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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

142 Sonne als Ursache der Schwankungen des Erdmagnetismus und der Polarlichter, 
gesetzte Strömung vorhanden sein, welche die Massen dem Südpol wieder 
zuführt. Diese eutgegengesetzte Strömung kann sich aber nur im unteren Theil 
der Sphäre befinden, welche durch die Metalloide gebildet wird, Am Nordpol 
werden also die Massen in die tiefere Schicht hinabsinken und nach dom Süd- 
pol zurückfliefßsen, während sie am Südpol wieder in die obere Schicht empor- 
steigen und die Richtung nach Norden einschlagen. Dioser Kreislauf wird 
jedenfalls durch abwechselnde Erwärmung‘ und Abkühlung unterhalten; unten 
Erwärmung und Ausdehnung, oben Abkühlung und Zusammenzichung sind ja 
bei den meisten Cirkulationen der Gase die wirksamen Kräfte. 
Aus dieser Betrachtung kann man den Grund noch nicht ersehen, warum 
die Strömung in der bestimmten Richtung vor sich geht; os wird jedenfalls 
irgend eine Anregung vorhanden sein, welche die Stromrichtung vorschreibt, 
Vielleicht liegt diese in der Strömung der elektrolytisch abgesonderten Massen, 
Wie oben bereits gesagt, scheiden sich aus dem Gebiete des elektrischen 
Stromes am einen Pole schwere Gase ab, am andern Metalle und Wasserstoff. 
Die schweren Gase strömen, vom Südpol ausgehend, über die Metalloide hinweg, 
während die untersinkenden Metalle am Nordpol den Metalloiden die Tendenz, 
nach Süden zu strömen, geben. Diese beiden Anregungen, oben von Süden nach 
Norden, unten von Norden nach Süden zu strömen, können schon die Strom- 
richtung vorschreiben. Welches auch sonst die wirksamen Kräfte sein mögen, 
es genügt schon, dafs das Vorhandensein der polaren Strömung durch die Be- 
obachtungen so klar und deutlich nachgewiesen ist. 
Ueber das Zutreffen der dritten Bedingung läfst sich weniger Bestimmtes 
sagen, weil über deu elektrischen Zustand der Sonne und dazu noch in ver 
schiedenen Tiefen absolut kein Material vorliegt; man mufs sich da begnügen, 
nur die Wahrscheinlichkeit darzulegen, und nachher zusehen, ob die Schlufs- 
folgerungen mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Es ist ja immerhin möglich, 
dafs die Metalle nach dem Mittelpunkte hinabgesunken sind, und gleichgültig, 
in welchem Aggregatzustande sie sich auch befinden mögen, sie doch starke 
negativ elektrische Spannung haben können, 
Die Elektrolyse setzt das Vorhandensein chemischer Verbindungen voraus 
und diese dürfen auch vorausgesetzt werden, denn Secchi konnte aus gewissen 
Jalousien, d, 8. ein eigenthümliches System von dicht zusammen und gleich weit 
von einander stehenden Fraunhofer’schen Linien, auf das Vorhandensein des 
Wasserdampfes schließen. Wenn also Wasserdampf in der Sonnenatmosphäre 
vorkommt, so darf auch auf andere Verbindungen, namentlich der Metalle und 
des Sauerstoffs, geschlossen werden. Durch die Elektrolyse würde also am 
Nordpol permanente Neubildung der Metalle und des Wasserstoffs, und am 
Südpol des Sauerstoffs stattfinden. Die Metalle werden zum gröfßsten Theil zum 
Kern hinabsinken und demselben stets negative Elektricität zuführen, während 
der über die Metalloide sich ausbreitende Sauerstoff positive Elektricität mit- 
bringt. Der Wasserstoff steigt am höchsten und nimmt eine Menge Metall- 
dämpfe mit hinauf in die höchsten Sphären, breitet sie da über dio ganze Sonne 
aus und läßt sie allmählich wieder hinabsinken. Die mit den übrigen Gasen 
vermischten Metalldämpfe spielen auf der Sonne wahrscheinlich eine ähnliche 
Rolle, wie der Wasserdampf in der Erdatmosphäre, insbesondere, dafs durch sie 
die Vertheilung der Elektrieität vermittelt wird. Den Anfang der Elektricitäts- 
entwickelung kann man sich durch die elektromotorische Spannungsverschieden- 
heit der Metalle und des Sauerstoffs vorstellen, während später noch die 
Influenzelektrieität hinzukam und die Spannung vermehrte, 
Hiermit ist auch gleichzeitig die Frage nach der vierten Bedingung 
beantwortet, denn die Erhaltung des elektrischen Zustandes steht mit der 
permanenten Neubildung hochelektrischer Massen im engsten Zusammenhange. 
Die Erhaltung der Spannung ist aber nicht allein durch die Elektrolyse möglich, 
sondern sie ergiebt sich als eine Folge des ganzen Herganges, Wenn die 
Elektricität aus der Tiefe der Sonne nach der Oberfläche überspringt, so setzt 
dieses eine gewisse Spannung im Innern voraus, und die Spannung nimmt 80 
Jange zu, bis Ueberspringen stattfindet, oder, was dasselbe sagt, durch den Aus- 
gleich der Elektrieität wird der Spannung eine Grenze gesetzt. Für die Dauer 
des Stromes wird die Spannung erhalten und kann unter Umständen vorstärkt 
oder geschwächt werden. Wie bei Influenz-Elektrisirmaschinen wird auch hier
	        
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