100 Aus dem Reisebericht der Deutschen Bark „Emma Römer“.
Wasserfarbe in seinem oberen Lauf habe. Beim letzten Theil der Fahrt hörten
die Mangroven allmählich auf, und niedrige feste Ufer, mit höheren Bäumen
bestanden, traten an deren Stelle. Ich erwartete nun jeden Augenblick, ein Dorf
zu finden, mußte jedoch schliefslich umkehren, um das Schiff vor der Dunkel-
heit wieder zu erreichen.
Ich hatte erwartet, vor der Mündung des Rio del Rey, wie überall an
der Küste, starke Brandung zu finden, dies war indessen nicht der Fall; es
scheint, daß die Dünung durch das allmähliche Anusteigen des Meeresbodens in
der weiten Bucht, worin sich der Rio del Rey ergiefst, gebrochen wird und
sich verliert. Das Wasser in der Bucht ist klar und von grünlicher Farbe,
dieselbe Farbe hat das Wasser auch im Unterlauf des Flusses, mehr flufsauf-
wärts ist dasselbe weifslich grün und wird immer weifslicher, je mehr man
aufwärts kommt. Erdige Bestandtheile sind in dem Wasser nicht oder nur in
verschwindender Quantität vorhanden. Die Ufer sind dicht mit Mangroven be-
standen und aufserordentlich viele Flufsarme vorhanden, die nach allen Richtungen
hinlaufen. Die Gezeitenströmungen sind schwach, der Unterschied zwischen
Ebbe und Fluth betrug auf dem Ankerplatz des „Habicht“ ca 1m.
Am 18. Oktober 7'% Uhr Morgens wurde Anker gelichtet und strom-
abwärts gedampft. Um 8 30” wurde der Fluß verlassen, und versuchte ich
nun, von der Mündung auf Kap Debundselen zu steuern, mulßlste jedoch Mittags
einen S0zS-Kurs einschlagen, da die Wassertiefen bis auf 5m abnahmen. Um
Eh 15% langte ich vor Victoria an, setzte den Dolmetscher ab und dampfte
nach Bimbia weiter. Zum Einlaufen in den Hafen von Bimbia war es indessen
sehon zu dunkel geworden, und ankerte ich während der Nacht vor der Man
of war-Bai, Am nächsten Morgen 8 Uhr ging ich in den Hafen von Bimbia
and ankerte 81% Uhr westlich von Nicol. Die auf Karte Tit. VI, No. 156,
angegebenen Wassertiefen stimmen mit der Wirklichkeit nicht mehr überein,
and haben Fahrzeuge vom Tiefgange des „Habicht“ beim Besuche dieses Anker-
wen die gröfste Vorsicht zu beobachten.!) „Habicht“ ging bei gowöhnlichem
Niedrigwasser in den Hafen, fand jedoch in der Rinne von King Williams Town
nur 5—41/ und stellenweise nur 4m und ankerte in 5m Wasser. Lothungen,
die ich rund um das Fahrzeug anstellen lief, ergaben nur an einigen Stellen
6m, sonst überall nur 5 und 4,5m. Vormittags 11% Uhr verließ ich den
Hafen wieder und dampfte nach dem Kamerun-Flufsa, wo ich um 3* 40“ Nach-
mittags ONO%:0O von Suellaba-Bake in 8m Wasser ankerte.
Am 26. Oktober Nachmittags 1/3 Uhr verliefßs ich den Ankerplatz von
Suellaba und dampfte nach Kamerun, wo ich um 3% Uhr ankerte.
Aus dem Reisebericht des Kapt. P. Albrand von der Deutschen
Bark „Emma Römer“.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Durchsegelung der Allas-Strafse von Süd nach Nord im SE-Monsun.?)
„Am 16. Juli 1884 gelangten wir auf unserer Reise von Amsterdam nach
Makassar in die Allas-Strafse. Der Wind war südöstlich, leicht, oft von Wind-
stillen unterbrochen. Es fand starke Stromkabbelung statt, bei welcher sich
die See förmlich brach. Ebbe und Fluth wechselten regelmälsig mit einander
ab, doch war der südlich setzende Strom der stärkere. Derselbe hatte eine
solche Geschwindigkeit, dafls wir am Morgen bei einer Fahrt von 6 Kn nur
1 Sm in der Stunde nordwärts gelangen konnten. Um 4* p.m. ankerten wir
bei dem Dorfe Segara, unter der Küste von Lombok, auf einer Tiefe von
315m (17,5 Fad.) über feinem schwarz und grauem Sandgrunde, mit Muscheln
l.
4) „Africa Pilot“, Part 1, 1880, S, 326; „West Coast of Africa®, Part II, 1875, S, 288;
Findlay’s „South Atlantic Ocean“, 1883, S. 655. . .
2) Siehe diese Annalen Jahrgang 1883, Seite 824, und Jahrgang 1885, Seite 139.