Sonne als Ursache der Schwankungen des Erdmagnetismus und der Polarlichter. 147
Die Wirkungen der Ströme auf den Magnetismus der Erde können wir
nur aus den Ablenkungen der Magnetnadeln erkennen, letztere werden also
indirekt beeinflufst, und wir müssen uns erst noch klar darüber werden, in
welcher Beziehung die Schwankungen des Erdmagnetismus zu denjenigen der
Nadeln stehen. Die Neigung der Inklinationsnadel richtet sich nach der Gröfse
zweier Kräfte, welche sie in entgegengesetzter Richtung zu drehen streben, 08
sind diese der nördliche und südliche Krdmagnetismus, deren Kraftmomente sich
in der Drehungsaxe der Nadel das Gleichgewicht halten.
Fig. 3 dient zum besseren Verständnifs des Gesagten. Es sei NS die
Axe der Erde, ns die magnetische Axe, ab eine Deklinations- und cd eine
Inklinationsnadel. Wenn sich nun beispielsweise der Nordpol » des Krd-
magnetismus nach =‘ neigt und der Südpol & sich nach s hebt, so folgt die
Inklinationsnadel cd dieser Drehung nicht, sondern neigt sich in entgegen-
gesetzter Richtung. Der Nordmaynetismus der Erde wird durch die Neigung
entfernt und geschwächt, während der Südmagnelismus genähert und verstärkt
wird, und die Neigung der
Inklinationsnadel ist gleichsam
dieselbe, als wenn die magneti-
sche Axe der Erde stehen ge-
blieben wäre und das Inklina-
lorium wäre weiter nach Süden
verschoben worden. Bei der
Deklinationsnadel hingegen gehen
die horizontalen Komponenten
beider Kräfte durch die Drehungs-
axe der Nadel, und letztere
mufs der Kraftrichtung einfach
folgen. Dreht sich also die mag-
netische Axe der Erde von ns
nach n’s‘ im Sinne der Uhrzeiger-
bewegung, so dreht sich cd
uach c‘d‘, also entgegengesetzt,
und ab nach a‘b‘, also gleich-
gerichtet der Uhrzeigerbewegung,
Diese Erscheinung kann auch
leicht mit Hülfe eines grofsen
Magnetstabes und eines kleinen
Kompasses experimentell nach-
gewiesen werden. Diese Be-
irachtungen führen zu dem
Resultate, daß die elektrischen Ströme, welche hier in Betracht kommen, die
Inklinationsnadel so drehen, wie im Allgemeinen durch elektrische Ströme
zeschicht, also, dafs der Südpol nach rechts ausschlägt, Der Südpol der
Deklinationsnadel hingegen muß nach links ausschlagen, denn die Deklinations-
nadel folgt den Drehungen des Erdmagnetismus, was die Inklinationsnadel
nieht thut. Die Pole des Erdmagnetismus sind den gleichnamigen Polen der
Nadeln entgegengesetzt, wenn wir also bei den nachfolgenden Untersuchungen
finden, dafs die Ausschläge in der Weise stattfinden, dafs die Inklinationsnadel
richtig, die Deklinationsnadel aber entgegengesetzt durch die bestehenden Ströme
abgelenkt werden, dann folgt der Erdmagnetismus dem Oerstedt’schen Gesetze.
Der Südpol der Inklinationsnadel hat Morgens die tiefste Lage, gegen
10 Uhr erreicht er das Maximum des Ausschlages und fängt dann an, sich
aufwärts zu bewegen, bis er des Abends um 10 Uhr die höchste Lage erreicht
hat, alsdann geht er bis zum nächsten Morgen 10 Uhr wieder abwärts. Um
diese Erscheinung zu erklären, berücksichtige man, dafs bei Sonnenaufgang der
elektrische Strom das Bestreben hat, den Südpol der Inklinationsnadel herab-
zudrücken, und wenn der Induktionsstrom nicht vorhanden wäre, dann würde
der Südpol bereits bei Sonnenaufgang die tiefste Stellung haben. Der Induktions-
strom aber, welcher des Morgens dem Sonnenstrome entgegengesetzt gerichtet
ist, steht vor Sonnenaufgang im Osten und wirkt auf die Gegend, wo das
Inklinatorium aufgestellt ist, dem Sonnenstrome entgegen, nach Sonnenaufgang
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