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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Reisebericht S. M. Kr.-Freg. „Bismarck“. 
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Die Ansegelungsmarke: „St. Johns-Kapelle um ihre eigene Breite südlich 
vom Fort Sebastiäo (San Sebastian)“ kann als sehr praktisch bezeichnet werden, 
nur mufßs man wissen, dafs die genannte Kapelle nicht in der Stadt, sondern 
auf einem Hügel hinter und nördlich derselben anscheinend in einem Kirchhofe 
liegt, welcher durch eine weilse Mauer umfriedigt ist, um sie nicht mit einer der 
übrigen Kirchen zu verwechseln. Kine sehr gute Landmarke bietet auch die Kapelle 
von Säo Francisco (Misericordia), deren graue, bei entsprechender Beleuchtung 
weiflsglänzende Ruinen auf dem Hügel Morro do Peixe bei der gleichnamigen 
Spitze (Fernäo Dias) liegen. Von den übrigen, zur Ansteuerung benutzbaren 
Objekten ist nur zu bemerken, dafs die Insel Santa Anna (Postillion Cap) nach 
allen Peilungen östlicher zu liegen scheint, als auf der Karte angegeben ist, 
sowie dafs an Stelle des Forts SXo Jos& jetzt vier gleiche, weiße Häuser mit 
einer grauen Kapelle in der Mitte sich sehr weit hin. markiren und dafs von 
den Ruinen des Forts Säo Jeronimo nur noch der graue, gelbe Erdwall vor-. 
handen ist, während in der Mitte zwischen diesem und dem vollständig erhal- 
tenen Fort Säo Sebastiäo sich ein grofses zweistöckiges, weilses Gebäude mit 
sieben bezw. drei Fenstern auf den sichtbaren Fronten befindet. . 
Säo Thome, die einzige Stadt auf der gleichnamigen Insel, ist an der 
südlichen Hälfte der Anna de Chaves-Bucht gelegen; nur vereinzelte Häuser 
liegen weiter nordwärts am Ufer und auf den Höhen des gleichbenannten Vor- 
gebirges, welches die Begrenzung der Bucht nach Norden bildet. Nach Süden 
zu wird dieselbe durch die Sao Sebastigo-Halbinsel abgeschlossen, auf deren 
äufserster Spitze das Fort gleichen Namens, ein Viereck mit weils getünchten 
steinernen Wällen, liegt. Im Innern desselben liegen mehrere Wohngebäude 
und zwischen diesen erhebt sich der etwa 6 bis 9m hohe Leuchtthurm, 
Die Stadt, welche dem Anschein nach ein Ort von ca 10 000 Einwohnern 
ist, hat regelmäfsig angelegte Strafsen, die zum Theil gepflastert sind, sowie 
mehrere größere Plätze; sie macht jedoch der vielen verfallen und verkommen 
aussehenden Häuser und der schmutzigen Strafsen wegen keinen vortheilhaften 
Eindruck. Sie wird durch einen kleinen Flufs in zwei Theile geschieden, 
welche durch eine neue eiserne Brücke verbunden sind; das Wasser desselben 
ist wegen des hineingeworfenen Unraths nicht zum Baden, geschweige denn 
zum Trinken zu benutzen, 
In dem südlichen Theil der Stadt liegt an einem freien Platz das statt- 
Jiche Gouvernementsgebäude und eine große Kirche. mit zwei Thürmen, Kine 
steinerne Landungsbrücke, welche vor dem Zollamt in die Bucht hinausgebauf 
ist, bietet für Boote eine bequeme Anlegestelle. . 
Täglich bietet sich auf dem Markt Gelegenheit zum Einkauf von Früchten, 
Gemüse, Geflügel ete.; ebenfalls lassen sich gröfsere Mengen frischen Proviants 
für Schiffsbesatzungen (Schlachtvieh) dort beschaffen. Von Kohlen sollen meist 
nur Cardiff-Kohlen, die Tonne zu 60 Mark, zu erhalten sein. 
Nach kurzem Aufenthalt wurde Anker gelichtet und nach der Man of 
War-Bucht gedampft, auf deren Rhede auf 24m Wasser, gelbem Sandgrund, 
geankert wurde, 
Als Ansegelungsmarken sind aufser der Kapelle Säo Francisco die 
Fernandilla-Farm, ein weithin sichtbares zweistöckiges Haus mit Nebengebäuden 
dicht am Strande, ungefähr 1 Sm westlich von der Kapelle, und zwischen dieser 
und der genannten Farm ein grofses, graues, mit der Giebelseite dem Strande 
zugekehrtes Haus, zu bezeichnen. Der Flufs Rio d’Oro mündet einige hundert 
Meter westlich von dem letzteren. . 
Ein unweit des Strandes im Wasser liegender schwarzer Felsen in SzW 
und in eins mit der Kapelle gebracht, führt zu einem etwas westlicheren und 
von der 4,1 m- (2'/4 Fad,-) Stelle der Karte entfernteren Ankerplatze. © 
Die Man of War-Bucht bietet einen gegen die vorherrschenden Winde 
durch das Land geschützten Ankerplatz, auch steht dort nicht die hohe Dünung 
wie in der Anna de Chaves-Bucht. Das Wasser des Rio d’Oro ist nicht, ‚wie 
in den Segelanweisungen angegeben, zum Trinken zu benutzen, da es nicht 
klar ist. Der Platz ist wegen seines sumpfigen Uferterrains auch nicht zum 
Anlandschicken der Mannschaft geeignet. Die Man of War-Bucht bietet aber 
dennoch des kühlen, erfrischenden Windes wegen, der von den Bergen kommt, 
einen angenehmen Aufenthaltsort. 
Ann. A. Hydr. ete.. 1885. Haft XIL
	        
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