700 Eingänge von meteorologischen Journalen etc., August 1885.
grenze, Als sich in ihrer Nähe der schwach gewordene Wind nach NE ver-
änderte, hatte das Barometer einen höchsten Stand von 770 mm erreicht. Der
Luftdruck nahm dann in 24 Stunden, während welcher der Wind die nördlichen
and westlichen Striche durchlief, bis auf 762,1 mm ab, um dann bei dem während
der nächsten 3 Tage wehenden SE-Winde bis zu dem in 34,5° S-Br und 87,5°
W-Lg beobachteten höchsten Stande von 775,5 mm zu steigen. Nachdem man auch
f{ernerhin mit einander abwechselnde West- und Ostwinde angetroffen hatte,
{and „Johann Hinrich“ endlich südlich von 51° S-Br die erwünschten durch-
stehenden Westwinde. Bei denselben segelte der Schoner bis zum 7. Mai zur
Länge des Kap Horn. Der 7. Mai war der 26. bis dahin auf See zugebrachte
Tag. Während dieser Zeit hatte man: 30° S-Br in 86° W-Ly am 19. April,
10° S-Br in 89° W-Lg am 28. April und 50° S-Br in 85° W-Lg am 2, Mai
gekreuzt.
Im Atlantischen Ocean überstand „Johann Hinrich“ während der ersten
in ihm zugebrachten Tage einen heftigen, fast orkanartige Stärke erreichenden
Sturm. Der stürmische NW-Wind, welcher den Schoner zum Meridian des Kap
Horn führte, war schon von einem sehr niedrigen Barometerstande begleitet.
Nachdem der Wind dann am 7. Mai ausgeschossen hatte, erreichte derselbe am
8, Mai, bei einem niedrigsten Lufidrucke von 715,4 mm, fast orkanartige Stärke.
Das Schiff wurde dadurch gezwungen beizudrehen und, da der Sturm sich nur
sehr allmählich mäfsigte, für einen Tag so zu verbleiben. Während eines damals
herrschenden Schneegestöbers beobachtete man, wie es zu wiederholten
Malen blitzte. Auf den Sturm folgten längere Zeit anhaltende Westwinde, bei
denen „Johann Hinrich“ bis zum 23. Mai nach 295° S-Br in 28,5° W-Lg
zegelte. Nördlich von diesem Punkte, wo ein auf 771,0 mm gestiegener
Barometerstand beobachtet wurde, herrschten ungünstigere Verhältnisse. Die
hier sonst so häufigen andauernden schwachen Nordwinde fand „Johann Hinrich“
jedoch nicht. Westliche Winde, die das Einhalten eines Nordkurses erlaubten,
waren vielmehr auch nach dieser Zeit vorherrschend. Aus ganz leisem südlichem
Zuge entwickelte sich schliefslich am 2. Juni der in etwa 17° S-Br und 25°
W-Lg bei einem Barometerstande von 766,5 mm einsetzende SE-Passat, bei dem
die letzte Strecke zur Linie in ununterbrochener Fahrt zurückgelegt werden
konnte. Am 9. Juni, 33 Tage später, als man sich beim Kap Horn befunden
hatte, ging „Johann Hinrich“ in 27,8° W-Lg von südlicher in nördliche Breite
über. Während jener Zeit war: 50° S-Br in 47,5° W-Lg am 13. Mai, 40°
S-Br in 33,2° W-Lg am 19. Mai, 30° S-Br in 28,6° W-Lg am 23. Mai, 20° S-Br
in 26° W-Lg am 30. Mai und 10° S-Br in 26,6° W-Lg am 5. Juni gekreuzt worden,
Am 10. Juni verließ südliche Breite in 26,3° W-Lg auch die auf einer Reise
von Süd-Australien nach Europa begrifene Hamburger Bark „Jupiter“, und am
13. Juni that dasselbe in 30,3° W-Lg auch die von San Francisco kommende
giserne Hamburger Bark „Kriemhild“. Jenes Schiff hatte sich beim Kap Horn
am 8. Mai und dieses am 11. Mai befunden. Am Mittage des 8. Mai war der
Schiffsort von „Johann Hinrich“ in 55,7° S-Br und 62,8° W-Lg, von „Jupiter“
in 56,4° S-Br und 67,5° W-Lg und von „Kriemhild“ in 53,9° S-Br und 80,4°
W-Lg gewesen. Bei allen drei Schiffen herrschte an diesem Tage anscheinend
derselbe Sturm, der früher schon erwähnt wurde. Bei „Jupiter“ erreichte die
Windstärke jedoch keinen höheren Betrag als 7, während „Kriemhild“ eine
solche von 10 beobachtete. Bei diesem letzteren Schiffe wurde um 10 Uhr
morgens am 8, Mai ein niedrigster Luftdruck von 738,1 mm abgelesen, 4 Stunden
später ein solcher von 727,1 mm bei „Jupiter“ und bei „Johann Hinrich“
ein solcher von 715,4 mm um 12 Uhr mittags desselben Tages. Bei allen drei
Schiffen hielt sich der Luftdruck während der folgenden drei Tage auf einem
angewöhnlich niedrigen Stand, obgleich während dieser Zeit bedeutende Distanzen
nach Osten hin zurückgelegt wurden. Diese Thatsache scheint in Ueber-
einstimmung mit dem fast gleichzeitigen Auftreten des Sturmes am 8. Mai, bei
den doch damals weit von einander entfernten Schiffen, auf ein weit aus-
gedehntes, zwar tiefes aber doch wenig steile Gradienten besitzendes Depressions-
gebiet hinzudeuten. Das Auftreten solcher ist beim Kap Horn kein seltenes,
und gerade durch ihr Vorkommen sind die früher häufig zu hörenden Meinungen
der Schiffsführer, dafs das Barometer bei der Umsegelung des Kap Horn
weniger werthvroll sei als anderswo, entstanden. Man vergals dann aber zu