Reiseberichte der deutschen Bark „Jupiter“.
früher die gröfste Wassertiefe war, hat dieselbe um mehrere Fufs abgenommen,
weshalb alle tiefgehenden Schiffe jetzt an Bullock Island laden. Der Ballast
wird nach wie vor bei der letztgenannten Insel oder bei Stockton gelöscht, im
ersten Falle vermittelst hydraulischer Krähne. Eine neue Verordnung ist in
Newcastle in Kraft getreten, nach welcher, wenn es verlangt wird, die Schiffe
auch während der Nacht Kohlen laden müssen. Die Dampfer werden den
Segelschiffen vorgezogen. Das Trimmen der Kohlen, welches früher von Leuten
der Werfte besorgt wurde, ist jetzt allgemein freigegeben. Die Preise hierfür,
sowie andere. Kosten sind dieselben geblieben, ausgenommen das Werftgeld
von !/2 ad. per Registertonne den Tag während der Dauer der Ladezeit.
In diesem Jahre sind zum ersten Mal zwei grofse Dampfer und zwei
Segelschiffe von Newcastle gröfstentheils mit Wolle nach Europa befrachtet; es
steht aber zu erwarten, dafs auch der Export anderer Produkte, aufser Kohlen,
zunehmen wird, da die Eisenbahn nach Queensland jetzt vollendet ist.
Ein in Newcastle neu erbautes Sazlors Home ist kürzlich eingeweiht und
oröffnet. Das Desertiren der Schiffsmannschaft steht nach wie vor auf der
Tagesordnung. !)
77
I. Manila, Februar 1884,23)
Das Feuer von Pulo Caballo ist etwa 5, das rothe Hafenfeuer von Manila
stwa 3 Sm weiter sichtbar, als im Feuerbuch von Imray 1883 angegeben ist.°)
Das bei dem letzten Erdbeben zerstörte grüne Bakenfeuer und die vertriebene
Boje auf der St. Nicholas-Bank ist bis jetzt nicht wieder errichtet beziehungs-
weise ausgelegt,
An der Küste von Luzon sind in neuerer Zeit mehrere Signalstationen
entstanden, welche vorbeipassirende Schiffe in Manila anmelden. Diese Stationen
befinden sich unter anderen: beim Kap Bolinao, am südlichen Eingange zur
Bai von Manila, gegenüber der Insel Corregidor, und bei Calatajan, unweit des
Einganges der grofßsen Balayan-Bai und der Bernardino-Stralse,
Beim Einkreuzen während des NE-Monsuns in die Bai von Manila ist
es gerathen, die südliche Einfahrt zu benutzen, weil der Strom hier nicht so
stark aussetzt, als nördlich von der Insel Corregidor, und der Felsen Ei Fraile
auch bei Nacht, wenn die Luft nicht zu dunkel ist, ein gutes Merkzeichen ab-
giebt. Auch in der Bai sollte man die südliche Seite halten und lieber kurze
Gänge machen, da sehr häufig am Nachmittage oder gegen Abend der Wind
dicht unter dieser Küste südlich läuft. Sollte man einkommend den Ankerplatz
der Schiffe im SOzO0 von der Stadt nicht erreichen können, sondern gezwungen
sein, vorher schon zu ankern, so darf man, so lange die Visite noch nicht an
Bord gewesen ist, sein Schiff, wenn die Gelegenheit günstig wird, selber nach
dem eigentlichen Liegeplatz der Schiffe verlegen; ist die Visite aber einmal an
Bord gewesen, so darf dieses, ‚wenn. man nicht. in eine Strafe verfallen will,
ohne Erlaubnifs des Hafenmeisters und ohne einen Lotsen nicht mehr geschehen.
Das schon seit zwei Jahren. von den Schiffen erhobene Tonnengeld —
jetzt 28 cts. — soll dazu benutzt werden, einen Hafen für gröfsere Schiffe an-
zulegen. Von demselben ist bis jetzt aber noch nichts zu sehen, auch konnte
mir Niemand Auskunft darüber geben, wann der. Bau desselben voraussichtlich
in Angriff genommen werden wird. In der: Mündung des Pasig waren ein alter
Dampfbagger und ein Steinhebekrahn‘ beschäftigt, um das Fahrwasser zu ver-
tiefen. Gegenwärtig aber gerathen daselbst 3 bis 3,3m (10 bis 11 Fuß) tief-
gehende Schiffe noch auf dem Grunde fest. .Etwas weiter den Flufs aufwärts
ist Wasser genug für tiefer gehende Schiffe,
Kleine Schiffe können im Flufs kielholen; für gröfsere sind aber weder
solche Vorrichtungen noch Docks, welche gestatten, Schäden, die sich unter
Wasser befinden, zu repariren, in Manila vorhanden. Andere, selbst bedeutende
Reparaturen können hier ausgeführt werden. Die zu zahlenden Preise stellen
sich in Manila aber beträchtlich höher als iu Hongkong,
)S. „Ann, d. Hydr. etc,“, 1883, pag. 354.
) S. „Ann, d. Hydr. etc.“, 1881, pag. 567. und 568. ;
] 3) S. „Verz. d. Leuchtf, aller Meere“, 1881, wonach ersteres Feuer 6, letzteres 8 Sm zu
sehen ist.