Aus dem Bericht über die Expedition der Oestr.-Ung. Korrv,‘ „Frundsberg“, 109
Handelshäuser. Auch befinden sich in Zanzibar mehrere Hotels mit Euro-
päischem aber sehr mangelhaftem Komfort. ;
Die Truppen des Sultans zerfallen in reguläre und irreguläre,
von denen erstere auch zum Polizeidienst verwendet werden. Die regulären
Truppen, aus Landeseingeborenen zusammengesetzt, belaufen sich auf 2500 Mann,
tragen Jacken, weißse Hosen und einen Fez oder bei Paraden eine schirmlose
vothe Mütze; 8ie 8ind mit Suyder-Gewehren bewaffnet. An der Spitze dieser
Truppe steht der frübere Englische Seooffizier Mathew als kommandirender
General und zugleich Chef der Polizei.
Die irregulären Truppen, welche die eigentliche und verläfsliche Slütze
des Thrones bilden, bestehen aus freiwilligen Arabern und Beludschen, Sie
haben keine stramme militärische Organisation, dienen zur Besetzung der Forts
und werden bei Aufzügen und Feierlichkeiten verwandt. Ihre Bewaffnung be-
steht aus Lunten- und Steinschlofs-Gewehren, Yatagans, Säbeln und Messern.
So bung wie die Bewaffnung ist die Bekleidung, welche sich gleich der orsteren
die Leute selbst anschaffen müssen.
Das Artilleriematerial besteht aus sieben 9cm Armstrong- und einigen
gezogenen Rohren anderer Sorten als Feldgeschützen, die sich in gutem Zu-
stande befinden, und aus alten Vorderladern verschiedenen Kalibers als
Festungsgeschützen, Befestigungen besitzt Zanzıbar keine; das alte, noch aus
der Portugiesenzeit stammende Fort ist nicht armirt und dient nur als Kaserne
and Gefängnifs,
Das Marinematerial besteht aus der Korvette „Glasgow“, der Yacht
„Nyanza“ und 6 Dampfern. „Glasgow“, ist in England gebaut, modern, aber
sehr vernachlässigt, ist nicht in seetüchtigem Zustande und wird als Hafen-
wachtschiff verwandt, Die „Nyanza“, einen schon 38 Jahre alter Dampfer der
Peninsular & Oriental Navigation Company, hat der Sultan vor fünf Jahren, nach
Umgestaltung derselben in einen Schraubendampfer, gekauft; sie erreicht eine
Geschwindigkeit von 12 Ku, steuert sehr gut und ist ein tüchtiges Seeschiff.
Im Innern ist sie sogar luxuriös ausgestattet, aber nicht besonders gut gehalten.
Die übrigen 6 Dampfer verwendet der Sultan zum Passagier- und Waarenver-
kehr längs der Küste, nach Indien und Madagascar; das Material ist gut, aber
die Instandhaltung läfst viel zu wünschen übrig. Als Kapitäne und erste Ma-
schinisten sind auf diesen Dampfern durchweg Deutsche angestellt, die Schiffs-
offiziere sind Araber,
Unter den einheimischen Fahrzeugen sind die sogenannten Dhaus, offene
Boote mit schwachem Bug und Heck und oinem Mast mit Luggersegeln zu
bemerken. Eigenthümlich sind ferner die M’tepe, genähte Fahrzeuge, bei denen
das elastische Kakosbastseil die Stelle der eisernen Nägel und Bolzen vertritt;
es sind ebenfalls lange offene Boote mit scharfem Heck, überhängendem Bug
and einem Mast mit viereckigem Segel aus Bast.
Die klimatischen Verhältnisse sind nicht ungünstig, jedenfalls bedeutend
besser als ihr Ruf, Die Temperaturschwankungen sind unerheblich (25° bis
32° C.), die Luft ist mit Feuchtigkeit geschwängeri; Niederschläge sind im Ok-
tober und November sehr häufig, wenn auch von kurzer Dauer (die kleine
Regenzeit), während sich die Monate März und April durch lang andauernde
and starke Niederschläge auszeichnen (die grofse Regenzeit).
7. Bagamoyo,') welches auf dem Festlande der Insel Zanzibar gegen-
über liegt, vermittelt den Verkehr Zanzıbars mit dem Innern Afrikas und hat
in den letzten Jahren einen bedeutenden Aufschwung genommen. Da die Bänke
in der Nähe der Rhede durch Seezeichen nicht markirt, und die Küste keine
in den Karten verzeichneten Peilobjekte bietet, muß der Ankerplatz mit großer
Vorsicht aufgesucht werden, Derselbe ist zwar gut, doch können Seeschiffe
wegen der geringen Tiefe nicht näher als 2 bis 2% Sm von der Küste ankern.
Die Stadt zählt 10000 bis 12 000 Einwohner, die allen Stämmen Inner-
Afrikas angehören; aulserdem sind Banjanen und Araber, welche die eigent-
lichen Haudelsugenten für die Kaufleute von Zanzibar bilden, zahlreich ver-
treten, Zur Zeit der Ankunft der Karawanen sollen manchmal 30 000 bis 40000
Menschen von allen Stämmen des Innern hier versammelt sein.
Ä
„Africa Pilot“ Part IIX 1884, 8. 317.