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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

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Taifune und ihre fortschreitende Bewegung. 
er mit dem Eindringen ia das Land — und er drang bis weit ins Innere Chinas 
ein und richtete in dicht bevölkerten Gegenden arge Verwüstungen an — an 
Stärke zunahm; derselbe Taifun macht übrigens auch eine Ausnahme in Bezug 
auf die Richtung seiner Fortbewegung, indem er einen dem ‚eben angedeuteten 
gewöhnlichen Woge gerade entgegengesetzten Lauf einschlug. Einige Taifune 
nehmen, wenn sie wieder nach See gehen, auch wieder an Stärke zu, ohne 
jedoch annähernd weder die frühere Gewalt des Windes noch Tiefe der 
Depression zu erreichen. Der Verlust an Energie und die Abnahme der De- 
pression ist zwei Ursachen zuzuschreiben, einmal dem fast vollständigen Ver- 
schwinden jeder Kondensation auf dem Festlande infolge des Fehlens jener 
feuchten konvergirenden Luftströme, welche auf See die Energie des Wirbel- 
sturmes vermehrten, dann infolge einer Abschwächung der Depression durch 
den Widerstand der zahlreichen, auf dem Wege liegenden Hindernisse. Die 
Wirbelwinde, welche z. B. über Tongking und Cochinchina in das Innere Chinas 
eindringen, müssen sich allmählich auf das Hochplateau im Nordwesten und 
Westen erheben, kommen dann wieder. herunter und wenden sich der Japanischen 
See zu. Die zahlreichen im Wege liegenden Berge haben stets eine Theilung 
des Hauptwirbels, zuweilen sogar der sekundären, hervorgerufen. Die Wirkung 
eines Hindernisses, wie einer auf der Cyklonbahn liegenden Bergkette, tritt 
noch mehr bei einem Taifun hervor, der auf offener See mit seiner ganzen 
Gewalt tobt. Es kommt dann vor, dafs zwei verschiedene Wirbel an beiden 
Seiten entstehen, welche um so drohender sind, als ihnen bei ihrer geringen Aus- 
dehnung jede Regelmäfsigkeit in den Winden und den Barometerveränderungen 
fehlt, so dafs sie die erfahrensten Seeleute in Verlegenheit bringen. 
Im Sommer ist der Luftdruck über dem Innern Asiens und über China viel 
niedriger als an der Küste und in Sibirien, und an der Küste wieder geringer 
als auf dem Meere. Ein Maximum des Druckes liegt über der Mitte des Stillen 
Oceans, ein‘ Minimum über dem Ochotskischen Meer und in der Nähe der 
Behring-Strafse, Diese verschiedenen Verhältnisse in dem Gleichgewicht der 
Atmosphäre sind bestimmend für die Bildung und die Bahn der Taifune. Sie 
bewegen sich stets gegen das nächste Depressionsgebiet; deshalb gehen sie 
vom Meere nach dem Lande, von den Philippinen gewöhnlich nach der Küste 
Chinas, wenn kein unübersteigliches Hindernifs im Wege liegt, aber bald auf 
Gebirgszüge stofßsend, wenden sie sich nach dem Norden Chinas, tiefere De- 
pressionsgebiete aufsuchend, als sie an der südlichen Küste finden. Sie folgen 
dann der Hauptrichtung der Isobaren, welche sie über Japan in den Stillen 
Ocean führt. Eine wunderbare Thatsache ist, dafs ein Taifun oft den Spuren 
eines eben vorhergegangenen folgt. Die Taifune scheinen sich anzuziehen, d. h. 
ein Taifun wird in seinem Bestreben, sich dem Gebiete eines barometrischen 
Minimums zuzuwenden, sich dorthin bewegen, wo ein heftiger Wirbelwind den 
Luftdruck erniedrigt hat; so wird also ein Taifun, der eben verschwunden ist 
oder sich aufgelöst hat, den nächsten Taifun nach derselben Richtung hin 
ziehen. -— Oft folgen die Wirbelbewegungen einem hohen Luftdruck, welcher 
arzeugt ist durch das Zusammentreffen zweier oberen verschieden gerichteten 
Luftströme, wodurch das Aufsteigen der unteren feuchten Luft gehemmt wird. 
Es herrschen dann ganz leichte Winde, die Luft ist überaus klar, Nachts ist 
die Ausstrahlung der Erde bedeutend, und infolge dessen sinkt die Temperatur, 
während bei Tage die Sonne mit voller Macht scheint und es sehr warm wird; 
nach einigen Tagen solchen Wetters werden, besonders auf See, die unteren 
Luftschichten überhitzt und absorbiren Wasserdampf. Wenn dann das labile 
Gleichgewicht der Luftschichten durch irgend eine Ursache gestört wird, wie 
durch eine leichte, von den entgegengesetzten Luftströmungen herrührende 
rotirende Bewegung, welche allmählich nach unten fortschreitet, so wird die 
untere feuchte Luft eine aufsteigende Bewegung annehmen, es treten Kon- 
densationen ein und tragen dazu bei, die bereits durch den aufsteigenden Luft- 
strom erzeugte Depression noch zu vergröfsern, Nachdem die rotirende Be- 
wegung einmal eingeleitet, vermehrt die durch die Centrifugalkraft nach aufsen 
geschleuderte Luft den Druck ringsum und zwingt die unteren Luftmassen, mit 
vermehrter Geschwindigkeit dem Centrum zuzuströmen; die Kondensation nimmt 
immer mehr zu, und die latente Wärme des kondensirten Wasserdampfs ver- 
mindert durch Ausdehnung der Luft den unteren Luftdruck. So folgen die
	        
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