Taifune und ihre fortschreitende Bewegung.
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befindet, so drehe man im rechten Halbkreise über B-B.-Bug bei, im linken
Halbkreise laufe man mit dem Wind von St-B. ein oder drehe über St-B.-Bug
bei, obgleich das Beiliegen im Taifun gefährlich ist, besonders ehe man sicher
weiß, dafs das Centrum bereits passirt ist. Schiffe, welche sich in der Nähe
der Chinesischen Küste oder in der Formosa-Stralse befinden, suchen ge-
wöohnlich Zuflucht in dem nächsten Taifun-Hafen, der in den Segelanweisungen
angeführt ist.
Schiffe, welche Hongkong verlassen, werden durch das dortige Observa-
torium gewarnt; Schiffe, die von Singapore gehen, können bei Befolgung der
obigen Regeln um den Taifun herumsegeln, bis sie sich am östlichen Rande
befinden, und dann die verlorene Distanz wieder gewinnen. Die Windstärke
ist gewöhnlich in dem nördlich vom Centrum liegenden Halbkreise am gröfsten,
Südlich von 9° N-Br trifft man keine Taifune.
Die Signale in Hongkong werden an einem Mast vor den Polizei-
baracken bei Tseimshatsui geheifst, und zwar:
Eine rothe Trommel bedeutet einen Taifun in der Chinesischen See öst:
lich von der Kolonie.
Ein rother, mit der Spitze nach oben gekehriter Kegel zeigt an, dafs ein
Taifun in einer nördlicheren Breite als Hongkong herrscht, oder dafs er nach
Norden fortschreitet.
Ein rother, mit der Spitze nach unten gekehrter Kegel heifst, der. Taifun
befindet sich in einer südlicheren Breite, oder er bewegt sich nach Süden.
Ein rother Ball bezeichnet einen westlich von Hongkong befindlichen Taifun,
Die Seeleute sollten nicht nur durch diese Signale sich leiten lassen,
sondern auch die meteorologischen Berichte von der Chinesischen Küste (China
Coast Meteorological Register), welche täglich ausgegeben werden, zu Rathe ziehen,
Dafs sich ein Taifun der Kolonie nähert, wird nicht durch die meteoro-
logischen Signale angezeigt. Lokale Sturmwarnungen werden durch Kanonen-
schüsse aus einem, am Fufs des Signalmastes aufgestellten Geschütze. gegeben;
Ein Schufs wird gefeuert, wenn überhaupt ein heftiger Wind erwartet wird,
zwei Schüsse, wenn ein Wind von sturm- oder taifunartiger Stärke erwartet
wird; womöglich wird noch einmal gefeuert, wenn der Wind wahrscheinlich
plötzlich seine Richtung ändern wird, da ein solches Drehen des Windes ge-
wöhnlich mit ernsten Schiffsunfällen: verknüpft ist.
Wenn besondere Informationen erwünscht sind, so sollten dieselben, wenn
möglich, zwischen 1* und 4* Nachmittags auf dem Observatorium eingeholt werden.
Es dürfte nicht uninteressant sein, den obigen Ergebnissen der For-
schungen des Herrn Doberck über Taifune in den Chinesischen und Japanischen
Gewässern diejenigen eines zweiten hervorragenden Metcorologen an der Chi-
nesischen Küste, des Pater Marc Dechevrens, Direktor des Observatoriums
zu Zi-ka-wei bei Shanghai, an die Seite zu stellen, wie sie aus dem eingehenden
Studium einer Reihe von "Taifunen, im Besonderen des bekannten Taifuns vom
31. Juli 1879,!) von 14 Taifunen im Jahre 1880 und 20 des Jahres 1881 hervor-
gegangen sind. Wir müssen uns hier natürlich auf ein kurzes Resume be-
schränken.
Die Taifune der Chinesischen See sind atmosphärische. Wirbel oder
Cyklone, deren Bahnen nahezu Parabeln bilden; der Scheitel derselben ist nach
Westen gerichtet und liegt gewöhnlich im Innern Chinas zwischen 25° und
30° N-Br. Ein Ast der Kurve geht in der Regel über die Philippinen und der
andere über Japan; mit anderen Worten, die fortschreitende Bewegung. findet
gewöhnlich von Süden nach Norden statt, mit einer Neigung nach Westen
während der ersten Periode, nach Osten während der zweiten. Die Taifune
erscheinen zuerst in einer Zone zwischen dem 10. und 17. Breitenparallel;
einige entstanden auch innerhalb der Philippinen-Gruppe, die‘ meisten kamen
jedoch von See her weiter von Osten,
So heftig die Taifune auch auf See auftreten, so wehen sie, sobald sie
das Land erreicht haben, stets nur mit mäßiger Stärke; -so dafs sie öfters
überhaupt nur von aufmerksamen Beobachtern wahrgenommen werden, Nur
ein Taifun am 10. bis 14. August 1881 machte hiervon eine Ausnahme, indem
1) S. diese Annalen 1880, S. 378.