Taifune und ihre fortschreitende Bewegung:
Ueber Taifune und ihre fortschreitende Bewegung.
Ueber das Wesen der Taifune in den Chinesischen und Japanischen
Gewässern liefern Berichte des Regierungs-Astronomen in Hongkong, Herrn
W. Doberck, vom Mai und Juli d. J. schätzen£werthe Beiträge; dem Seemanne
besonders werthvolle Angaben enthalten sie über Anzeichen, Bahn und Ge-
schwindigkeit der Taifune. Nebst einigen allgemeinen Bemerkungen über die
Windverhältnisse in Hongkong lassen wir dieselben deshalb zunächst
folgen.
Die Winde in Hongkong, welcher Platz noch in der Region des Passates
gelegen ist, werden hauptsächlich beeinflufst durch die benachbarten Kontinente,
in erster Reihe durch das ungeheure Festland von Asien und bis zu einem
gewissen Grade auch durch Australien. Wenngleich die durchschnittliche Wind-
richtung eine östliche ist, zum Theil eine Wirkung des Verlaufs der Küste, so
findet doch ein regelmäfsiger jährlicher Wechsel statt. Nach dem allgemeinen
Gesetze, dafs die Luft von der Region höheren Druckes nach dem Gebiet eines
niederen Druckes strömt, jedoch infolge der Rotation der Erde auf der nörd-
lichen Halbkugel nach rechts abgelenkt wird, wehen im Winter, wenn über
China ein hoher und über dem nördlichen Australien ein niedriger Luftdruck
herrscht, in der Chinesischen See fast ununterbrochen E- oder NE-Winde.‘ Im
Frühjahr, wenn das Barometer im südlichen Asien fällt, geht der. Wind nach
Süden, und nach Südwest, wenn im Hochsommer über Central-Asien ein Minimum
des Luftdrucks, dagegen über Australien ein hoher Druck liegt. Im Herbst
dreht der Wind wieder nach /NE zurück, Der SW-Monsun weht nicht. mit
solcher Beständigkeit, wie der NE-Monsun, wahrscheinlich weil im Sommer das
Gebiet niederen Druckes nicht so regelmäfsig ist, wie im Winter das des hohen
Druckes über Asien, und der NE-Passat, unterstützt durch den zu dieser
Jahreszeit verhältnifsmäfsig hoben Barometerstand im Nord-Pacific, zuweilen
durchdringt. Da mit zunehmender Breite auch die Schwankungen des Baro-
meterstandes wachsen, so ist nördlich von Hongkong der Luftdruck gröfseren
Aenderungen unterworfen als südlich davon. Der Ostwind im Winter nimmt
deshalb bei steigendem Barometer an Stärke zu, der SW-Wind im Sommer
dagegen bei fallendem Barometer. .
Die Taifune scheinen östlich oder südöstlich der Philippinen in der Mulde
niedrigen Luftdruckes zwischen den beiden Gebieten hohen Druckes in dem
Nord-Pacifie und Australien zu entstehen. Auf die Bahnen derselben läfst sich
das von Clement Ley aufgestellte Gesetz anwenden, dafs ein atmosphärisches
Minimum sich so bewegt, dafs es das Maximum rechts läfst. .. Die Anwendung
dieses Gesetzes in Verbindung mit genügenden Berichten über die Luftdruck-
vertheilung erleichtert aufserordentlich die Vorausbestimmung der Taifun-
Bahnen.
Nach dem Wege, welchen die Taifune in der Regel verfolgen, lassen sie
sich in drei oder eigentlich in vier Klassen theilen. — Taifune der ersten Klasse
treten zu Anfang und zu Ende der Taifunzeit auf, gehen quer über die Chinesische
See, ‚entweder in westnordwestlicher Richtung von Lwuzon nach Hainan und
Tongking, oder, wenn über Siam und Anam ein hoher Luftdruck liegt, zuerst
westlich und dann südwestlich; sie dauern 5 bis 6 Tage.
. Taifune der zweiten Klasse werden am häußgsten beobachtet, und ihre
Bahnen lassen sich am weitesten verfolgen. Sie bewegen sich gewöhnlich nord-
westlich in der Gegend von Lwzon und wenden sich in ca 26°, oder besser
zwischen 22° und 32° N-Br, nach Nordosten. Sie erreichen vor ihrem Wende-
punkte entweder die Küste. und verlieren dann gewöhnlich den Charakter
tropischer Stürme, oder sie gehen die Küste entlang durch die Strafse von
Formosa, nach Japan, über die Japanische See oder an die Küste von Korea.
Nach dem Gesetz von Clement Ley erklären sich diese Bahnen, wie folgt:
Während die Wirbel sich südwestlich des hohen Druckes im Nord-Pacific be-
finden, gehen sie nach NW, westlich von. demselben angelangt, bewegen sie
sich nordwärts, wenn nordwestlich von demselben, nach NE, und weiter müssen
sie ostwärts wandern, wenn sie sich nördlich von dem Gebiete des hohen Luft-
druckes befinden. Sie kommen gewöhnlich mitten in der Taifunzeit vor und
dauern durchschnittlich 7 Tage.
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