Reisebericht S. M. Kr.-Freg. „Bismarck“.
Am 6. Juni wurde Säo Thome verlassen und bei südwestlichem Winde,
Stärke 2—3, das Festland nördlich der Corisco-Bucht beim Kap St. John an-
gesteuert, welches am folgenden Tage in Sicht kam.
Nach Umsteuerung der Kspoir-Untiefe wurde dann, während der Wind
stets S—SW, Stärke 1—3, blieb und im Allgemeinen nur wenig nördlicher Strom
beobachtet wurde, in einem Abstande von 2 bis 3 Sm an der Küste entlang
nach Norden gedampft. Auf der Strecke von der Campo-Bucht bis zur
Panavia-Bucht zeigte sich ein etwas stärkerer, nördlich setzender Strom
als zuvor.
In Bezug auf die Marken an der Küste vom Kap St. John nordwärts
bis Malimba ist anzuführen, dafs sich bei den mehrfachen Fahrten S. M. S.
„Bismarck“ in dieser Gegend die im „Africa Pilot“ angegebenen Berge und
Gebirgszüge mit Ausnahme des Bata- und des Klephant-Berges für die Orien-
tirang als durchaus unbrauchbar erwiesen. Entweder war das Wetter nicht
sichtig genug, um überhaupt Berge wahrzunehmen, oder es liefsen sich die
beschriebenen Formen in den vorhandenen nicht wiedererkennen. Ebenso wenig
war auszumachen, welche der drei bis vier hintereinanderliegenden Bergketten
man vor sich hatte. Es ist daher rathsam, möglichst dicht unter Land zu
gehen und 80 die einzelnen Vorsprünge desselben ausmachen und sich nach
diesen, von denen sogar die nicht bezeichneten ziemlich richtig angegeben sind,
zurechtfinden zu können,
Gute Landmarken bilden aufser dem Kap St. John selbst, welches noch
durch ein 2 Sm nördlich davon gelegenes grofses weißes Haus markirt wird, die
Mündungen des San Benito- (Bento-) und des Campo-Flusses, welche sich beide
nach Norden zu öffnen. Von den Bergen sind gute Marken, wie schon an-
geführt, der Bata- Berg, ein abgeschnittener Kegel, und der Klephant-Berg,
dessen Formen denen eines liegenden‘ Elephanten allerdings nicht in dem
Grade gleichen, wie es die bezügliche Beschreibung im „Africa Pilot“ ver-
muthen läfst. Von den Landvorsprüngen sind bei genügender Nähe als
Orientirungsmarken zu benutzen: das Kap südlich des San Benito, Kap Two
Points, Spitze Bata und Spitze Garajam, aufserdem der als „Rocky Pyramid“
in die Karte aufgenowmene grau-schwarze, dicht am Strande liegende Felsen,
welcher sich besonders nach Süden zu scharf von dem Hintergrunude abhebt.
Sehr gut markirt sich auch der Wasserfall nördlich von Gross Batonga — auf
der Karte nur Batonga genannt — der einzige von See aus sichtbare an
dieser Küste.
Im Widerspruch mit den im „Africa Pilot“ bezw. in der Karte befind-
lichen Angaben ist Folgendes anzuführen:!)
x 1. Von dem Heybern-Hill an der Benito-Mündung ist nichts zu er-
ennen.
2. Die Bird Rocks liegen etwa 1Sm östlicher, wie auf der Karte an-
gegeben und entsprechen der im „Africa Pilot“ enthaltenen Beschreibung nicht,
— Siehe auch „Ann. d., Hydr.“ 1884, pag. 493. — Dieselben wurden erst in
4 Sm Entfernung in ONO gesehen, stellten sich dann in OSO als zwei lange
Felsen dar, zwischen welchen — nahe deren Mitte — sich zwei kurze befinden,
während sie von NO aus gepeilt eine kleine Fläche nach Osten und in ziemlich
bedeutendem Abstande davon, eine gröfsere nach Westen zu einnehmen. Sie
sind ganz schwarz und ragen alle gleich wenig aus dem Wasser hervor.
3. In der Campo-Bucht wurden 2 Sm nördlich der gleichnamigen Spitze
unmittelbar neben der 20 Fad.-Stelle der Karte 10 und 10% innerhalb, und
aufserhalb derselben 12, weiter nördlich bis zu 16m gelothet. Es entspricht
diese Wahrnehmung übrigens der mehrfach im „Africa Pilot“ ausgesprochenen
Warsung — vgl. „Cautions“, pag. 8, 9 und 11 — nach welcher die Tiefen
auf der Karte bedeutender sind als die wirklichen.
2. Bemerkungen über die Küste vom Kap Lopez bis St. Paul de Loanda.
S. M. Kr.-Freg. „Bismarck“ verliefs am 5. Juli d. J. 1" p. m. die Rhede
von Kamerun und dampfte zunächst längs der Küste südlich, auf Kap Lovez
491° Vgl. „Africa Pilot“, P. II, London 1884; pag. 1 etc. und „Ann. d. Hydr.“ etc. 1884,
pag. ete.