accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Kleine Notizen, 
35 
Kleine Notizen. ) 
1. (D.S.) Seebeben im nördlichen Theile des Atlantischen 
Oceans. Vom Meteorologischen Institut in Kopenhagen ging der Seoewarte: der 
folgende Bericht über zwei Seebeben zu, die Ende August und Anfang Sep- 
tember 1885 an Bord der Dänischen Brigg „Tjalfe“ auf der Reise von Grönland 
nach Kopenhagen wahrgenommen wurden. 
Die erste Erschütterung wurde am 28. August d. J. um 11 Uhr Vor- 
mittags beobachtet. Der Ort des Schiffes war damals ungefähr 57° N-Br und 
46° 20‘ W-Lg. Die Erschütterung war nicht sehr stark; der Mittheilung des 
Kapitäns zufolge machte sie sich nur in einem Geräusch bemerkbar, als ob ein 
schweres Fafs das Verdeck entlang gerollt würde. Das Phänomen dauerte 
ungefähr 10 Minuten (Sekunden ?). Die meteorologischen Verhältnisse am 
28. August waren die folgenden: 
Am Vormittage erhob sich plötzlich ein Sturm aus ESE, der jedoch nur 
wenige Stunden ‚anhielt; schon am Mittag hatte die Windstärke wieder bis 
4 oder 5 der Beaufort-Skala abgenommen. Das Phänomen wurde während des 
Sturmes beobachtet. Der Luftdruck, der im raschen Abnehmen begriffen war, 
erreichte um 2 Uhr Nachmittags sein Minimum mit 724mm, Nachmittags 
zwischen 4 und 8 Uhr fand ein plötzliches Umspringen des Windes von SE 
nach SSW statt, und gleich darauf wuchs der Wind aus letzterer Richtung 
wieder zum Sturme an.”) 
Die zweite Erschütterung wurde am 1. September um 10* 15” a, m. in 
58° 17’ N-Br und 32° 25’ W-Lg wahrgenommen. In diesem Falle machte sich 
das Phänomen als zweimalige kräftige Stölßse bemerkbar. Der erste Stofs war 
aufserordentlich stark; das ganze Schiff zitterte und bebte dermafsen, dafs man 
glauben mufste, es wäre im Begriffe, zusammenzubrechen. Dies dauerte 1 bis 
2 Minuten. Dann war eine kurze Unterbrechung. Hierauf folgten zwei be- 
deutend schwächere Stölse, ebenfalls von 1 bis 2 Minuten (Sekunden) Dauer, 
Das Wetter war gut und die See ruhig, der Barometerstand ungefähr 754mm, 
der Wind den ganzen Tag über S bis SSE, Stärke 2—3, mit Regen. ' 
2. (D.S.) Eis im Indischen Ocean. Die Deutsche Bark „Emil Julius“ 
passirte am 3. Juni 1884 um 11 Uhr Vormittags während einer Reise von 
Hamburg nach Sydney, auf 43° 33‘ S-Br und 48° 49 O-Lg, einen sehr grofsen 
und aufserdem mehrere kleine Eisberge. Der erstere hatte eine geschätzte 
Höhe von 510m (1700 Fuß) bei einem Umfange von 4 bis 5 Sm. Ebenso wie 
dieser waren auch die vier weiterhin gesichteten Eisberge sämmtlich auf der 
einen Seite ganz steil. Bei dem gröfsten Berge war die steile Seite nach 
Westen gerichtet, bei allen übrigen dagegen nach Osten. Gegen Abend, in 
etwa 43,8° S-Br und 50,2° O-Lg, begegnete man wieder sechs Eisbergen, die 
es nöthig machten, dafs öfters der Kurs geändert werden mufste. 
In der Wassertemperatur fand keine nennenswerthe Aenderung statt. 
Dieselbe betrug 5,8°C. um Mittag und 5,2° C. um Mitternacht; während die 
Temperatur der Luft an denselben Stunden 6,7° und 5,7° C. war, Bei frischem 
bis mäfsigem WSW-Winde war das Wetter Anfangs trübe und regnerisch, 
später klarte es ab. 
3. (D.S.) Südlichterscheinung. Die Deutsche Bark „Bessel“, Kapt. 
L. Janssen, -befand sich auf ihrer Reise von Hamburg nach Sydney um 1* a. m. 
den 31. März 1884 auf 45° 28‘ S-Br und 122° 40‘ O-Lg, als man am südlichen 
Himmel hell leuchtende horizontale Streifen beobachtete, die etwa ein Viertel 
desselben einnahmen. Bei frischer westlicher Briese war die Kimm diesig. Am 
folgenden Morgen hatte die Sonne bei ihrem Aufgange eine blasse helle Farbe. 
1) Die mit (D. S.) bezeichneten Notizen sind von der Deutschen Seewarle eingesendet, 
3) Wahrscheinlich war die von „7Jjalfe“ beobachtete Luftdruck-Depression dieselbe, die, be- 
zleitet von orkanartigem Sturme, am 25, und 26. August die Atlantische Küste der Vereinigten 
Staaten, insbesondere der Staaten Georgia und Süd- und Nord-Carolina, heimsuchte und in der 
Nacht vom 26. zum 27. August in 43° N-Br und 59° W-Lg über den Norddeutschen Lloyd-Dampfer 
„Werra“ hinwegging. An Bord des letzteren Schiffes fiel das Barometer auf 729,3 mm.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.