106 Aus dem Bericht über die Expedition der Oestr.-Ung, Korv, „Frundsberg“,
Schiffskörper und der Maschine können dort ausgoführt werden; Schiffszimmer-
leute und Taucher sind, wenn auch zu hohen Preisen, zu bekommen, und mehrere
Schmieden in Thätigkeit. Da der innere Hafen sehr seicht ist, so müssen die
Waaren von den Handelsschiffen auf Leichterfahrzeugen noch ca 1'/2 Sm bis
zur Stadt geschafft werden. Der Transport der Waare vom Schiffe bis zum
Landungsplatze kommt pro 50 kg auf 1'/a Piaster zu stehen.
Die Stadt Jiddah, im heiligen Lande Hedjaz gelegen, weshalb nur Moslems
dort Grund und Boden ankaufen dürfen, bildet den Versammlungsort der über
See ankommenden Pilger nach Mekka und Medina, deren Zahl sich im Jahre
1884 auf ca 100000 belief, von denen 30 000 bis 40000 zur See ankamen,
Zur Zeit der Anwesenheit der „Frundsberg“ lagen 10 Dampfer im Hafen,
5 Englische, 1 Egyptischer, 1 Französischer und 2 aus Zanzibar, Die Quaran-
täne wird sehr strenge gehandhabt. Der Gouverneur der Stadt bekleidet den
Raug eines Kaimakam und ist in jeder Hinsicht bestrebt, die Rechte der
christlichen Unterthanen zu wahren. Aus dem Weichbilde der Stadt kann je-
doch kein Europäer sich ungefährdet entfernen. Der Sklavenhandel steht in
Arabien trotz des Verbotes der Türkischen Regierung und trotz der Englischen
Kreuzer in Blüthe; Ser werden ungefähr 6000 Sklaven eingeführt. Den
Ausgangspunkt des Sklavenhandels bildet die Egyptische Küste; der Transport
yeschieht auf Arabischen Schmuggelschiffen, Fahrzeugen (Sambuks) von sehr
zeringem Tiefgang, die längs der Küste in engen flachen Kanälen fahren und
dunkle Nächte zum Ueberfahren über das Rothe Meer und zur Ausschiffung
der Sklaven benutzen. Besonders werden Negerknaben und Mädchen bis zu
12 Jahren aus Kordofan und dem Inneren Afrikas eingeführt, Erwachsene
bilden keinen Gegenstand dieses Handels. Der Handel ist meistens in Händen
7on eingeborenen Kaufleuten, und zwar speciell von Hadramis (Südarabern) und
[ndiern; Banjanen, die sich in den anderen Seehäfen des Rothen Meeres vor-
änden, giebt es in Jiddak nicht. In der Stadt befinden sich auch einige Kuro-
päische Kaufleute, im Invern dagegen nicht. Der Verkehr mit Mekka ist
ziemlich sicber, die Karawanen nach Medina dagegen werden sehr oft von Be-
duinen geplündert,
2. Suakin‘) ist eine Stadt von ca 5000 Einwohnern, von denen sich
jedoch über 2000 jährlich während der Sommermonate in das Innere des
Laudes begeben. Die Bevölkerung besteht aus Nubiern, Arabern und einigen
Hundert Griechen und Banjanen. Swuakin ist der Hauptans- und Einfuhrhafen
von Sudan. Der Hafen ist nicht sehr geräumig, für. Dampfer jedoch ganz be-
quem und gegen Seegang und jedes Wetter vollkommen geschützt. Obwohl
die Englische Regierung dort auf der Quarantäne-Insel ein privaten Firmen
gehöriges Hafendepot besitzt, können doch fremde Kriegsschiffe weder Kohlen,
noch Lebensmittel, Wasser oder sonstige Ausrüstungsgegenstände beziehen.
Ebenso wenig giebt es Werkstätten zur Ausführung von Reparaturen an Schiff
oder Maschine. Seit den Unruhen im Sudan verkehren nur noch Egyptische
Postdampfer zweimal im Monat mit Suakin.
3. Massauah (Musawwa)®), eine Stadt von 3000 bis 4000 Ein-
wohnern, worunter 62 Kuropäer (50 Griechen), ist der Hauptausfuhrhafen von
Abyssinien und liegt auf zwei Inseln, welche durch Erddämme mit dem Fest-
lande verbunden sind. Derjenige Erddamm, welcher zu der dem Lande zunächst
liegenden Insel führt, ist über 2000 m lang. Auf dieser Insel befindet sich der
Brunnen, welcher die Stadt mit Sülswasser versorgt. Der Hafen ist sicher
aber eng. Der Seeverkehr Massauahs ist gering; zweimal im Movat berühren
die Khedivie&-Dampfer und zwar einmal von Aden, einmal von Suez kommend,
den Hafen; einmal im Monat läuft ein kleiner Dampfer von Assab ein.
4. Hodeidah®), in der Arabischen Provinz Yemen gelegen, hat 25000
bis 30000 Einwohner, die meist aus Arabern, dann aus Türken, Indiern und
Banjanen, aber nur wenigen Europäern bestehen. Die Stadt ist durch eine
Umfassungsmauer und zwei Forts vor nächtlichen Ueberfällen geschützt. Den
Seeverkehr unterhalten hauptsächlich die Khedivie-Dampfer, welche monatlich
i) „Red Sea Pilot“ 1883, S. 86.
t) „Red Sea Pilot“ 1883, S. 106.
3) „Red Sea Pilot“ 1883. S. 235.