Bai von Buenaventura an der Westküste von Columbien,
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Bai von Buenaventura an der Westküste von Columbien
(auf 3° 49‘ N-Br und 77° 11‘ W-Lg).
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
Ueber die An- und Einsegelung der Bai von Buenaventura und die
Witterung. daselbst berichtet Kapt. A. Mohrmann von der Deutschen Bark
n-Atalanta“ in seinem meteorologischen Journal das Folgende:
„Da in Buenaventura keine Lotsen vorhanden sind, dürfte es gut sein,
Einiges über die An- und KEinsegelung der dortigen Bai in die Oeffentlichkeit
zu bringen. Von Süden kommend, mache man Gorgona-Insel, welche man auf
Steuerbord legen läfst, und nähere sich dann sofort der Küste, ungefähr bei
Agi Point, bis auf einen Abstand von 6 bis 7 Sm, In dieser Entfernung ist
die allerdings niedrige Küste gut sichtbar, wenngleich keine besonders hervor-
tretenden Landmarken vorhanden sind oder doch wenigstens nicht von mir ent-
deckt werden konnten. Die Strömung setzt hier nordöstlich recht längs der
Küste mit einer Geschwindigkeit von 1 Sm die Stunde. Hat man sich der
Küste bis auf den oben angelührten Abstand genähert, so setze man den Kurs
auf Punta Piedra oder Culo de Barca an der nördlichen Seite zur Einfahrt in
die Bai, woselbst die Küste bei klarem Wetter schon in einer Entfernung von
16 Sm in Sicht kommt und auf 5 Sm deutlich an den rothen Sandsteinfelsen,
welche auf ihren Kuppen dicht bewachsen sind, zu erkennen ist. In einem
südlichen Abstande von 4 bis 5 Sm ist die Spitze Priedra als solche zu erkennen,
während Culo de Barca sich nicht eher abhebt, als bis es passirt und Vigia
de San Pablo quer ist, weil es sehr nahe an der Küste liegt, ebenso hoch wie
diese und ebenfalls mit Bäumen bewachsen ist, Von der Spitze Piedra führt
der Kurs in einem Abstande von 1 Sm längs der Küste bis zur Spitze Basan.
Vigia de San Pablo, welches in einer Distanz von 4 bis 5 Schiffslängen passirt
werden kann, ist schon in einer Entfernung von 3 oder 4 Sm deutlich zu unter-
scheiden, da es genügend weit von der Küste abliegt, um einen Durchblick zu
gestatten, Basan-Spitze, gerade gegenüber von Soldado-Spitze, ist niedrig und
3andig, kann aber schon bei Vigia de San Pablo wegen einiger Kokosnuls-
bäume und zweier Hütten, die darauf stehen, ausgemacht werden. Es wird
zwar behauptet, dafs an dieser Landspitze sich Lotsen aufhalten sollen; wir
haben aber keinen bekommen, und die Hülfe- eines solchen ist auch nicht er-
forderlich, weil weiterhin die Mitte des Fahrwaessers frei von allen Untiefen ist
und die Einsegelung fast immer mit güustigem Winde ausgeführt werden kann.
Zwischen Basan- und Soldado-Spitze halte man recht die Mitte des Fahrwassers
and setze seinen Kurs auf Limones-Spitze am rechten Ufer, um dieselbe in
einem Abstande von 4 bis 5 Schiffelängen zu passiren. Wenn dieses geschehen,
nehme man wieder die Mitte des Fahrwassers und suche dann einen Anker-
platz gegenüber der Stadt, auf 9,0 bis 12,5m (5 oder 7 Faden) Tiefe zu ge-
winnen. Weiter als bis zur Eisenbahnbrücke gehe man indefs nicht,
Ich mufs nochmals besonders hervorheben, dafs man sich der nördlichen
Seite der Bai in der Nähe von Punta PFiedra und Culo de Barca mindestens
bis auf eine Seemeile nähern muß, weil an der gegenüber liegenden Küste
westlich von Punta Soldado sich bis auf eine Entfernung von 4 bis 5 Sm Sand-
bänke in die See hinein erstrecken, die bei Niedrigwasser trocken laufen.: . Ich
besuchte diese Bänke während meiner Anwesenheit bei Punta Soldado, woselbst
ich Ballast einnahm, mit dem Boote und fand die Karten von dieser Gegend
hicht ganz richtig. . . en
Während unseres Aufenthalts in Buenaventura, von Mitte März bis Mitte
April 1884, wechselten Land- und Seebriese ziemlich regelmäfsig. Die See-
briese setzte gewöhnlich um 11® a. m. frisch ein, die Landbriese dahingegen
war flau und unbeständig, Leizterer Umstand erschwert oftmals das Ausgehen
eines Schiffes sehr bedeutend. Um von Buenaventura bis Punta Soldado zu ge-
langen, ist man lediglich auf die Strömung angewiesen, welche mit.einer Ge-
schwindigkeit von 2 bis 3 Sm die Stunde ausläuft. Wir benöthigten für diese
Strecke 36 Stunden, indem wir unter kleinen Segeln. durch Hin- und Her-
scheeren die Mitte des Fahrwassers zu halten suchten. Das Steigen und Fallen
des Wassers betrug 3,9m (13 Fuß).