wollte, um seine dort vorhandene Faktorei mit Wasren zu
rersehen uud seine Fischereien zu vergröfsern,
Dem Anerbieten des erwähnten Herrn, mit ihm zu fahren, folgend, bot
sich mir eine interessante, wenn auch manchmal gefährliche und mühevolle Reise,
Das nach dem Taft bestimmte Schraubendampfschiff war ein Schoner
mit zwei Masten, 110 Fufs laug und 21 Fofß breit, ohne Kiel. Ein ausgezeichnet
starker Anker und Ankerkette waren vorhanden, ebenso war die Maschine
gut, im Uebrigen aber vieles mangelhaft, Weil in Sibirien mit Holz geheizt
wird, so führte das Dampfschiff noch eine große, mit Holz beladene Bark im
Schlepptau.
Bis Obdorsk, welcher Ort am 18. Juli 1884 erreicht war, ging die Fahrt
ohne wesentliche Unterbrechungen; der Irtisch und Ob boten genügend tiefes
Fahrwasser; eine Ausnahme machte die zwischen dem Kloster Kondinskoe und
Berjosow (Beresow) befindliche, für die Schiffahrt gefährliche Untiefe des Ob,
Kondinskoe=Beregrodnoe.
Mit dem 19. Juli begann eine Reibe von Verzögerungen und Unglücks-
fällen, welche darin bestanden, dafs es bei den mangelhaften Karten, dem Nicht-
vorhandensein von Lotsen und dem aufserordentlich flachen Wasser die grölsten
Schwierigkeiten machte, inmitten der Ob-Juseln und anfänglich im Öbischen
Meerbusen eine Fahrstraße zu finden. Hierzu kam, dafs die vier Flügel der
einen Schraube abbrachen, die Anker in der Strömung oft nicht halten wollten,
das Dampfschif und die Holzbark hart aneinander kamen und das Schlepptau
oft unter die Schrauben gerieth.
Nachdem am 21. Juli der Obische Meerbusen erreicht worden war, wurde
beschlossen, zurückzufahren und unweit der Insel Jaro vor Anker zu gehen, um
die eine Schraube zu repariren. Am 27, Juli waren die Arbeiten an der
Schraube beendet, aber, wie die Probefahrt zeigte, ohne Erfolg. Die Holzbark
wurde zurückgelassen und das Dampfschiff hoch mit Holz beladen. Die bisher
auf der Holzbark befindlichen Personen kamen zu uns an Bord.
Unter den nunmehr auf unserem Schoner befindlichen 44 Personen war
aur ein Seemann, ein die Stelle des Kapitäns verschender Stenermann für gröfse
Fahrten, ferner zwei Matrosen, welche mit den Segeln umzugehen wafsten, aber
nicht den Kompafs kannten und den Kapitän nicht vertreten konnten; alle
äbrigen Personen waren der Schiffahrt unkundig. Gute Maschinisten, Schmiede,
Zimmerleute etc. waren vorhanden. Ein grofser Theil der auf dem Schiffe be-
findlichen Personen bestand aus Verbannten, trotz alledem war die Führung
dieser Leute eine gute.
Während der Weiterfahrt am 28. und 29, Juli gerieth das Schiff zweimal
auf den Grund und komte nur nach laug dauernden Arbeiten, nach Ausladen
des Holzes und vieler Waaren, wieder flott gemacht werden. Am 30. Juli
Nachmittags wurde im Obzschen Meerbusen neben Jambasale Ankor geworfen.
Der folgende Tag, 31. Juli, verging mit fortwährendem Umherfahren und
Suchen nach tiefem Wasser, Der Schoner ging 8 Fuß tief und überall waren
nur 81/4 bis höchstens 9 Fuß Wasser zu entdecken. Endlich wurde Abends Fahr-
wasser gefunden und um 12 Uhr Nachts bei 12 Fuß Tiefe geankert, eben zur
rechten Zeit, weil der gleich darauf eintretende, bis zum 3, August anhaltende
starke Nordwestwind jede Weiterfahrt unmöglich machte.