10 Aus dem Bericht über die Expedition der Oestr.-Ung. Korv. „Frundsberg“.
Ein Vali (Gouverneur), dem ein zahlreiches Personal zur Verfügung
steht, ist vom Sultan mit der Regelung der Karawanenangelegenheiten betraut.
Ihm untersteht auch das von Indiern verwaltete Zollhaus und eine kleine Gar-
nison irregulärer Truppen.
Nördlich von Bagamoyo liegt die Französiche Mission „Notre Dame de
Bagamoyo“, von welcher noch drei im Innern gelegene abhängen und in welcher
8 Missionare und, 6 barmherzige Schwestern wirksam sind. Neben der Mission
liegt das erste christliche Dorf, St. Joseph, welches aus 60 Steinhäusern be-
ateht und eine Kirche hat; die Bewohner sind in der Miesion erzogen, größsten-
theils befreite Sklaven verschiedener Stämme.
8, Mozambique,') der Hauptort der gleichnamigen Portugiesischen
Kolonie, liegt auf einer kleinen, 1,5 Sm langen und 0,4 Sm breiten Korallen-
insel, die ungefähr 2,5 Sm von der nächsten Festlandsspitze entfernt ist. Die
{usel ist durch zwei Forts, welche sowohl die See-Einfahrt als auch das Fest-
land bestreichen, befestigt. Das nördliche Fort, St, Sebastian, auf der Insel
gelegen, ist ein groöfsartiges Werk ältester Konstruktion und dient auch als
Gewahrsam für die Deportirten, Das südliche Fort, St. Lorenzo, liegt auf
einem ungefähr 2 Kbllg von der Insel entfernten Felsen.
Die Stadt zeigt mehr das Aussehen einer düsteren Grenzfestung, als das
eines Harndelsemporiums, sie besitzt gröfstentheils steinerne Häuser und breite
reine Strafsen. Sie zählt ca 8000 Einwohner, davon außer der 200 Mann
starken Garnison 180 bis 200 Europäer und 700 Goanesen, Chinesen, Araber
and Indier; der Rest sind Kingeborene. Der Gouverneur bekleidet den Rang
eines Obersten; ihm zur Seite steht außer dem Civilverwaltungs-Personal ein
Kapitän zur See, welcher gleichzeitig Kommandant sämmtlicher in Ostafrika
stationirten Kriegsschiffe ist,
Dem Gouverneur stehen außer drei bis vier Kriegsschiffen nur 1500 Sol-
daten zur Verfügung, eine viel zu geringe Macht, um eine 80 grofse Provinz
zu beherrschen. Die Truppen sind in den Hauptorten wie Mozambique, Ibo,
Quilimane, Sofala, am Zambesi, Inhambane und der Delagoau-Bai vertheilt; aufser-
dem sind an kleineren Küstenplätzen Abtheilungen von 1 Unteroffizier und
3 bis 10 Mann detachirt, deren Macht nicht einmal genügt, um die verbotene
Sklavenausfuhr zu verhindern, Die meisten Befestigungen an der Küste und
landeinwärts aind theils verlassen, theils Ruinen, Für das Recht, vor Lorenzo-
Marques eiven Leuchtthurm zu bauen und zu unterhalten, muß die Kolonial-
vegierung dem Häuptling eines an der Delagoa-Bai wohnenden Stammes einen
jährlichen Tribut entrichten. Das Hinterland wird zum gröfsten Theil von dem
Stammo Makua bewohnt und durch mehr oder minder mächtige, unabhängige und
meist räuberische Häuptlinge beherrscht, die den Handel mit dem Innern sehr
erschweren, da sie einen bedeutenden Procentsatz der durch ihre Gebiete trans-
portirten Waaren als Zoll verlangen. Die von der Regierung angelegten
Strafsen in das Innere sind vollkommen verfallen und können für Handel und
Verkehr kaum benutzt werden.
Die sanitären Verhältnisse Mozambiques sind keine günstigen; es herrschen
gewöhnlich während der Regenzeit (NE-Monsun) perniciöse Fieber mit vielen
tödtlichen Ausgängen,
Der Dampferrerkehr wird von der Castle Mail Packets Company und der
Britisk India Company besorgt. Die Postdampfer der ersteren kommen alle
28 Tage via Kapstadt und vermitteln die regelmäfsige Verbindung mit dem
Mutterlande, Die British India Company verbindet die Kolonie mit dem
Norden und läuft Z60 und Mozambique an. In telegraphischer Verbindung
steht Mozambique mit Port Natal und Zanzıbar— Aden.
NE. Die Comoren-Inseln.
9. Mayotta-L,’) seit 1843 eine Französische Kolonie, ist die einzige
der vier Comoren, welche einen guten und geräumigen Hafen hat. Nachdem
die Idee, dort den Hauptkriegshafen der Indischen Station Frankreichs anzu-
legen, aufgegeben war, hat die Französische Regierung sich darauf beschränkt,
i) „Africa Pilot“ Part III 1884, S, 211.
?) „Africa Pilot“ Part II 1884, 8. 432.