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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

546 Eingänge von meteorologischen Journalen etc., Juli 1885. 
Barometerstand entschlofs sich Kapt. Schlüter an diesem Tage für das Kin- 
schlagen der Nord um Schottland führenden Route, während Kapt. Rehm, wie 
wir es gesehen haben, dem Entschlusse, durch den Kanal zu gehen, getren 
blieb. „Caroline“ traf auf ihrem nördlichen Kurse schon bald schwachen nord- 
westlichen Wind an und konnte daher erst am 20. Februar in Sicht von Fair 
Island gelangen. Am 22, Februar Mittags war der Schiffsort von „Viktoria“ 
in 49,6° N-Br und 84° W-Lg, gegen den gleichzeitigen von „Caroline“ in 
60,6° N-Br und 5,6° W-Lg. Bei dem letzteren Schiffe herrschte an diesem 
Tage ein orkanartiger, von einem niedrigsten Barometerstande von 721,3 mm 
begleiteter SSE-Sturm, während bei „Viktoria“ ein mäfsiger Sturm aus SW 
wehte. Bei jener Bark blieben die Verhältnisse in nächster Zeit derartig 
ungünstig, daß sie bis zum 27. Februar Mittags nicht weiter als nach 60° N-Br 
in 8,1° W-Lg vorrücken konnte. Zur selben Zeit befand sich „ Viktoria“ jedoch 
auch noch in 50,5° N-Br und 13,5° W-Lg. Nach dieser Zeit wurde „Caroline“ 
aber vom Winde sehr begünstigt. Der am 27. Februar wehende Westwind 
veränderte sich durch N nach E und gewährte auffrischend dem Schiffe eine 
längere Zeit anhaltende, vortreflliche Gelegenheit zur Förderung der Reise, 
„Caroline“ segelte bis zum 8. März nach 44,7° N-Br in 38,6° W-Lg. Der gleich- 
zeitige Schiffsort der „ Viktoria“ war 42,2° N-Br in 27,1° W-Lg. Den letzten 
Theil ihrer Reise vollendete „Caroline“ bei veränderlichen, jedoch meist aus 
westlicher Richtung kommenden Winden, indem dabei 40° N-Br kaum über- 
schritten wurde. Am 28, März, 36 Tage später als Fair Island gesichtet 
worden war, ankerte „Curoline“ im Hafen von New- York. 
Noch ein anderer Mitsegler, die Rostocker, von Bremen nach Wilmington 
segelnde Brigg „Hermann Friedrich“, welche am 10. Februar in Sce gegangen 
war, ankerte Sturmes halber am 24. Februar auf der Rhede von Fulmouth und 
setzte am 28. Februar die Reise fort. Dieses die Passatroute wählende Schiff 
überschritt die polare Passatgrenze in 31,5° N-Br und 22,8° W-Lg am 14. März, 
legte, vom beständigen Passate begünstigt, in der Nähe von 22° N-Br seine 
Länge zurück und ankerte schliefslich am 10. April, 40 Tage nach der Abreise 
vom Kanal, in der Nähe des Bestimmungsplatzes. Während dieser Fahrt über 
den Ocean waren Winde von gröfserer Stärke als 7 nicht angetroffen worden. 
Ein dritter Mitsegler, das Bremer Vollschiff „Savannah“, welches, von 
Fiume nach Philadelphia bestimmt, das Mittelmeer am 24. Februar verlassen 
hatte, suchte ebenfalls das Passatgebiet auf. Es erreichte dasselbe in 23,5° N-Br 
und 25° W-Lg am 10. März und berührte in ihm als südlichsten Punkt 19,7° 
N-Br in 54° W-Lg am 20. März. Am 4, April, 39 Tage seit der Abfahrt von 
der Strafse von Gibraltar, anukerte „Savannah“ auf dem Delaware-Flusse. Am 
Mittage des 20. März hatte sich „Viktoria“ in 36,3° N-Br und 53,7° W-Lg, 
„Caroline“ in 41° N-Br und 64,3° W-Lg, „Hermann Friedrich“ in 21,8° N-Br 
und 34,8° W-Lg und „Savannah“ in 19,7° N-Br und 53,7° W-Lg befunden. 
„Viktoria“ und „Savannah“ gebrauchten, um von ihren an jenem Tage nur in 
Breite verschiedenen Standpunkten aus die Mündung des Delaware-Flusses zu 
erreichen, je 18 und 15 Tage. Auf der nördlichen Route, gegen deren Benutzung 
bei in der Nordsee angetroffenem Gegenwinde für die in Frage stehende 
Jahreszeit auch wohl Nichts einzuwenden ist, war in diesem Falle das günstigste 
Resultat erzielt. 
Nach längerem Verweilen in Philadelphia trat „Viktoria“ am 5. Juni die 
Heimreise an. Der den Anfang derselben begünstigende frische SW-Wind 
wurde am 6. Juni durch NE-Wind unterbrochen. Nachdem dieser jedoch einen 
Tag geweht hatie, folgte wieder ein kräftiger Westwind, bei dem sich für 
längere Zeit ein günstiger Fortgang erzielen lief. Nachdem man später noch 
wieder zu wiederholten Malen kurze Zeit anhaltende Ostwinde beobachtet hatte, 
nahm der Wind am 25. Juni in geringer Entfernung von 45,8° N-Br und 22° 
W-Lg abermals nordöstliche Richtung an, um diese und die Nordrichtung für 
längere Zeit zu behalten, Der Verlauf der Reise erlitt dann eine bedeutende 
Verzögerung. Erst als „Viktoria“ bis zum 5. Juli nach 47° N-Br in 13° W-Lg 
vorgerückt war, stellte sich wieder ein günstiger Westwind ein, bei dem die 
Bark bis zum 7. Juli zum Kanal segelte, Der 7. Juli war der 32, seit der 
Abfahrt vom Delaware verflossene Tag. Während dieser Zeit hatte man: 170° 
W-Leg in 38,4° N-Br am 7. Juni, 60° W-Lg in 38,5° N-Br am 10, Juni, 50°
	        
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