Sonne als Ursache der Schwankungen des Erdmagnetismus und der Polarlichter, 139
Kontraktion der Sonnenmasse und durch kalorische Processe verursacht und
unterhalten werden, denn ein elektrischer Strom repräsentirt eine gewisse Energie,
und diese kann nur durch andere Energie aufgebracht werden. Die Entstehung
des elektrischen Sonnenstromes ist nach vorhandenem wissenschaftlichem Ma-
terial keineswegs etwas Unerklärbares; bekannte solare Erscheinungen und
bekannte Gesetze der Elektrieitätslehre lassen sich vielmehr so Zu einander
kombiniren, dafs daraus die Entstehung der solaren Elekiricität schr oinfach
erklärbar ist. Vorfasser ist der Ansicht und hat selbige in den „Amn. d,
Hydr. cte.“ 1885, S. 378, bereits mitgetheilt, dafs der Ursprung der atmo-
sphärischen Elektrieität in Iofluenz und Transport zu suchen sei, Die Luft
nimmt demnach in der Nähe der Erdoberfläche durch Infiuenz Klektrieität auf
aud transportirt sie dann vermöge ihrer Strömungen in höhere Schichten,
Nachher wird die Elektrieität durch Kondensation der Wasserdämpfe und Ueber-
strömung verdichtet. Betrachtet man nun die Erde nach ihrer kosmischen
Stellung als Planeten, als einen Stern, der gleich anderen Planeten aus der
Masse der Sonne hervorgegangen ist, so liegt auch die Vermuthung nahe, dafs
auf anderen kosmischen Gebilden, überall, wo grofse Gasmassen der Wärme
and Attraktion ausgesetzt sind, ähnliche Erscheinungen stattfinden. Auf der
Sonne würde die Elektrieitätsentwickelung einen viel regelmäfsigeren Verlauf
nehmen, als in der Erdatmosphäre, dieses erheischt schon die gleichmälsigero
Erwärmung nach allen Richtungen, und die Grofsartigkeit, d. h. der Verlauf der
Erscheinungen würde keinen wesentlichen Störungen ausgesetzt sein, wie bei
der ungleichmäfsig erwärmten Erdatmosphäre der Fall ist. Das Princip der
Influenzelektrisirmaschine, auf welches die Entstehung der atmosphärischen
Elektrieität zurückgeführt wurde, hat demnach eine viel allgemeinere, eine
kosmische Bedeutung.
Wenn man sich der am meisten verbreiteten Ansicht anschliefst, dafs in
der Sonne die Massen nach ihren specifischen Gewichten übereinander liegen
und gasförmig oder wenigstens leicht beweglich sind, so kann die Some vom
kinematischen Standpunkto als Maschine betrachtet werden. Die in bestimmten
Sphären strömenden Massen sind dann die zwangläufigen Maschinenelemente,
welche durch Kraftschlüsse gezwungen sind, ganz bestimmte Wege einzuschlagen.
Die Gase von nahezu gleichen specifischen Gewichten werden also bei ihren
Strömungen einen begrenzten Spielraum haben, iu ihrer Sphäre können sie im
oberen oder unteren Theile strömen, je nachdem es Temperatur und andere
Umstände erlauben, während sie weniger geneigt sind, in die Sphären anderer
Gase einzudringen. Durch die Natur ist also von selbst jedem Gase, je nach
specifischer Schwere, ein bestimmter Ort und Spielraum zugewiesen. Die Gase
können also auch bei ihren Strömungen gewisse Arbeit verrichten und haben
alle von ihren sonstigen Eigenschaften abhängige Funktionen,
Setzen wir also voraus, was sich bei näherem Zusehen auch als durchaus
wahrscheinlich herausstellt, dafs auf der Sonne in verschiedenen Tiefen ver-
schieden schwere Massen befindlich sind, und dal dort analoge Unterschiede
existiren, wie auf der Erde der Fall ist. Wenn auch der foste Aggregatzustand
als ausgeschlossen betrachtet wird, so können doch z. B, die schwereren Metalle
von den leichteren Metalloiden und diese wieder von den Permanentgasen g6-
trennt sein, so daß sich die Gase verschiedener Höhen ähnlich zu einander
verhalten, wie die Erdatmosphäre zur Erde,
Es liegt der Voraussetzung nichts im Wege, dafs durch regelmälsigo
Strömungen der Sonnenmassen auch Elektrieität entwickelt und übertragen wird,
ähnlich wie es bei Influenzmaschinen geschieht, und brauchen zur Erklärung der
Elektriecitätsentwickelung nur folgende Bedingungen erfüllt zu sein:
1. Auf der Sonne müssen mehrere sehr tiefe Schichten gasförmiger oder
wenigstens leicht beweglicher Massen vorhanden sein,
eine dieser Schichten, welche eine mittlere Lage im Sonnenkörper
einnimmt, mufs zwischen den beiden Polen cirkuliren,
derjenige Theil der Sonnenmasse, wolcher unter dieser Schicht liegt,
muls den entgegengesetzt elektrischen Zustand derjenigen Gase
besitzen, welche sich über dieser Schicht befinden, während die
Schicht selbst Influenz der Elektricität zulassen mus,
muf der elektrische Zustand durch dieGesammtwirkung erhalten werden,
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