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Literarisches.
That muthet einen das Buch schon beim flüchtigen Durchblick als ein Stück
strenger angewandter Physik an. -
Diesem Inhalte entsprechend, schickt der Verf. dem Buch eine Einleitung
von 52 Seiten voraus, in welcher diejenigen Begriffe der Physik und Mechanik
entwickelt werden, welche für die Meteorologie vorwiegend in Betracht kommen
und in den Lehrbüchern dieser Wissenschaften meistens nicht in der hierfür ge-
eigneten Form zu finden sind; so insbesondere die Theorie der Bewegungen
auf der rotirenden Erdoberfläche. Dies Bestreben, die Grundbegriffe möglichst
zu klären, ist gewils eine sehr vortheilhafte Seite des Buches,
Die erste Abtheilung des Werkes behandelt auf 53 S. die Statik der
Atmosphäre, also namentlich die vertikale Vertheilung von Luftdruck, Temperatur
and Feuchtigkeit resp. die barometrische Höhenformel; die zweite, mit „Dynamik
der Atmosphäre“ überschriebene (191 S.) zerfällt in die Kapitel: Bedingungen
der Entstehung atmosphärischer Strömungen — die horizontale Komponente
der Luftströmungen — die vertikale Komp. d. L. — atmosphärische Cirku-
lationen — über die Ortsveränderungen der atmosphärischen Wirbel — die
Witterungserscheinungen als Resultat der Ortsveränd. atm. Wirbel — sekundäre
Luftdruck-Phänomene. Während im 2. und 3. dieser Kapitel die theoretischen
Untersuchungen von Guldberg und Mohn, Oberbeck, Marchi, Reye, Hann etc.,
thunlichst zu einem Gesammtbilde verknüpft, wiedergegeben werden, sind die
folgenden Kapitel mehr den empirischen Thatsachen gewidmet, jedoch mit
steter Anknüpfung derselben an die Lehren der Physik und Mechanik, Das
ietzte der Kapitel behandelt namentlich die Gewitter und Gewitterstürme.
Die dritte Abtheilung des Buches (26 S.) ist der Sonnenstrahlung und
ihren periodischen Wirkungen gewidmet und behandelt zuerst unter „einleitende
Betrachtungen“ eine Reihe von für die Meteorologie grundlegenden Fragen:
die Bestrahlung der Erde durch die Sonne, den Einflufs der Atmosphäre dar-
auf, Definition der Lufttemperatur und Abhängigkeit der letzteren von der
Unterlage, und den Kreislauf des Wassers in der Atmosphäre; der Rest
des Abschnitts ist der täglichen Periode der meteorologischen Elemente ge-
widmet, welche ziemlich eingehend für alle Elemente besprochen wird. Die
jährliche Periode derselben ist, als den wesentlichsten Bestandtheil der Klima-
tologie bildend, ausgeschlossen. Eine besondere, jedoch ganz kurze Abtheilung
ist denjenigen periodischen Erscheinungen gewidmet, welche nicht der Rotation
der Erde und deren Bewegung um die Sonne ihre Entstehung verdanken. Die
fünfte und letzte Abtheilung (21 S.) theilt die Hauptergebnisse der Unter-
suchungen mit, welche die Veränderlichkeit der meteorologischen Elemente,
ohne Rücksicht auf die zu Grunde liegenden Ursachen, zum Gegenstand haben.
Endlich bringt ein Anhang von 13 S. Ergänzungen zur Eingangs erwähnten
Instruktion von Jelinek-Hann, und ist dem Buche ein gutes alphabetisches
Inhaltsverzeichnifs beigegeben. Die Tafeln, welche 30 Kärtchen in mehr-
farbigem Druck enthalten, und die zahlreichen Textfiguren sind gut hergestellt,
sowie auch Druck und Papier nichts zu wünschen lassen. (Auszug aus „Met.
Zeitschr.“, Heft X).
Gedruckt und in Kommission bei E. S. Mittler & Sohn
Königliche Hofbuchhandlung.
Kochstrafse 6R—710.