Literarisches,
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zettel zugegangen, welcher von der Deutschen Bark „Peter Godefroy“, Kapt.
J. Möller, auf der Reise von Hamburg nach Sydney am 4, Dezember 1884
auf 43° 12‘ S-Br und 120° 30‘ O-Lg über Bord geworfen und am 29. Juni 1885
auf 39° 35‘ S-Br und 143° 57‘ O-Lg, beim Kap Wickham auf Kings Island im
der Bass-Strafse, durch den Leuchtthurmwärter am genannten Kap, Herrn
Robert Wm. Garraway, aufgefunden wurde, .
Unter den bekannten Voraussetzungen hat die Flasche in 207 Tagen,
loxodromisch berechnet, 1102 Sm nach OzN zurückgelegt.
Literarisches.
Lehrbuch der Meteorologie, im Auftrage der Direktion der Deutschen
Seewarte bearbeitet von Dr. A, Sprung, mit 80 Illustrationen im Text und
17 Tafeln, ist im Verlage bei Hoffmann & Campe, Hamburg, erschienen.
Seit der Herausgabe von E. E. Schmid’s Handbuch vor 25 Jahren ist
keine systematische Behandlung der Meteorologie im engeren Sinne erschienen,
welche ein strenges, einer Hochschule entsprechendes Studium unserer Wissen-
schaft im Auge gehabt hätte und sich mit den Lehrbüchern anderer verwandter
Wissenszweige vergleichen liefse, Und doch war Schmid’s vortreffliche Arbeit
gigentlich gleich nach ihrem Erscheinen veraltet, weil sie auf die gerade in
jenen Jahren entstehende Mechanik der- Atmosphäre keine Rücksicht nahm und
Alles vom Buch-Dove’schen, physikalisch unhaltbaren, Standpunkte darstellte.
Die Gährung, welche dieser Umschwung in die Meteorologie hineinbrachte, liefs
so wenig eine abschliefsende Behandlung zu, dafs nach den noch ganz auf dem
alten Standpunkte stehenden kürzeren Leitfäden von E. E. Schmid und Cornelius
0564 und 63) längere Zeit in deutscher Sprache, außer kleinen populären
chriften und den theilweise ergänzten neuen Auflagen älterer Werke, gar kein
ernster Versuch einer zusammenhängenden Darstellung der Meteorologie ge-
macht wurde, und man auf fremde Literaturen, namentlich auf das vortreffliche,
wiewohl halbpopuläre, „Handy-book“ von Buchan angewiesen war, wollte man
die gegenwärtige Lage unserer Wissenschaft kennen lernen.
Es war darum ein großer Fortschritt, als 1875 durch die Umarbeitung
seiner Schrift „Om Vind og Vejr“ H. Mohn uns mit einem deutschen, den
neuen Standpunkt der Meteorologie darstellenden Buche beschenkte, und dem
gemeinsamen Einflusse dieses, rasch in mehreren Auflagen vergriffenen Buches
und der Reorganisation der Seewarte haben wir den Durchbruch der neuen
Ideen auch hier zu verdanken. Allein auch dieses Werk hat den Charakter
eines gemeinverständlichen Lesebuchs und verzichtet auf eine strenge Ableitung
der Lehrsätze. Das Bedürfnifs nach einem strengeren Anforderungen ent-
sprechenden Lehrbuche wuchs deshalb mit der zunehmenden Reife der neuen
Lehre von Tag zu Tage. Es mag ein günstiges Omen für das vorliegende
Buch sein, dafs sein Erscheinen mit der Gründung des ersten Lehrstuhls für
Meteorologie in Deutschland ebenso zusammen fällt, wie jenes von Mohn’s
Grundzügen mit der Neugründung der Seewarte.
Der Verfasser hat seine Aufgabe .enger begrenzt, als sonst gebräuchlich
ist, indem er die Klimatologie und die Beschreibung der gewöhnlichen Instrumente
ausschlofs und für diese auf die kürzlich erschienenen Werke von Hann — die
Klimatologie und die neue Auflage von Jelinek’s Auleitung zur Ausführung
meteorologischer Beobachtungen — verweist. Ebenso konnte er sich für die
mehr oder weniger problematischen Einflüsse der Sonnenflecken, des Mondes
u. s. w. mit einer kurzen Anführung aus van Bebber’s neuem Handbuch der
ausübenden Witterungskunde begnügen, Sein Gegenstand ist also „die Meteoro-
logie im engeren Sinne“, welche die atmosphärischen Vorgänge als solche
untersucht und dieselben auf physikalisch-mechanische Gesetze zurückzuführen
sich bemüht“ — in der Hauptsache eine Mechanik der Atmosphäre; und in der