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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

Meteorologische und oceaiiogiapiñadle Beobachtungen auf Jan Mayen. 
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zeitweise der Schnee überall zu schmelzen begann. Das Maximum der Temperatur 
(9,0°) fiel in den Monat August, der kälteste Monat war der März 1883 mit 
einer Mittoltemperatur von - -10,33°, der wärmste Monat war der Juli 1882 und 
1883 mit einer Mitteltemperatur von bezw. 3,4° und 3,5°. Hieraus folgt eine 
periodische Jahresschwankung der Temperatur von nur 13,8° und eine un 
periodische von nur 40°. Die Jahrestemperatur (—2,33°) ist ebenfalls in Hinsicht 
auf die nördliche Lage eine relativ hohe zu nennen (vgl. diese Annalen pag. 511). 
Der Luftdruck zeigt innerhalb der einzelnen Monate bedeutende Schwan 
kungen (bis zu 50 mm); auch ist die jährliche Vertheiluug des Luftdruckes 
über die einzelnen Monate sehr ungleichmäfsig, so dafs man über deu monat 
lichen und jährlichen Gang des Luftdrucks auf Jan Mayen aus diesen nur 
ein einzelnes Jahr umfassenden Aufzeichnungen keine sichere Schlußfolgerung 
ziehen kann. 
Die Vertbeilung der Winde auf Jan Mayen deutet darauf hin, dafs 
Jan Mayen gewissemafsen ein meteorologisches Bindeglied bildet zwischen 
Grönland und Island einerseits und Norwegen, Nowaja Semlja und Spitzbergen 
andererseits; denn während des arktischen Winters (September bis Mai) sind in 
Ost- und Südgrönland Nordwinde, auf Spitzbergen Südost- und Ostwinde, auf 
Island und den Färöern Südwest- und Westwinde, auf Jan Mayen die Südost 
winde die vorherrschenden. 
Während in den unteren Luftschichten der SE-Wiud der vorherrschende 
auf Jan Mayen ist, zeigten die Beobachtungen der obereu Wolken, namentlich 
der Cirri, eine obere aus SW stammende Luftströmung deutlich an. 
Absolute Windstillen und leichte Winde bis zu 1,3 m per Sekunde traten 
in dem Halbjahr von September bis Februar in 141 Stunden auf, von März bis 
August herrschten frische und starke Winde und Stürme vor. 
Der Verlauf dieser Stürme und das Fortschreiten der barometrischen 
Minima auf Jan Mayen ist aus den einjährigen Beobachtungen nicht mit Be 
stimmtheit festzustellen; doch hat sich bei der Beobachtung derselben herausge 
stellt, dafs nur ihre Vorderseite ausgebildet ist und dafs die gröl'ste Windstärke 
dem Aufsenraude näher lag, als es bei den tropischen Stürmen der Fall ist; 
bei dem Eintritt des niedrigsten Luftdruckes brach der Sturm nicht plötzlich aus 
und nach dem A r oriiberschraten des Centrums wehte er nicht mit erneuter 
Heftigkeit; in dem barometrischen Depressionsgebiete wehten häufig leichte 
Winde, und das Barometer zeigte einen schwankenden Gang. Während des 
Sturmes trat zuweilen stundenlang Wind- und Soestille und heller Sonnen 
schein ein. 
Totale Bewölkung war fast während der ganzen Zeit der Expedition 
auf Jan Mayen vorherrschend; in dem Halbjahr von September 1882 bis 
Februar 1883 gab es überhaupt nur wenige wolkenlose Stunden. Die regne 
rischsten Monate waren August bis Oktober uud die schneereiehsten September 
bis Mai, zusammen 828 Stunden (von im Ganzen 1050 Stunden im Jahr); dazu 
kommen noch 951 Stunden mit Schneetreiben von November bis Mai. Nebel 
von Juli 1882 bis Ende Juni 1883 wurde mit 3468 Stunden (durchschnittlich 
289 pro Monat und 9,6 pro Tag) notirt. Die Sommermonate waren dio nebel 
reichsten, mit 244 bis 536 Stunden im Monat. Die Polarnacht dauerte vom 
12. November bis 30. Januar. 
2. Die Temperatur des Wassers an der Oberfläche war in allen Monaten, 
deren mittlere Lufttemperatur über 0° war, niedriger als die der Luft, iu den 
anderen bedeutend höher; das Maximum der monatlichen Temperatur des 
Wassers war 2,96° im Juli 1883 (im August 1882 2,76°), das niedrigste Monats 
mittel, —1,70°, war das des März 1883. 
Nachstehende in diesem vorläufigen Bericht des Lieut. von Wohl* 
gemuth mitgetheilte Beobachtuugeu der Wasserteraperatureu und des speci- 
fischen Gewichts an der Oberfläche uud in Tiefen von 5, 10 und 30 in zeigen 
deutlich deu raschen Umschwung dieser Verhältnisse innerhalb der wenigen 
Wochen, während welcher die immer höher steigende Sonne an erwärmender 
Kraft gewinnt und die Eisgrenze weiter nach Norden rückt. 
Die zu diesen Messungen dienenden Wasserproben wurden in möglichst 
dicht bei einander gelegenen Stellen, nahezu 2 bis 3 Sm NNW von dem Flaggen- 
stoek der Station, genommen.
	        
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