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Form und Bewegung der Cyklonen.
wärts dieselbe Geschwindigkeit, aber die Richtung W 27'/23° N haben, welche
mit derjenigen der Westindischen Cyklonen nahezu zusammenfällt.
Hieran anschließend, untersucht Loomis die vorherrschenden Wind-
richtungen in diesen Gebieten,
Nach Maury’s „Pilot chart“ der Chinasee beträgt für 10-—20° N-Br
und 110—125° E-Lg die Windrichtung für Juli bis September S 33° W und
für Oktober und November N47°E. Für die ersteren drei Monate ist die
Richtung der Cyklonen W 35° N und für die beiden letzten W 25'/4° N, so dals
einer mittleren Schwankung der Windrichtung von 166° eine Schwankung in
der Fortpflanzungsrichtung der Stürme von nur 9'/2° entspricht, Indessen zeigte
eine Vergleichung der Windrichtungen zur Zeit der Cyklonen in Manila und
Tugquegarao, welche Stationen in der Nachbarschaft der Chinasee liegen, dafs
die Cyklonen in der Regel von einem südlichen Winde von längerer Dauer
gefolgt werden, während in dieser Zeit der Nordwind vorherrscht, eine That-
sache, welche mit den Untersuchungen von Elliot über die Cyklonen der Bai
von Bengalen im Einklang steht.
Die folgende Tabelle veranschaulicht für den Nordatlantischen Ocean die
mittleren Sturmbahnen und Windrichtungen für die Monate Januar, April, Juni
und Oktober, und zwar auf der Hauptroute zwischen Amerika und Europa.
Länge Sturmbahnen Wind Breiten- Abweichung
Gr. Breite Richtung Breite Richtung differenz des Windes
nach Norden
N79,3° W 4 4° 33,7°
S 85,2° W 6,4° —21,5°
S 616° W 3,8° + 51°
8 73,5° W 6,4° — 1,3°
S 65,2° W 4,9° + 16,3°
SS 58.6° W 3.0° = 927.6°
Hiernach haben in der Gegend des 50. Breitegrades Winde und Cyklonen
nahezu gleiche Richtung. In den westlichen Theilen des Atlantischen Oceans
verlaufen die Cyklonenbahnen erheblich mehr nördlich, als die Windrichtung,
in den östlichen Theilen mehr südlich.
.Eine Vergleichung dieser Verhältnisse mit denen der Vereinigten Staaten
ergab für die Wintermonate eine mittlere Windrichtung nach einem Punkte
zwischen Süd und Ost; an den mehr westlich gelegenen Stationen war diese
Richtong mehr als 30° südlich von Ost. Die mittlere Bahnrichtung der Cy-
klonen verlief an den westlichsten Stationen mehr als 15° südlich von Ost, an
den östlichen ein wenig N von Ost.
Ferner vergleicht Loomis durch eine Reihe von Beispielen die Fort-
pflanzungsrichtung der Cyklonen in den Vereinigten Staaten, welche nach SE,
NE und nach W ziehen, mit den Windrichtungen. Die anomale Fortpflanzung
nach West hin beschränkt sich weder auf eine bestimmte Jahreszeit, noch auf
bestimmte Gebietstheile,. Die mittlere stündliche Geschwindigkeit ‚beträgt
23 Miles (etwas mehr als 10m pro Sek.)., Die Ursache der merkwürdigen
Erscheinung sucht Loomis in verschiedenen Umständen: 1. in der gegenseitigen
Einwirkung zweier nahe gelegener Depressionen, die auf einander eine an-
ziehende Wirkung ausüben, 2. in dem Einflusse grofser Regenfälle, die ebenfalls
anziehend wirken, 3. in der Wechselwirkung zweier nahe gelegener Gebiete
hohen Luftdruckes, welche die Winde beeinflussen und oft zur Entwickelung
von Depressionen Veranlassung geben, und 4. in der Anwesenheit eines
Gebietes hohen Luftdruckes auf der Nordostseite der Depression, wenn die
Gradienten auf der Südwestseite gering sind; in diesem Falle ist die Be-
wegung oft nach Südwest gerichtet. Merkwürdigerweise stellt Loomis den
Fall vom 22. bis 24, März 1878, welchen Köppen specieller untersucht hat,')
in der Karte XV und Tabelle XXII wohl richtig, im Text aber ganz falsch
dar. Dieser Fall ist bemerkenswerth wegen der Trockenheit und Heiterkeit
des westlichen Gebietes, nach welchem hin das Minimum sich bewegte; die
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ı. „Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte“, III, 1880.