Vergleichende Uebersicht etc, November 1885.
125
steigendem Barometer, allmählich abnehmend, noch mehr nach rechts und war
um 4° p.m., als der Luftdruck wieder die Höhe von 753,0mm erreicht hatte,
SET7. Seit 21/4 p.m. war wieder Kurs gesteuert worden. Das Schiff machte
aber nur einen geringen Fortgang, da wegen der noch hohen See, in der es
schwer stampfie, nur nuch und nach mehr Segel gesetzt werden konnten,
Die Englische Bark „Hermine“, mit der Kapt. Crantz später in Vretorig
zusammentraf, hatte den Orkan ebenfalls durchgemacht. Ueber den Verlauf
desselben an Bord jenes Schiffes hat Kapt, Crantz einen kurzen Journulauszug
der Secwarte mit eingesandt, in dem jedoch einigermafßsen genaue Ortsangaben
fehlen und auch die Korrektionen des Barometers nicht angegeben sind. Es
Jäflst sich aus domselben entnehmen, dafs das genannte Schiff in ungefähr
21° N-Br und 130° W-Lg den Orkan schou Tags vorher, am 31. Juli, hatte,
Um 8 p.m. dieses Tages stand es dem Centrum am nächsten. Der Wind war
dann NNE 10-—11. Später holte er bei steigendem Luftdruck, abnehmend, nach
rechts und war am 1. August um 12} Mittags ENE 5.
Unter der Voraussetzung, dufße in diesem Sturm der Winkel zwischen
der Windrichtung und dem barometrischen Gradienten etwa 6 Strich gewesen
ist, lag das Centrum der Depression um 8° a. m, den 1, August südöstlich und
um 12" m, südwestlich von „Moltke“, Wenn man ferner wegen des nahezu gleichen
Luftdrucks und derselben Windstärke annimmt, dafs an diesen beiden Stunden
das Centrum ungefähr dieselbe Entfernung vom Schiffe gehabt hat, so folgt
daraus, daß die Fortbewegung des Orkanfeldes eine ungefähr recht westliche
gewesen sein mul. Dasselbe ergieht sich auch aus der Vergleichung mit den
eobachtungen des Schiffes „Hermine“. Vom letzieren stand „Moltke“ etwa
WzS 270 Sm entfernt. Da das Centrum der Depression „Hermine“ um 8" p. m.
den 31. Juli und „Moltke“ um 10* a. m. den 1. August passirte, so folgt daraus
eine Geschwindigkeit der Fortbewegung von rund 20 Sm in der Stunde,
Der Bericht von Kapt. Crantz über den Verlauf dieses Orkans liefert
einen neuen Beleg zu einer Bemerkung, die bereits im „Segelhandbuch für den
Atlantischen Ocean“ gemacht wurde und das Manövriren in Stürmen betrifft.)
Es zeigt sich hier wieder, dafs eine Drehung des Windes nach links in der
ersten Hälfte des Sturmes (auf nördlicher Halbkugel) nicht immer mit Sicher-
heit darauf schließen läfst, dafs man sich auch an der linken Seite der Bahn
des Centrums befindet. Wäre Kapt. Crantz nicht durch das Zurückdrehen des
Windes gewarnt worden, sondern beim Lenzen, das nach der gewöhnlichen
Annahme ja ganz berechtigt war, geblieben, so würde er in diesem Falle wahr-
scheinlich recht in das Centrum gerathen sein.
Vergleichende Uebersicht der Witterung des Monats November 1885
in Nordamerika und GCentraleuropa.
[(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.r
Nach der „Monthly Weather Review“ dos „Signal Office“ in Washington
and der von der Deutschen Seewarte bearbeiteten Uebersicht der Witterung
stellen wir im Folgenden die Hauptzüge im Witterungs-Charakter des Monats
November 1885 in Nordamerika und Centraleuropa einander gegenüber.
Nordamerika,
l.. Die verhältoifsmäfßsig geringe
Zahl barometrischer Minima, welche
mit einer mittleren stündlichen Ge-
schwindigkeit von 24,4 Miles das
Centraleuropa.
1. Die ziemlich grofse Häufigkeit
barometrischer Depressionen in fast
allen Gebietstheilen, insbesondere aber
im Norden Europas, wo die Orte-
;) Siehe daselbst S. 516 £#.