150 Sonne als Ursache der Schwankungen des Erdmagnetismus und der Polarlichter.
und Polarlichter nehmen gleichfalls an Stärke zu. Um die Zeit der maximalen
Sonuenthätigkeit sind Störungen im regelmäfsigen Verlauf der Erscheinungen
am auffallendsten und häufigsten, namentlich sind diejenigen Erscheinungen sehr
auffallend, welche durch Aenderung der Stromstärke verursacht werden. Die
dadurch auf der Erde und in der oberen Atmosphäre inducirte elektromotorische
Kraft ist in den meisten Fällen viel stärker als jene, welche durch die Rotation
erzeugt wird. Diese Induktionserscheinungen sind an keine bestimmte Zeit ge-
bunden, und die unregelmäßigen Erdströme, Störungen der Magnetnadeln und
die glänzenden Polarlichter verdanken ihnen ihre Entstehung.
Die Erde und die obere Atmosphäre sind zu vergleichen mit elektrischen
Leitern, in welchen, unter dem Einflufs des Sonnenstromes stehend, Induktions-
ströme erzeugt werden. Wird die Intensität des Sonnenstromes vergrößert, so
entstehen Induktionsströme, welche von Norden nach Süden gerichtet sind, tritt
aber Abnahme der Stromstärke ein, so ist die inducirte Stromrichtung von
Süden nach Norden. Wie auch diese sehr kräftigen Induktionsströme gerichtet
sein mögen, der Erdmagnetismus lenkt sie stets in der Richtung der Amptre-
schen Ströme ab, und sie müssen um die magnetischen Pole herumströmen. An
den Polen sammelt sich Spannungselektricität an, ähnlich wie an den Draht-
enden einer nicht geschlossenen Induktionsrolle. Wäre die Erde ein einfacher
glektrischer Leiter, etwa wie ein Draht, so könnte kein geschlossener Strom,
sondern nur Spannungselektrieität an den Polen entstehen, da sie aber eine
Kugel ist, kommt die inducirende Kraft der Sonne nicht gleichmäfsig zur Wir-
kung, sondern auf der Tagseite ist sie stärker, als auf der Nachtseite, und die
Differenz der stromerregenden Kraft läfst das Zurückströmen eines Theiles der
Elektricität zu. Da, wo die elektromotorische Kraft am kleinsten ist, wird der
schwächste Strom entwickelt, und ein stärkerer Strom hat daselbst Gelegenheit,
theilweise zurückzuströmen. KEin Theil der auf der Tagseite inducirten Elek-
trieität strömt zunächst um die Pole und dann auf der Nachtseite wieder zurück,
as werden also auf der Erde und in der oberen Atmosphäre elektrische Ströme
unterhalten, und außerdem wird dort Spannungselektricität angesammelt. Die
Dauer des Phänomens richtet sich nach der Dauer der Intensitätsänderung des
Sonnenstromes.
Die regelmäfsige Induktion unterscheidet sich dadurch wesentlich von
der unregelmälsigen, dafs erstere nur geschlossene elektrische Ströme hervor-
bringt, während letztere aufser diesen auch noch Spannungselektricität an den
Polen ansammelt. Die polare Richtung der Ströme und das Vorzeichen der
Spannungselektricität richtet sich natürlich danach, ob der Sonnenstrom ver-
stärkt oder geschwächt wird, War die Ansammlung der Spannungselektricität
verhältnifsmälßsig gering, oder läfst die elektromotorische Kraft langsam nach,
so strömt auch die Elektricität allmählich wieder zurück, und nämlich in der
Richtung der Ampere’schen Ströme. Ist die Spannung aber sehr grofs und die
Entladung eine plötzliche, so strömt die Elektricität direkt nach dem Aequator,
ohne wesentlich durch den Erdmagnetismus von der polaren Richtung abgelenkt
zu werden, denn die Elektricität giebt äufseren Einflüssen um so weniger nach,
je höher ihre Spannung ist. Hierdurch läfst sich die Entstehung der Strahlen-
krone der Polarlichter erklären; die vollständige Bildung derselben trifft nur
sehr selten zu und ist nur bei den intensivsten Polarlichtern zu erwarten,
wenn sie aber eintritt, so kündigt sie auch schon das Ende der ganzen Er-
scheinung an.
Nach diesen Betrachtungen könnte man nun annehmen, dafs stets gleich-
zeitig an beiden Polen Polarlichter entstehen müfsten, denn wenn an einem
Pole positive, so wird am anderen negative Elektricität frei, und die eine kann
ebenso gut Lichterscheinungen hervorbringen, wie die andere. Thatsächlich ist
aber das gleichzeitige Auftreten der Polarlichter nicht regelmäfsig, wenigstens
nicht gleich intensiv. Eine Schwächung des einen oder auderen Polarlichtes
kann durch die Stellung der Erde zur Sonne bedingt sein, auch kanv die atmo-
sphärische Elektricität dadurch zur Geltung kommen, dafs sie die negative
Elektrieität schwächt, die positive aber verstärkt, denn es ist wahrscheinlich,
dafs stets ein Ueberschußs positiver Elektricität in der oberen Atmosphäre vor-
handen ist. Wenn also die Intensität des Sonnenstromes zunimmt, so sammelt
sich am Südpol freie positive und am Nordpol negative Elektricität an. In