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Aus dem Keisebericht der Deutschen Bark „Bessel“,
15 Minuten auf 14;4m (8 Fad.) Tiefe versank. Wir waren also zunächst wieder
darauf angewiesen, Ladung von dem hiesigen Lager an Bord zu nohmen, und
obwohl in solcher Weise mehr Tage als gewöhnlich verstrichen, so kehrte doch
der Schoner nicht inzwischen von seiner Reise zurück. Schliefslich kamen Ein-
geborene der Duke of York-Gruppe, die dem hiesigen Agenten berichteten, dafs
der Schoner an der Küste von Neu-Irland gestrandet, von den Kingeborenen
daselbst in Stücke geschlagen und seine Mannschaft ermordet und von den
Wilden aufgefressen sei, Drei andere Küstenfahrzeuge, die der Gesellschaft
gehörten, sind von einem gleichen Schicksal wie dieses befallen worden, Später
erfuhren wir leider auch noch, dafs die Barbaren ebenfalls den Agenten auf der
Station in Neu-/riand erschlagen hätten. Das Deutsche Kanonenboot „Aydne*
ging hin, um die Ucbelthäter zu züchtigen, wird aber schwerlich viel haben aus-
richten können. Wir waren also darauf angewiesen, uns mit dem hier lagernden
Kopra vorläufig zu begnügen, und nachdem wir von demselben 300 Tonnen
geladen hatten, erhielteo wir die Order, nach Apta weiter zu segeln. Es waren
bis jetzt für uns in Mioko 8 Tage mit dem Löschen und Trimmen des Ballastes
und 35, um die Kleinigkeit von 300 Tonnen zu laden, vergangen, Nach Ver-
lauf von weiteren 3 Tagen war „Bessel“ seeklar, nachdem noch zuvor durch
eingeborene Taucher der Boden des Schiffes gereinigt war, für welche Arbeit
ich den Leuten 3 Pfuud Tabak zu zahlen hatte. Geld hat für dieselben
keinen Werth.
Während der beiden zunächst folgenden Tage verhinderte eine Windstille
das Auslaufen, und an dem dritten Tage, am 18. Juli 1884, fing es plötzlich
stürmisch aus SE an, zu wehen, und zwar derart, dafg wir uns genöthigt sahen,
den zweiten Anker fallen zu lassen. An ein Ausgehen war unter den obwalten-
den Umständen natürlich nicht zu denken, und dieses Wetter dauerte volle
21 Tage, bis zum 8. August. Auch das Kanonenboot „Hydne“ machte während
dieser Zeit vergebliche Versuche, auszulaufen, und kam erst am 9. August, zu-
sammen mit „Bessel“, in See, Die ältesten Ansiedler in Mioko konnten sich
_. erinnern, dort jemals ein solch andauernd schlechtes Wetter gehabt
zu haben,
Der „Bessel“ war ausgehend von Miocko mit 300 Tonnen Kopra und
125 Tonnen Ballast bedeutend leichter beladen, als einkommend. Wir hatten
in den ersten Tagen der Reise Glück, denn schon nach 2 Tagen und 17 Stunden
liefen wir aus dem St, Georgs-Kanal hinaus. In der Regel dauert dieses viel
länger, da man gewöhnlich den Wind und die Strömung entgegen hat. In don
meisten Fällen sind daher auch zur Zurücklegung dieser Strecke 8 bis 14 Tage
erforderlich, und ist es sogar vorgekommen, dafs Schiffe »ach 20tägigem ver-
geblichem Bemühen nach Mioko zurückgekehrt sind, um eine bessere Gelegenheit
abzuwarten, Auf die in meinem Besitz befindlichen Karten dieser Gegenden
konnte man sich wenig verlassen und war deshalb stets ein guter Ausguck
nothwendig.
Am 12, August, also drei Tage nach unserer Abreise, stand „Bessel“
20 Sm südostwärts vom Kap St. George, als der Wind dermafsen auffrischte,
dafs die leichten Segel geborgen werden mufsten. Trotz einer starken Segel-
führung stellte es sich am nächsten Mittage zu meinem grofsen Erstaunen heraus,
dafs wir nur 20 Sm nach Süd gutgemacht und 30 Sm Strom entgegen gehabt
hatten. Es eröffnete sich uns mithin eine schlechte Aussicht, da wir etwa 780 Sm
aufzukreuzen hatten, bevor wir, klar von den Inseln, durch den SE-Passat
hindurchatehen lassen kunnten. Um die genannte Strecke zurückzulegen, waren
26 Tage erforderlich. Die Verhältnisse waren äußerst ungünstig; zugleich lag
aber die Ursache der langen Reise in der mangelhaften Fähigkeit des „Bessel“,
aufzukreuzen, die besonders auf dieser Reise in seinem leichtbeladenen Zustande
vorhanden war. Nachdem der Durchstecher durch den SE-Passat ausgeführt
war, fanden wir dessen polare Grenze im etwa 26° S-Br und 169° O-Lg. Im
{(jebiet der vorherrschenden westlichen Winde trafen wir anfangs eine recht
gut6 Gelegenheit, später war dieselbe weniger günstig; 52 Tage nach unserem
Reiseantritt kamen wir in 29,5° S-Br zum Meridian von 180°. Von hier boten
sich keinerlei Schwierigkeiten; der Passat brachte „Bessel“ in 11 Tagen an
Seinen Bestimmungsort Apia, nach einer Reise, deren Gesammtdauer 63 Tage
etrug,