572
Reisebericht S. M. Kr.-Freg. „Bismarck*,
durch dieselbe beeinträchtigt worden wäre; die Temperatur fiel im Ganzen etwa
um 2°, nämlich von 26° auf 24°.
Bis zum Kap Lopez setzte der Strom nordwestlich etwa 0,6 Sm in der
Stunde, von dort bis zur Kongo-Mündung mit derselben Fahrt nach WNW, vor
derselben von NNW ca 3 bis West ca 2 Sm in der Stunde, darauf bis Loanda,
wie schon erwähnt, zunächst westlich, dann südlich.
Ueber die Landmarken zwischen Kabenda und den Red Clifs und zwischen
der Dande-Bucht und Loanda ist zu bemerken:
‚Red Point markirt sich nur von Norden aus gesehen, Da man jedoch
für die Ansegelung der Kongo-Mündung aus dieser Richtung oder aus Westen
keine andere Landmarke hat, so sollte man, von dort kommend, lieber erst
Kabenda ansteuern, wo man zu seiner Orientirung genügend dicht unter Land
gehen kann, Hierzu geben aufser Red Point und der Spitze Kabenda einzelne
in der Bucht liegende weiße Gebäude, das hohe Land hinter diesem Punkte
und die schwere Brandung an den nördlich von Red Point befindlichen Steinen
Anhaltspunkte.
Eigenthümlich ist die Form der Kanoe-Segel in dieser Bucht insofern,
als sie mit dem Boot von Weitem schrägliegenden Treibbaken auffallend
ähnlich sehen.
Das in den Segelanweisungen erwähnte und auf der Karte in 2,7 Sm
Entfernung. SSO von der Spitze Red angegebene weilse Haus wurde erst in der
Peilung S0'LS gesehen, bot aber dann, bis es in der diesigen Luft aus Sicht
kam, eine sehr gute Landmarke.
Padron-Spitze ist von Westen aus schlecht auszumachen, markirt sich
aber sehr gut von Süden aus gesehen.
Die Red Cliffs beginnen da, wo auf der Karte die Nordgrenze des Hügel-
zuges verzeichnet ist, nicht erst an der Stelle der Karte, wo die Bezeichnung
eingetragen ist. .
Die Dande-Bucht markirt sich, von Westen angesteuert, sehr gut durch
die schroff ins Meer abfallenden roth-gelben Felsen bei Bluf- und Dande-Spitze,
Nördlich von ersterer, die niedriger als letztere ist, liegt eine Ortschaft mit
einer ziemlich bedeutenden Anzahl anscheinend Europäischer Häuser, welche auf
der Karte, auf welcher die nächste Stadt auf dieser Breite, Dande, ca 16 Sm
landeinwärts liegt, nicht angegeben ist. Dieselbe kann mit der auch nach den
Segelanweisungen 20 Sm stromaufwärts liegenden Stadt Dande nicht identisch
sein, da sie unmittelbar am Strande zu liegen schien.
Die Gebäude im Hafen von Loanda und an der Aufsenseite desselben
sind sämmtlich so deutlich erkennbar, dafs die Einsegelung in den ersteren
sehr bequem ist; besonders gut hebt sich auch der im Wasser stehende Leucht-
thurm von Loanda-Riff durch seine schwarze Färbung von dem höheren hellen
Hinterlande ab.
In diesem Hafen ist frischer Proviant täglich zu haben, auch lebendiges
Vieh zu mäfsigen Preisen. Im Uebrigen eignet sich Loanda nicht für größere
Ausrüstungen an Proviant und Material.
3. Bemerkungen über die Reise und die Küste von St. Paul de Loanda
bis Kapstadt,
S. M. Kr.-Freg. „Bismarck“ verliels am Morgen des 12, Juli den Hafen
von St. Paul de Loanda und schlug zunächst die direkte Route längs der
Küste unter Dampf ein. Da Wind, Strom und Seegang die Fahrt nicht wesent-
lich beeinträchtigten, so konnte mit gutem Erfolge bis querab von Concepcion-
Bucht nach Süden gedampft werden, Es wurde hierbei bis zur Spitze Palmarin-
has in 4, dann in 20 bis 40 Sm Entfernung von Land der Richtung der Küste
gefolgt. Am 19. Juli wurden, da südlicher Wind, Stärke 6—7, und unverhältnifs-
mäfsig schwerer Seegang und Dünung aus derselben Richtung das Vorwärts-
kommen sehr beeinträchtigten, die Feuer ausgemacht und unter Segel beim
Winde von der Küste abgesteuert.
Der an der Küste südliche Wind ging allmählich in Passat aus SSE mit
Stärke 5 bis 6 über, dann mit einigen Schwankungen allmählich bis auf SEzE
herum und flaute am Nachmittage des 23., aus der letztgenannten Richtung
wehend, gänzlich ab. Die hierauf einsetzenden ganz schwachen südwestlichen