108 Aus dem Bericht über die Expedition der Oestr.-Ung, Korr. „Frundsberg“.
5m hoher von einem Kreuze überragter Pfeiler an der Ostseite der Insel dient
den ansegelnden Schiffen als gute Landmarke. |
Die Bevölkerung von Mombaza und Umgebung am Festlande dürfte
6000 Seelen nicht überschreiten. Die meisten der Bewohner sind Suahelis und
Sklaven, 250 Araber und 80 bis 100 Indier. Der einzige in Mombaza an-
sässige Europäer ist der Englische Konsul.
Die Regierung des Sultans von Zarzibar wird durch einen Gouverneur
(Vali) vertreten; aufserdem befindet sich dort ein Kadi (Richter) und eine Gar-
nison von ungefähr 100 Mann.
Am Ende des nördlichen Hafenarmes auf dem Festlande liegt eine Mission
der anglikanischen Kirche, welche sich aus der Ferne durch ihre hübschen
Gebäude, in der Nähe durch Ordnung und Reinlichkeit auszeichnet. Sie besitzt
eine gemauerte Kirche, vier steinerne mit Zink gedeckte Wohnhäuser für die
Missionäre und eine gröfsere Anzahl Hütten und Wirthschaftsgebäude. An die-
selben schliefsen sich die Hütten der christlichen Gemeinde an, welche aus
200 bis 300 Seelen, meist gewesenen Zöglingen der Mission, besteht. Die Zög-
linge der Anstalt, ungefähr 30 weibliche und 6U männliche, sind fast aus-
schliefslich von Englischen Kreuzern aufgegriffene Sklaven, meistens Neger aus
dem südlichen Afrika. Drei ähnliche Anstalten befinden sich noch 10 bis 15
Meilen weiter im Iunern des Landes.
Obwohl ein grofser Theil der Insel ganz unbebaut ist und brach liegt,
bieten doch die üppige Vegetation, der genügende Viehstand, die zur Unter-
haltung betriebene Jagd und der Fischfang Nahrung genug, so dafs sogar noch
zur Ausfuhr davon übrig bleibt. Die wenigen Feld- und Lastarbeiten, welche
zu verrichten sind, besorgen Sklaven, und so kann sich der leichtlebige,
übrigens gegen Fremde nicht unfreundliche Suaheli ungestört seiner Haupt-
beschäftigung, dem Nichtsthun, hingeben. Die Erzeugnisse der Industrie in
Mombaza sind: Strohgeflechte, Matten und Gefäfßse, die jedoch nur von Frauen
angefertigt werden. Als Boote dienen aus Baumstämmen gehöhlte Kanoes, bei
denen noch die Krümmung des benutzten Baumstammes mehr oder weniger zu
erkennen ist.
6. Zanzibar’). Die Stadt Zanzıbar bietet trotz ihrer Wichtigkeit, der
Schiffahrt nicht in jeder Beziehung genügende Hülfsquellen. Da Ducks oder
Bassins fehlen, so können bedeutende Reparaturen nur an kleineren Schiffen
vorgenommen werden. Maschinenreparaturen sind nur in der Maschinenfabrik,
welche Privateigenthum des Sultans ist, ausführbar; sie ist jedoch mit deu Ar-
beiten für die eigenen Dampfer des Sultans ziemlich in Anspruch genommen.
Steinkohlen sind in jeder Quantität zu normalen Preisen zu bekommen; die
Erlangung von genügendem Seeproviant für lange Reisen ist, wenn auch möglich,
so doch mit Schwierigkeiten verbunden. Der Hafen von Zanzibar ist sehr ge-
räumig und durch Riffe und Inseln gegen Seegang geschützt. Sanitätsamt be-
steht keines; der Lotsenkommandeur ist zugleich Hafenmeister. In telegraphischer
Verbindung steht Zanzıbar direkt mit Aden und Mozambique; das Postwesen
wird durch die Britisch-Indische Regierung besorgt. Die Stadt zählt ca 80 000
Einwohner. Die herrschende Race ist die Arabische, von welcher gegen 5000
in der Stadt leben; sie sind meist Grundbesitzer, und ein grofser Theil der
reichen und fruchtbaren Insel ist ihr Eigenthum; 500 Hindus und Banjanen
sind meist tüchtige und vermögende Kaufleute. Das Gros der Bevölkerung
bilden die Suahelineger, die fast ausschliefslich zur arbeitenden Klasse gehören
oder Sklaven sind, Von den 85 in der Stadt lebenden Europäern sind 25 Deutsche,
Die Stadt ist ziemlich rein und nahezu ein Drittel der Häuser aus Stein (Ko-
rallenstein) gebaut; die Neger wohnen abgesondert von den Arabern und
Hindus in ihren eigenen Hütten. Der Palast des Sultans befindet sich auf dem
Hauptplatze, der zugleich Hauptlandungsplatz für Boote ist; Palast und Haupt-
platz sind elektrisch erleuchtet. Außerdem besitzt der Sultan noch mehrere
andhäuser, die alle durch Telephone mit dem Hauptpalast verbunden sind,
Besondere bemerkenswerthe Gebäude sind die Französische Mission mit einer
katholischen Kirche, das Englische Konsulat und die Faktoreien der Deutschen
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„Africa Pilot*, Part III 1884, S. 342, WUeber Zanzibar siehe auch Annalen 1875,