Kleine Notizen.
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Nach Angabe der in Sarawak lebenden Europäer kommt der NE-Monsun
an der Westküste von Borneo erst gegen Ende Dezember durch und verursacht
dann an der Barre des Sarawak-Flusses eine 80 hohe See, dafs die Dampfer
die südliche Einfahrt in den Fluß wählen müssen.
Die „Saida“ hatte Anfangs Oktober 1885 auf 7° N-Br und frei von
allen Küsten nördlich der grofsen Natuna-Insel noch nicht das geringste An-
zeichen eines NE-Monsuns. Ganz schwache veränderliche Winde waren von
häufigen: starken, aber kurz andauernden Böen unterbrochen, weiche zunächst
einen starken, mitunter wolkenbruchartigen Regen mit sich brachten. Der
Regen hielt nach dem Vorüberziehen der Böe gewöhnlich noch 1 bis 2 Stunden
in unverminderter Heftigkeit an und wurde erst von der umsetzenden Briese
vertrieben.
Ein Strom wurde während der zehn Tage, welche das Schiff in dieser
Position lag, nicht gefühlt.
6. Strömungs- Verhältnisse in der Ansegelung der Strafse von
Singapore. Der Kommandant der Oestr.-Ung. Kory. „Saida“, Linienschiffs-
Kapt. Heinrich Fayenz, hat nach der „Hydrographischen Nachricht“
No. 52/317, Pola 1885, Nachstehendes über die Strömungs- Verhältnisse in der
Ansegelung der Stralse von Singapore berichtet: ;
Beim Anlaufen der Strafse von Singapore, Mitte Oktober 1885, wurde
ein WNW—NW-Strom in einer bisher nicht beobachteten Stärke von 1!/2 Sm
in der Stunde konstatirt, während derselbe Strom beim ersten Anlaufen und
beim Auslaufen im September 1885 nur in einer Stärke von ’/1ö Sm die Stunde
beobachtet wurde und bei der Annäherung an DBornea nach SSW mit “19 Sm
Geschwindigkeit umsetzte.
Am stärksten war die Strömung in der Api-Straße, woselbst sie 2! bis
3 Sm in der Stunde betrug und zwar am Eingange in der Richtung SzW, am
Ausgang SW.
Dieser mehrfach erwähnte WNW—NW-Strom, von welchem weder auf
der Karte (Tit. X 24, Br. 2403) noch in den Rh Erwähnung
geschieht), macht das Anlaufen der Strafse von üngapore von Norden her
sehr unangenehm, da man sich auf die Sichtbarkeit des Feners und der Land-
marken, des meist unsichtigen Horizontes wegen, nicht. verlassen kann. In
zweifelhaften Fällen ist es daher am rathsamsten, so lange beizudrehen, zu
stoppen oder zu ankern, bis das Wetter soweit aufheitert, um die nöthigen
Anhaltspunkte für das Anlaufen zu gewinnen.
Bei einem Forciren der Einfahrt, riskirt man Havarien, wie solche vor
Kurzem der Llioyddampfer „Medusa“ davontrug, Derselbe befand sich trotz
guter Rechnung und gutem Ausguck mit einem Male auf der Untiefe Romania,
während er sich ganz frei in See glaubte, und verlor den Schraubenflügel durch
Aufschlagen auf den Grund.
Beim Passiren der Singapore-Strafse ist es vortheilhaft, sich an der
Nordseite derselben zu halten. Man hat an der Spitze Komania, den Romania-
Ioseln, und an den Bergen Barbukit und Jokore sehr gute Landmarken, um den
Abstand vom Lande zu reguliren und die Untiefe Johore ungefährdet passiren
zu können.
Nach dem Passiren dieser Untiefe kommt man auch beim unsichtigsten
Wetter leicht zum Ankerplatz, wenn man den zahlreichen Fischerzeichen ent-
lang fährt, dieselben etwa !/s Sm an St-B. lassend.
7. Ueber den Hafen von Swatow (Swatou). Fluls Han. China,
Der Kommandant des Oestr.-Ung, Kbt. „Nautilus“, Korr.-Kapt. Carl Spetzler,
hat nach der „Hydrographischen Nachricht“ 52/324, Pola 1885, Nachstehendes
über den Hafen von Swatow *) berichtet.
Das Ansegeln des Aufsenhafens von Swatow bietet mit Hülfe der Brit.
Adm.- Karte 2789 (Tit. XI: No. 29) keine besonderen Schwierigkeiten. Der
Leuchtthurm auf dem Kap Good Hope, der Pagoda-Hügel, die felsigen Inseln
Green und Bill und beim Näherkommen die 2,1 m hohe Klippe Dowe bieten
gute Ansegelungsmarken,.
; Ygl. China Sea Directory, Vol. I, 1878, pag. 83.
5 Vgl. China Sea Directory, Vol. ILL, 1884, pag. 169