Auflösungen für das Zweihöhenproblem.
5. Ferner ist anzuführen: C. H. Gietermaker, ’t Vergulde Licht der
Zeevaart, 3. Edit., Door F. van der Huips, Amsterdam 1677 in 4. Dieser hat,
wie Dr. Breusing ebenfalls bemerkte, schon vor Fatio (1728) die Aufgabe
durch Berechnung der drei Dreiecke für den Seegebrauch einzuführen gesucht.
Seite 81 lautet das Problem: „XCVII Vorstel. Leert, als bekent is de Sters
Dechinatie, en des selfa hooghte tweemael boven den Horizont met sekere tijdt
tusschen beyden, te vinden de Polus hooghte.“ Die Berechnung geschieht in
Proportionssätzen der sphärischen Trigonometrie. Seite 83 wird der besondere
Fall behandelt, wo zwei bekannte Sterne gleichzeitig im Horizont beobachtet
sind. Der letzte Theil des Werkes enthält Uebungsaufgaben zur Navigation
(von v. d, Huips), die auf höhere Gleichungen führen, nach Art der Räthsel-
aufgaben in den Rechenbüchern. Beide Verfasser waren Navigationsexaminatoren
zu Amsterdam, ebenso wie später Douwes, Floryn und Bangma,
6. O.S. Bangma, Verhandeling over de Breedte buiten den Middag,%)
Amsterdam 1812, Diese Abhandlung enthält schon (pag. 35), worauf auch
Dr. Breusing verwies, dieselbe strenge Formel, auf welche ebenfalls Herr
Kapt. Heyenga kam (Ann. f. 1883, pag. 152), nur hat Bangma die Zenith-
distanzen statt der Höhen angewandt. Unbekannt bleibt somit einstweilen nur
noch der erste geschichtliche Ursprung der anderen strengen Formel (diese
Ann. f. 1883, pag. 151), wofür sich einstmals mehrere Navigateure besonders
interessirten. Bangma giebt auch in kürzester Form die Differentialausdrücke
der Aufgabe für die Breite (nicht für den Zeitwinkel) vollständig, mit Ausnahme
der Korrektion für einen Fehler in der verflossenen Zeit. Geoschichtlich von
einigem Interesse ist noch seine Schlufsbemerkung über die Korrektion für die
Ortsveränderung des Schiffes: „Als men tusschen de beide waarnemingen van
plants veranderd is, gelijk op Zee met en zeilend schip gebeurt, kaı men den
verloopenen tijd corrigeren naar de wijze van Douwes; maar beter en tevens
gemakkelijker is het, dat men de Hoogten van de Zon overbrengt tot dat
Zenith, waar van men de Breedte verlangt, gelijk men in Denemarken gewoon
is te doen; wil men bij voorbeld hebben, dat er de Middagsbreedte uit zal
kamen, moet men de Hoogten herleiden tot het Zenith van den middag“,
7. J. A. Grunert,®) „Ueber die nautische Aufgabe, aus den gemessenen
Höhen zweier Sterne und der Zwischenzeit die Polhöhe und die Zeit zu be-
stimmen“, leitet aus den Grundgleichungen der Aufgabe zunächst die quadratische
Gleichung für sing her. Eine Bemerkung dabei (pag. 11), „dafs sing und
folglich auch # immer positiv“ sei (als wenn es neben der positiven oder nörd-
lichen Breite nicht auch eine negative oder südliche Breite in der Auflösung
geben könne), erinnert an dieselbe irrige Bemerkung von Mollweide, der
freilich auch Delambre zustimmte, so daß Gauss sich veranlafst sah, diese
Regel bei der Auflösung als unstatthaft und der Aufgabe fremd zurückzuweisen
(vgl. diese Ann. f. 1883, pag. 158).%) Grunert giebt mehrfache Umformungen
der quadratischen Gleichung für die logarithmische Rechnung, wie auch die
Differentialausdrücke für die Breite und den Zeitwinkel mit Beziehung auf die
Aenderungen der Höhe und der verflossenen Zeit, aber ohne Rücksicht auf eine
Aenderung der Deklination, weil „diese. schon bei der grofsen Genauigkeit
anserer jetzigen Sternverzeichnisse als fehlerfrei anzunehmen“ seien. Es wurde
also aus diesem Grunde übersehen, dafs die Rechnung mit konstanten Sterns-
71
66) In den „Verhandelingen der erste Klasse van het Hollandsch Institut van Wetenschappen,
Letterkunde en schoone Kunsten, te Amsterdam, I. Deel, 1812“. ;
57) Archiv der Mathematik und Physik, Th. 14, Greifswald 1850, pag. 1—92.
6%) Es würde kaum begreiflich sein, wie eine solche Regel sich wiederholen konnte, wenn
nicht etwa die inkonsequente Annahme damit verbunden gewesen sein möchte, dafs ein Beobachter
auf der südlichen Hemisphäre seine südliche Breite als positiv, mithin das für seinen Beobachtungsort
nicht zulässige Resultat einer nördlichen Breite als negativ betrachten müfste, Da aber die beiden
Wurzeln der Gleichung auch gleiche Zeichen haben können, so würde jene an sich unzweckmäfsige
Annahme doch kein ordentliches Kennzeichen der auszuscheidenden Wurzel abgeben; und was
Delambre (Conn. des Temps 1817, pag. 292) schliefslich darüber sagt, kann nicht zur Recht-
fertigung der Verwerfung der negativen Wurzel dienen, — Viel besser ist die von Delambre
‘pag. 306) angeführte Bemerkung des Prof, Burgade in Livorno, dafs man zur Entscheidung über
die zu wählende Wurzel der Gleichung eine dritte Höhe benutzen könne, wonach dann bei der
Rechnung mit je zwei Höhen der eine richtige Werth für den Beobachtungsort sich wiederholen
mufs. Ganz genau würde das freilich nur bei absolut fehlerfreien Beobachtungen eintreten, wo auch
die drei Sumner’schen Linien aus den drei Höhen sich genau in einem Punkte schneiden müfsten,