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Norder im Golf von Mexico am 5. April 1884.
Darauf folgte nach einigen Minuten ein zweiter furchtbarer Windstofes, Der-
selbe war indessen auch nur von kurzer Dauer. Es trat wieder eine kurze
Windstille ein, und erst nach dieser griff ein gleichmäfßsiger Sturm von N,
Stärke 8-—9, durch.
Das Barometer begann gleich nach dem Umspringen des Windes auf N,
etwas nach 3® p.m., rasch in die Höhe zu gehen — bis 4" um 2mm. Darauf
trat jedoch, obgleich ein starker Sturm aus N wehte, ein nochmaliges Fallen
ein, und erst um 8 p.m., bei dem Winde N 10, erreichte es mit 751,4 mm
seinen tiefsten Stand. Vorher, zwischen 6'/* und 7* p.m., hatte der Wind
noch einmal seine Richtung zeitweilig von N nach S verändert. Zur Zeit des
zweiten Minimums, um 8* p. m., fand ein wolkenbruchartiger Regen mit Gewitter
von !/4 bis !/s Stunde Dauer statt, Darauf klarte die Luft von W her ab.
Die Wolken, selbst die niedrigen Strati, zogen schon um Mittag gegen den
Wind aus westlicher Richtung. Um 9 p.m. befand sich nur noch im Osten
einiges Gewölk, welches gegen 10" p.m. verschwand, Anhaltendes Blitzen
zeigte sich in diesem Gewölk, Während der Nacht erlitt der regelmäßige
Verlauf des Sturmes eine nochmalige Unterbrechung. Um 11* p. m. wurde es
windstill; dann kam der Wind auffrischend aus W dureh, wobei das Baro-
meter wieder etwas fiel, und um 1* a.m. den 6. April wehte abermals ein
Sturm von der Stärke 9—10 aus N. Doch bei nunmehr bald rasch steigendem
Barometer nahm der Wind im Laufe des Tages bis zur schwachen Briese ab,
and die Luft gewann ein passatähnliches Aussehen.
Kapt. Scheibe bemerkt des Weiteren:
Wir hatten, gewarnt durch das rasche Fallen des Barometers von etwa
1,ömm in der Stunde, schon gleich nach Mittag des 5, April alle Segel bis auf
das Grofsuntermarssegel, welches später aber auch eingenommen werden mufste,
festgemacht. Das Schiff war bequem beladen, nicht zu steif und auch nicht zu
rank und lag wie eine Ente auf dem Wasser, Infolge dessen ging dann auch
die Krisis, trotz der wild durch einander laufenden See, ohne üble Folgen für
das Schiff an uns vorüber.
Mir scheint, dafs man als Vorboten eines Norders eine aufsergewöhnliche
Trockenheit der Luft ansehen kann. Mich veranlassen zu dieser Annahme
meine Wahrnehmungen vor dem jüngst erlebten sowohl, wie auch bei einem
Sturm aus N, von dem wir auf der Ausreise am 27, Februar betroffen wurden.
Am 4. April, dem Tage vor dem hier besprochenen, erreichte die relative
Feuchtigkeit der Luft um 4* p.m. den geringen Grad von 47 °% >; die psychro-
metrische Differenz betrug bei einer Lufttemperatur von 184° C. 5,8°.
Anmerkung. Die aufsergewöhnliche Trockenheit der Luft, die Kapt.
Scheibe als den Vorboten eines kommenden Norders hinstellt, dürfte wohl
eher als eine Folge eines vorhergegangenen Norders anzusehen sein. Die im
Winter auftretenden Nordwinde des Golfs von Mexico sind, da sie aus dem
Lande kommen, verhältnifsmäfsig kalt. Ihre "Temperatur ist erheblich niedriger,
als die der Meeresoberfläche. Wenn der Nordwind nachläfst, beginnt die
herbeigeführte kalte Luft sich in ihren unteren Schichten durch die Berührung
mit dem warmen Wasser rasch zu erwärmen, rascher, als wie die Aufnahme
von Wasserdampf vor sich geht. Dies bewirkt, dafs die Luft verhältnifsmäfsig
gehr trocken wird. In dem gewöhnlichen Wechsel zwischen nördlichen und
südlichen Winden, wie er hier im Winter stattfindet, hält die Abnahme der
Feuchtigkeit an, bis die südlichen Winde einsetzen. Mit diesen, da sie vom
Meere und von niedrigeren Breiten her wehen, beginnt die relative Feuchtigkeit
wieder zuzunehmen, und sie erreicht ihr Maximum im Augenblick der plötz-
lichen Temperaturerniedrigung, wenn der nördliche Wind einfällt. Die relativ
gröfste Feuchtigkeit der Luft fällt demnach im Allgemeinen mit dem Beginn
des Nordwindes, die relativ geringste mit dem Beginn des Südwindes zusammen.
Im vorliegenden Falle nahm die relative Feuchtigkeit mit den auffrischenden
südlichen und westlichen Winden am Nachmittage des 4. April und in der
folgenden Nacht allmäblich von 47 bis 70% 0 zu und erreichte nach einigen
Schwankungen bei den unregelmäfsigen Windänderungen ihr Maximum von
97 %% mit dem definitiven Einsetzen des Nordwindes um 8* p.m. des 5. April.
Am folgenden Tage wurde sie bei abnehmender nördlicher Briese und steigender
Temperatur langsam, aber regelmäfsig geringer.