Reisebericht S. M. Kr.-Freg. „Bismarck“.
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Die Ansegelungsmarke: „St. Johns-Kapelle um ihre eigene Breite südlich
vom Fort Sebastiäo (San Sebastian)“ kann als sehr praktisch bezeichnet werden,
nur mufßs man wissen, dafs die genannte Kapelle nicht in der Stadt, sondern
auf einem Hügel hinter und nördlich derselben anscheinend in einem Kirchhofe
liegt, welcher durch eine weilse Mauer umfriedigt ist, um sie nicht mit einer der
übrigen Kirchen zu verwechseln. Kine sehr gute Landmarke bietet auch die Kapelle
von Säo Francisco (Misericordia), deren graue, bei entsprechender Beleuchtung
weiflsglänzende Ruinen auf dem Hügel Morro do Peixe bei der gleichnamigen
Spitze (Fernäo Dias) liegen. Von den übrigen, zur Ansteuerung benutzbaren
Objekten ist nur zu bemerken, dafs die Insel Santa Anna (Postillion Cap) nach
allen Peilungen östlicher zu liegen scheint, als auf der Karte angegeben ist,
sowie dafs an Stelle des Forts SXo Jos& jetzt vier gleiche, weiße Häuser mit
einer grauen Kapelle in der Mitte sich sehr weit hin. markiren und dafs von
den Ruinen des Forts Säo Jeronimo nur noch der graue, gelbe Erdwall vor-.
handen ist, während in der Mitte zwischen diesem und dem vollständig erhal-
tenen Fort Säo Sebastiäo sich ein grofses zweistöckiges, weilses Gebäude mit
sieben bezw. drei Fenstern auf den sichtbaren Fronten befindet. .
Säo Thome, die einzige Stadt auf der gleichnamigen Insel, ist an der
südlichen Hälfte der Anna de Chaves-Bucht gelegen; nur vereinzelte Häuser
liegen weiter nordwärts am Ufer und auf den Höhen des gleichbenannten Vor-
gebirges, welches die Begrenzung der Bucht nach Norden bildet. Nach Süden
zu wird dieselbe durch die Sao Sebastigo-Halbinsel abgeschlossen, auf deren
äufserster Spitze das Fort gleichen Namens, ein Viereck mit weils getünchten
steinernen Wällen, liegt. Im Innern desselben liegen mehrere Wohngebäude
und zwischen diesen erhebt sich der etwa 6 bis 9m hohe Leuchtthurm,
Die Stadt, welche dem Anschein nach ein Ort von ca 10 000 Einwohnern
ist, hat regelmäfsig angelegte Strafsen, die zum Theil gepflastert sind, sowie
mehrere größere Plätze; sie macht jedoch der vielen verfallen und verkommen
aussehenden Häuser und der schmutzigen Strafsen wegen keinen vortheilhaften
Eindruck. Sie wird durch einen kleinen Flufs in zwei Theile geschieden,
welche durch eine neue eiserne Brücke verbunden sind; das Wasser desselben
ist wegen des hineingeworfenen Unraths nicht zum Baden, geschweige denn
zum Trinken zu benutzen,
In dem südlichen Theil der Stadt liegt an einem freien Platz das statt-
Jiche Gouvernementsgebäude und eine große Kirche. mit zwei Thürmen, Kine
steinerne Landungsbrücke, welche vor dem Zollamt in die Bucht hinausgebauf
ist, bietet für Boote eine bequeme Anlegestelle. .
Täglich bietet sich auf dem Markt Gelegenheit zum Einkauf von Früchten,
Gemüse, Geflügel ete.; ebenfalls lassen sich gröfsere Mengen frischen Proviants
für Schiffsbesatzungen (Schlachtvieh) dort beschaffen. Von Kohlen sollen meist
nur Cardiff-Kohlen, die Tonne zu 60 Mark, zu erhalten sein.
Nach kurzem Aufenthalt wurde Anker gelichtet und nach der Man of
War-Bucht gedampft, auf deren Rhede auf 24m Wasser, gelbem Sandgrund,
geankert wurde,
Als Ansegelungsmarken sind aufser der Kapelle Säo Francisco die
Fernandilla-Farm, ein weithin sichtbares zweistöckiges Haus mit Nebengebäuden
dicht am Strande, ungefähr 1 Sm westlich von der Kapelle, und zwischen dieser
und der genannten Farm ein grofses, graues, mit der Giebelseite dem Strande
zugekehrtes Haus, zu bezeichnen. Der Flufs Rio d’Oro mündet einige hundert
Meter westlich von dem letzteren. .
Ein unweit des Strandes im Wasser liegender schwarzer Felsen in SzW
und in eins mit der Kapelle gebracht, führt zu einem etwas westlicheren und
von der 4,1 m- (2'/4 Fad,-) Stelle der Karte entfernteren Ankerplatze. ©
Die Man of War-Bucht bietet einen gegen die vorherrschenden Winde
durch das Land geschützten Ankerplatz, auch steht dort nicht die hohe Dünung
wie in der Anna de Chaves-Bucht. Das Wasser des Rio d’Oro ist nicht, ‚wie
in den Segelanweisungen angegeben, zum Trinken zu benutzen, da es nicht
klar ist. Der Platz ist wegen seines sumpfigen Uferterrains auch nicht zum
Anlandschicken der Mannschaft geeignet. Die Man of War-Bucht bietet aber
dennoch des kühlen, erfrischenden Windes wegen, der von den Bergen kommt,
einen angenehmen Aufenthaltsort.
Ann. A. Hydr. ete.. 1885. Haft XIL