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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Taifune und ihre fortschreitende Bewegung. 
verschiedenen Ursachen und Wirkungen auf einander; alles sucht die rotirende 
Bewegung zu beschleunigen und weiter auszudehnen, und der Wirbelwind ist da. 
Wenn nun in einer Richtung die Luft in einem stabileren Gleichgewicht sich be- 
Endet und anderen Einflüssen unterworfen, welche einen hohen Druck auf- 
recht zu erhalten suchen, dem allgemeinen Impulse nicht nachgiebt, so bewegt 
sich der Wirbel nach der entgegengesetzten Seite oder dahin, wo die in einem 
Gebiete des Maximums angehäufte Luft am leichtesten abfliefsen kann. 
Eine Wirkung der rotirenden Bewegung ist, an ihrer Peripherie solche 
Maxima zu schaffen und sie weiter und weiter in dem Mafse, wie der Wirbel 
sich ausdehnt, zurückzustofsen. Diese Ausdehnung und die Gebiete hohen Luft- 
üdruckes sind daran schuld, dafs die Gradienten weniger steil ausfallen, die 
centrale Depression weniger ausgeprägt ist, dals die rotirende Bewegung ver- 
Jangsamt, die grofse lokale. Kondensation aufhört und durch kleinere Konden- 
sationen an verschiedenen Stellen ersetzt wird, dafs schliefslich der primäre 
Wirbel sich abschwächt und allmählich verschwindet. — So erklärt sich die Ent- 
stehung, Entwickelung und das Verschwinden eines Taifuns, - . 
Die Luftströmungen in den unteren Schichten sind theilweise centripetale, 
oder sie: beschreiben vielmehr Kurven, die mehr oder weniger zum Radius ge- 
neigt sind, während sie in den oberen Schichten, wie es die Cirri oft genug 
zeigen, divergirend sind. Die Luft mufs demnach in der Nähe des Centrums, 
wo der Luftdruck am niedrigsten ist, aufsteigen und an der Peripherie, wo er 
am höchsten ist, niedersteigen, ; 
In dem Falle, wenn der Taifun einem grofsen Luftstrom folgt, scheint 
die Richtung des Windes in einer gewissen Entfernung vor dem Cenirum zu 
divergiren; diese Winde gehören aber der grofsen Luftströmung und nicht dem 
Taifun an. Wenn die Peripherie des Taifuns erreicht ist, was durch das Maximum 
des Barometers deutlich angezeigt wird, so fängt die mächtige Zugkraft nach 
dem Centrum hin sich allmählich auf die Winde geltend zu machen au, und sie 
werden stärker oder schwächer, je nachdem sie in gleicher oder entgegen- 
gesetzter Richtung wehen, als die Winde des Wirbels. In dem Gebiet der 
gröfsten wirbelnden Gewalt ist der Sturm auf allen Seiten fast gleich; hinten 
konvergiren die Winde gewöhnlich. An der Grenze des Wirbels, auf der Bahn 
oder in der Nähe derselben, herrscht ein hoher Barometerstand; seine Schwan- 
kungen, wenn er überhaupt solche zeigt, sind gering; das Wetter ist klar, der 
Wind leicht, aber veränderlich, die Temperatur liegt unter der mittleren, der 
Wasserdampf der Luft nimmt bedeutend ab. Diese Erscheinungen, welche den 
Charakter. einer sogenannten‘ Anticyklone tragen, können nur ‘von kurzor Dauer 
sein, wenn. der Wirbel sich auf den Ort zu bewegt, wo sie beobachtet wurden; 
sonst sind sie ‘mehr oder weniger anhaltend je nach der Bahn, welche der 
Wirbelwind einschlägt. 
Aus’ den beobachteten Taifunen läfst sich eine bestimmte Regel bezüglich 
ihrer Richtung in den verschiedenen Monaten nicht ableiten, Die Bahnen, 
welche eine grofse konkave Krümmung nach Osten zeigen, scheinen den Mo- 
naten gemäfsigter Temperatur, Mai, Juni, Ende September, Oktober und No- 
vember, anzugehören; denn dann ist der Luftdruck verhältnifsmäfsig niedrig 
über der Chinesischen See, im Norden Japans und dem Ochotskischen Meere. 
Während der heifsesten Monate, Juli, August und Anfang September, sind die 
Taifunkurven sehr flach, denn zu dieser Zeit herrscht an den Küsten von Mittel- 
und Nord-China ein Minimum des Luftdruckes; dann wird Shanghai und zu- 
weilen, jedoch seltener, auch Tschifu von ihnen heimgesucht, 
In Japan ist August und September die eigentliche Taifunzeit; in den 
anderen Monaten erreichen sie Japan nur nach einer langen Wanderung über 
China und sind dann eigentlich unbedeutend. 
In der Chinesischen See beginnt, sobald der NE-Monsun aufgehört hat, 
die Taifunzeit und: dauert so lange, wie der Sommer-Monsuw herrscht. Wenn 
die NE-Winde im September an der Chinesischen Küste wieder eingesetzt 
haben, so sind im Allgemeinen hier auch keine Taifune mehr zu befürchten; 
ihre Bahnen liegen dann südlicher; wenn der Monsun bis zum Aequator vor- 
gedrungen ist, wie es gewöhnlich im November oder zuweilen erst im Dezember 
der Fall ist, verschwinden sie ganz. 
685 
EEE 
Any, d. Hydr. etc., 1885, Heft XII.
	        
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