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Orkanartiger Sturm im Nördlichen Stillen Ocean.
Orkanartiger Sturm im Nördlichen Stillen Ocean,
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
Die Deuteche Bark „Moltke“, Kapt. F. G. Crantz, welche sich auf einer
Reise von Liverpool nach Victoria FV. I. befand, hatte am 1. August 1884 auf
etwa 20° N-Br und 135° W-Lg einen orkanartigen Sturm zu bestehen, dessen
Verlauf aus der folgenden Wabelle und der begleitenden Beschreibung er-
sichtlich ist.
Die von Kapt. Crantz benutzten Instrumente sind auf der Seewarto ge-
prüft worden; die Richtung des Windes ist rechtweisend gegeben und der Luft-
ruck auf 0° Temperatur reducirt,
Meteorologische Beobachtungen auf „Moltke“ am 1. August 1884,
Uhrzeit
4b a. m.
6
8
9h 100 a.m.
10h a. m.
120 Mittags!
4b pm.
N-Br
20,5° ı
20,4° |
20,3°
20,3°
20,8°
20,3°
' 20,4°
W-Lz
134,4°
134.4°
134,5°
134,59
134,60
184,6°
134,7°
Wind
NzE 8
NzW 10
N 10
NEzZN 11
E 10
ESE 10
SE 7)
Luftdr.
mm
758,6
7518 |
748,5
245,9
742.9
747,7
758,0
Temp.
der
Luft
on.
23,5
3°
23,2
943
Bewölk,
Weiter
Bed. 10 | oqr
Bed. 10
dqrı
Bed. 10
Str Ni 10
OQq Tr
Oq Tr
Seegang
N
ONOS6
N
0N08
NO
0S0O 9
NO
0So 7
Temp.
des
‚Wassers
°C,
939
93.7
223,5
93,5
Bei starkem zunehmendem nördlichem Winde und regnerischem Wetter
steuerte „Moltke“ am Nachmittage des 31. Juli 1884 einen westnordwestlichen
Kurs. Der Luftdruck war gleichzeitig in rascher Abnahme begriffen, und um
4b a. m. hatte derselbe bei dem Winde NzE 8, stark böigem regnerischem Weiter
und einer groben See von N und ONO einen Stand von 753,6mm erreicht. Die
Obermars- und die Untersegel mulsten festgemacht werden. Der Wind nahm
immer. mehr zu und holte langsam nach links, so dafs er um 6* a. m. NzW 10
war. Auf Grund dieser Richtungsänderung nahm der Kapitän an, dafs er sich
recht in oder eben links von der Bahnlinie eines nach westlicher und nörülicher
Richtung sich vorwärts bewegenden Orkanfeldes befinde und steuerte demgemäfs
pach SSW. Der Wind holte dabei anfänglich auch noch etwas mehr herum
und war um 71% am. NNW. Um 8% a.m. ging er jedoch ganz unerwartet
wieder auf N und eine Viertelstunde später auf NzE zurück, was den Kapitän
bewog, sofort wieder mit St-B.-Halsen unter Grofs-Untermarssegel beizulegen.
Es lief eine gewaltig hohe See, während der Regen fortwährend in Strömen
herunterkam. Um 9" a.m. war der Wind bereits NEzN. Zu gleicher Zeit
erlangte er mit der Stärke 11 seine gröfßste Heftigkeit; der niedrigste Luftdruck,
welcher 742,9 mm betrug, trat jedoch erst eine Stunde später ein, als der Wind
auf E geholt und bereits zur Stärke 10 abgenommen hatte, Gleich darauf
wurde es plötzlich ganz flau, uud der Regen liefßs etwas nach; eine Viertelstunde
später aber fiel der Wind mit erneuter Kraft wieder ein. Der Regen trat in
der folgenden Zeit nur noch in Schauern auf; der Wind drehte sich bei rasch