388 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November/Dezember 1918.
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
Defant, Albert: Wetter und Wettervorhersage. 6 u. 290 S,., 8°, mit 142 Figuren
im Text und 1 Karte. Leipzig u. Wien 1918. F,. Deuticke.
Seit dem Erscheinen von van Bebbers Handbuch der ausübenden Witterungskunde sind
32 Jahre, seit demjenigen seiner „Wettervorhersage‘“ 27 Jahre verflossen, ohne daß über diesen Zweig
der Meteorologie eine neue zusammenfassende Darstellung in deutscher Sprache herausgekommen
wäre. Inzwischen ist die Menge der täglich ausgegebenen Wetterprognosen ins Riesenhafte gewachsen
und hat die Meteorologie manche Fortschritte gemacht. Es ist daher ein sehr zeitgemäßes Unter-
nehmen, dem sich hier der bereits durch zahlreiche eigene Untersuchungen bekannte Wiener Privat-
dozent und Adjunkt der k. k. Zentralanstalt für Meteorologie Dr. Defant unterzogen hat, und er
hat seine Aufgabe in sehr erfreulicher Weise gelöst.
Vor einem Jahrzehnt konnte man den bedauerlichen Eindruck haben, daß gerade auf dem
Felde der ‘synoptischen Witterungskunde die Kontinuität der Entwickelung wicder unterbrochen sei,
Ein solcher Bruch fand ja in den 70er Jahren in Deutschland statt, als die Doveschen Lehren ver-
{jassen und durch das Studium der synoptischen Karten ersetzt werden mußten. Aber das lag daran,
daß Deutschland seit den 50er Jahren vorübergehend ins Hintertreffen geraten war und nun das
anderwärts allmählich Gewordene plötzlich nachholen mußte. Diesmal aber schien es, als ob das
jüngere Geschlecht die Schriften der älteren Generation nicht mehr lese und deren Arbeit Gefahr liefe.
vergeblich gewesen zu sein,
Diese Gefahr kann jetzt für abgewendet gelten, da jetzt die jungen Meteorologen sowohl der
Leipziger als der Wien— Innsbrucker Schule an jene älteren Arbeiten anknüpfen und so das Neue in
erfreulicher Weise aus dem Alten herauswächst. Zur Wahrung der so erwünschten Kontinuität und
Ökonomie ia der Entwickelung unserer Wissenschaft wird das vorliegende Buch sehr wesentlich bei-
tragen, da es dem Neuling und auch dem praktisch Ausübenden die Ergebnisse der letzten 50 Jahre
auf seinem Gebiete in gedrängter und übersichtlicher Form darbietet, mit reichlichen Quellenangaben
und unter Benutzung auch vieler bisher weniger beachteter Aufsätze, Dabei ist unerwarteterweise
eher die neuere als die ältere Literatur etwas zu kurz gekommen; so wäre eine stärkere Benutzung
der neuesten Arbeiten von Hesselberg und Sverdrup erwünscht gewesen,
Das Werk zerfällt in drei Teile: 1, Das Wetter, 2, Die Wettervorhersage, 3. Die Witterungs-
arscheinungen längerer Zeiträume, Die 7 Kapitel des ersten Teils behandeln nacheinander Ursprung
der Wetterkunde, Beziehungen zwischen Luftdruck und Wind, das Wetter bei typischen Formen der
Isobaren, die Veränderungen der Luftdruckverteilung, Stromlinien und Luftbahnen, Transport ver-
schieden temperierter Luftimassen, endlich Böen und Gewitter; die 4 Kapitel des zweiten Teils: das
Problem der Wettervorhersage, Regeln und Erfahrungen für dieselbe, Beispiele, zuletzt Eıfolge und
Kritik der Vorhersage, In den 3 Kapiteln des dritten Teils werden der Witterungscharakter der
Monate in Beziehung zur Lufidruckverteilung auf dem Ozean, die Vorausbestimmung des Wetters
längerer Zeiträume und im letzten Witterungsperioden besprochen, Ein ausführliches Namen- und
Sachverzeichnis macht den Schluß.
Die Ausstattung ist, wie es durch den Krieg erklärlich ist, nicht so gut wie die der er-
wähnten Bücher von van Bebber, aber doch genügend. Die zahlreichen Karten sind durch die
Aufnahme der Gebirge weniger klar, aber inhaltreicher, als in jenen.
Einige Einwände werden vielleicht diesem oder jenem Leser des Buches von Nutzen sein,
Die synoptische Karte auf S. 8 ist in Brandes’ Buch leider nicht veröffentlicht, aber nach
seinem Text von Hildebrandsson rekonstruiert, Zu den ältesten überhaupt, und zwar opulent,
publizierten Wetterkarten gehören die von Loomis aus dem Jahre 1846, über die man in der Zeit-
schrift „Das Weiter‘, 1888 S. 263 Näheres findet.
Die tropischen Zyklonen zeigen, daß die Bedeutung des Temperaturunterschiedes der Vorder-
und Rückseite für die Fortpflanzung der Depression nicht so groß sein kann, wie auf S. 97/98 an-
gegeben wird, und daß der zweifellos große Einfluß der horizontalen Temperaturverteilung auf diese
Fortpflanzung in unsern Breiten durch deren Einfluß auf die obere Druckverteilung vermittelt ist,
wie sie Defant S. 100 auch richtig schildert. Die Depression läßt das Hochdruckgebiet zu ihrer
Rechten; der Ausdruck „weicht ihr nach rechts aus“, ist wohl sprachlich nicht richtig.
Auf S. 114 wäre eine geometrische Behandlung des Verhältnisses zwischen Isobaren und
lsallobaren gut gewesen, um irrige Auffassungen von ihrer Unabhängigkeit auszuschalten; sie bedingen
ja einander gegenseitig mit Notwendigkeit.
Die Anwendung des Ausdrucks „Strömungslinien“ auf S, 128 für Luftbahnen ist sehr un-
zweckmäßig, da sie die Verwechselung mit den .,Stromlinien‘“ befördert, die doch vom Verfasser in
erfreulicher Klarheit davon unterschieden sind. Da das Buch gewiß viel in der praktischen Arbeit
von Wetterdienststellen benutzt werden wird, ist es zu bedauern, daß es auf S. 136 auf die Darlegung
der von V. Bjerknes für die Ableitung der Divergenz gegebenen graphischen Methoden verzichtet.
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Zu SS. 225 möchte ich bemerken, daß ich den Ausdruck En seinerzeit (18571) nicht als
Koeffizient, sondern, kürzer und bescheidener, als Index der Erhaltungstendenz bezeichnet habe.
Da ich dem Buche recht weite Verbreitung wünsche, so darf ich auch die Hoffnung aus-
sprechen, daß uns recht bald eine zweite Auflage auch wertvolle Ergebnisse von den jetzt so in Auf-
nahme gekommenen Pilotballon-Aufstiegen bringen möge, W, Köppen.