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Kleine Notizen.
die Chagos-Inseln nach Australien zu expediren, dagegen eine Zweiglinie von
Mauritius nach Diego Garcia neu einzurichten,
9, Ueber den Debli- Flufs an der NO-Küste von Sumatra,
(„Hydrographische Nachricht“ No. 5/31. Pola 1886.) Nach einem Berichte des
Kommandanten des Oestr.-Ung. Knbt. „Nautilus“, Korv.-Kapt. Carl Spetzler,
vom 26. November 1885 ist das Anlaufen des Dehli-Flusses,') besonders bei
trübem Wetter, nicht leicht, da die Einförmigkeit der Küste und der Mangel
von Landmarken die EN sehr erschweren; es empfiehlt sich daher, vor
dem Anlaufen der Küste Pulo Varela zu sichten, welches seiner Höhe wegen
eine sehr gute Landmarke ist.
Der Dehli-Fluls mündet in’ zwei Arme, von denen der nördliche Balawan
und der südliche Dehli heifst; zwischen beiden liegt die flache mit Bäumen be-
setzte Insel Balawan.
Für Seeschiffe ist nur der nördliche Arm, der Balawan, zu benutzen;
derselbe hat bei gewöhnlichem Hochwasser auf der Barre 3m Wasser, bei
Springzeit bis zu 4,6m; der Grund besteht überall aus weichem Schlamm. Der
Dehli kann seiner geringen Breite wegen nur von Booten benutzt werden, und
wird jetzt über ibn eine niedrige hölzerne Brücke zur Verbindung von Labuan
mit Balawan gebaut.
Der für größere Schiffe schiffbare Theil des Flusses reicht bis zur West-
seite der Insel Balawan, wo gegenwärtig zwei gedeckte Lagerhulks vor Anker
liegen, um die anlangenden und abgehenden Waaren zu übernehmen. Von hier
aug werden dieselben mit Booten oder Karren weiter befördert.
Dehle oder Labuan mit 12000 Einwohnern liegt ca 2 Sm von diesen
Hulks stromaufwärts.
Die Tonne vor der Flufsmündung (vgl. No. 901 d. „Nachr. f. Seef.“ 1881)
liegt nordnordöstlich der Balawan-Mündung in ca 3° 53’ N-Br und 98° 45‘ O-Lg,
mithin 4 Sm vom nächsten Lande entfernt.
Die während des Aufenthaltes des Kanonenbootes bei der Tonne vor-
genommenen Lothungen ergaben folgende, auf gewöhnliches Niedrigwasser
reducirte Tiefen:
Nördlich der Tonne 13,7m, nordöstlich 10,1m, östlich 7,9m, südöstlich
7,9m, südlich 4,9m, südwestlich 6,7m, westlich 4,9m und nordwestlich der
Tonne 7m.
Das Kanonenboot lag vom 15. bis 18. November 1885 1,2 Kabllg. rw.
N’/40 von der Tonne auf 12,3m Wasser. Der gröfste Unterschied zwischen
Ebbe und Fluth betrug 1,5m.
Die das Fahrwasser des Balawan bezeichnenden Seezeichen (Baken) sind
gröfstentheils zerstört; nördlich und südlich von ihnen sind viele Fischwehren
weit in die See hinaus.
Lotsen giebt es nicht; Kriegsschiffe finden in Dehli uur wenig Aus-
rüstungsgegenstände; Steinkohlen sind nicht zu haben. Die den Flufs und die
anliegende Küste befahrenden Dampfer heizen mit Holz.
10. (D. S.) Bemerkungen über Port Arthur im nördlichen
China. Von Kapt. F. Gille von der Deutschen Bark „Pax“.*)
„Von Hamburg kommend, ankerten wir am 3. Juli 1884 um 8 Uhr
Morgens auf der Rhede von Wei-hai-wei an der Südküste des Gelben Meeres,
Hier wurde uns die Order zu Theil, nach Port Arthur zu segeln, welches auf
der gegenüberliegenden Seite des Gelben Meeres, etwa 5 Sm nordöstlich von
Liau-ti-shan-Vorgebirge liegt. Als wir beim Ansegeln eine Position 3 Sm süd-
lich von dem genannten Kap erreicht hatten, setzten wir den Kurs auf OSO,
um die Einfahrt von Port Arthur offen zu bringen. Wir fanden jedoch bald,
dafs der Strom das Schiff auf die östlich von Liau-ti-shan liegenden Klippen
zu setzte, welche sich theils unter Wasser befinden, und sahen uns deshalb
genöthigt, einen SO-Kurs — mehr vom Lande ab — zu steuern. Gegen Mittag
{rischte die bisher leichte Briese aus West etwas mehr auf, und da wir jetzt
die Bai offen hatten, steuerten wir auf einem Nord-Kurs in dieselbe hinein.
Um 2* p.m. kamen wir zu Anker, Der Hafen von Port Arthur ist sehr seicht,
1) Vgl. „China Sea Directory“, Vol. I, 1878, pag. 24.
3) Siehe auch diese Annalen 1884, Seite 376.