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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

140 Sonne als Ursache der Schwankungen des Erdmagnelismus und der Polarlichter. 
Eine leitende Gasschicht in der oberen Atmosphäre, durch welche die 
Elektrieität Gelegenheit hat, überzuströmen, kann von vornherein als etwas 
Vorhandenes betrachtet werden, denn der Gasdruck nimmt nach allen Richtungen 
mit der Entfernung vom Mittelpuukte ab, auch wissen wir, dafs er an der 
Sonnenoberfläche sehr gering ist. Wenn die vier Bedingungen erfüllt sind, so 
ist die Entstehung des elektrischen Stromes wnicht ein Wunder, sondern cine 
Naturnothwendigkeit, Möge nun zunächst untersucht werden, wie weit die Er- 
%illung der Bedingungen nachgewiesen und wie weit sie als wahrscheinlich an- 
yesehen werden kann. 
Die erste Frage nach dem Vorhandensein der Gasmassen dürfte lcicht 
zu beantworten sein. Der Rauminhalt der Sonne beträgt circa das 1'/4 Millionen- 
fache von dem der Erde, dabei ist ihr especifisches Gewicht nur !/« der letzteren, 
dieses Verhältnifs spricht also sehr für das Quantum der gasförmigen Sonnen- 
masse. Die stürmischen Bewegungen in und an den Sonnenflecken lassen eben- 
falls auf den gasförmigen Zustand der oberen und selbst tieferer Schichten 
schließen. Secchi‘) sagt über den Gasdruck auf der Sonnenoberfläche, dafs 
Jas Vorhandensein eines starken Druckes an der sichtbaren Oberfläche der 
Sonne keineswegs konstatirt sei, obgleich es keinem Zweifel unterliege, dafs 
tief im Innern der Sonne der Druck ein sehr bedeutender sein mufs. „Im 
Gegentheil geht aus allen Untersuchungen und aus allen Beobachtungen hervor, 
dafs die durchsichtige Atmosphäre der Sonne nur eine sehr geringe Strahlen- 
brechung auf diejenigen Strahlen ausübt, welche durch sie hindurchgehen, und 
eine 80 geringe ablenkende Kraft läfst sich mit einem starken Druck schwer 
gereinbaren, Ferner aber bleiben die Linien des Wasserstoffs, der sich durch 
helle Linien in den Protuberanzen zu erkennen giebt, und dessen absorbirende 
Wirkung wir auf der Sonne in den dunklen Linien C, F u, 8. w. unverkennbar 
wahrnehmen, nur bis zu einem Druck von 440mm Quecksilber scharf begrenzt 
and fein, dagegen werden sie, wenn man über diese Grenzen hinaus den Druck 
vergrößert, immer breiter (Wüllner), woraus wir schliefsen dürfen, dafs der 
Druck auf die sichtbare Schicht der Sonne nicht viel gröfser sein kann, als 
440 mm. Es ist allerdings nicht zu leugnen, dafs die Schwere auf der Sonne 
achtundzwanzig Mal so grofs ist, als an der Oberfläche der Erde; aber es ist 
auch sehr wohl möglich, dafs die expandirende Kraft der Wärme diese Wirkung 
der Schwere bis zu einem gewissen Grade kompensirt.“ 
Wie auch die Temperatur an der Oberfläche der Sonne beschaffen sein 
mag, der geringe Gasdruck läfst jedenfalls den Schlufs zu, dafs in höheren 
Schichten die Gase noch leichter sein müssen, denn wären sie schwerer, so 
würden sie hinabsinken; in den tieferen Schichten wird hingegen der Gasdruck 
zunehmen, woraus nun zu sSchliefsen ist, dafs an der Oberfläche der Sonne und 
direkt über derselben der Gasdruck so grofs ist, dafs er für die Elektricität 
die gröfste Leitungsfähigkeit besitzt. 
Mögen wir uns der Ansicht Secchi’s anschliefsen, dafs die Massen im 
tiefen Innern der Sonne sich im sogenannten kritischen Zustande befinden, sie 
würden dann wegen der aufserordentlich hohen Temperatur zwar dampfförmig, 
aber wegen des enormen Druckes mehr oder weniger auf das Minimum ihres 
Volumens zusammengepre(st sein. In diesem Zustande wären die Massen, wenn 
auch nicht gasförmig, So doch außerordentlich beweglich. Durch den kritischen 
Zustand ist nicht ausgeschlossen, dafs die Massen nach ihren specifischen Ge- 
wichten übereinander liegen können, denn die Kompression kann trotz allen 
Druckes keine viel größere sein, als bei Erstarrung der Körper durch Ent- 
ziehung der Wärme, und wird der Unterschied der specifischen Gewichte auch 
in diesem Zustande zur Geltung kommen. Es ist auch kein Grund vorhanden, 
warum im kritischen Zustande befindliche Massen nicht elektrisch sein können; 
dafs sie gute elektrische Leiter wären, dürfte wohl mit Recht in Zweifel ge- 
zogen werden, um so mehr würden sie aber isolirend wirken und elektro- 
phorische Kraft besitzen, und diese letzteren Eigenschaften sind für die 
Elektricitätsentwickelung auf der Sonne gerade die richtigen, 
Nach diesen einfachen und naturgemäfsen Betrachtungen dürfen wir vor- 
aussetzen, dafs oben die Permanentgase übereinander liegen, darunter erst die 
) Secchi: die Sonne, S. 266.
	        
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