Eingänge von meteorologischen Journalen etc., Juli 1885,
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l. Reise des eisernen Hamburger Vollschiffes „Polynesia“, Kapt. C. Bahlke.
Das auf einer Reise nach Valparaiso begriffene Vollschiff „Polynesia“
befand sich am 26. August 1884, 5 Tage später als es die Zlbe verlassen hatte,
bei Lizard. Der frische Nordwind, bei dem der Kanal durchsegelt worden
war, hatte sich an diesem Tage nach NW verändert und rückte man bei dem-
selben, da er während der nächsten Tage beständig blieb und kräftig wehte,
in rascher Fahrt nach Süden hin vor, Der Luftdruck stieg dabei langsam, bis
zu dem unweit von 42,5° N-Br in 14,2° W-Lg abgelesenen höchsten Stande
von 771,3 mm. Nachdem dieser erreicht, auch gleichzeitig die Windrichtung
recht Nord geworden war und nun das Barometer etwas zu fallen begann,
drehte der Wind zurück nach NW und später nach W, ohne jedoch an Stärke
zu verlieren. Südlich von 34° N-Br wurde die Windrichtung wieder eine
raumere und schliefslich stellte sich am 3. September, in geringer Entfernung
von 32,2° N-Br und 19,5° W-Lg der NE-Passat ein, ohne dafs vorher Mallung
oder Stille angetroffen wurde. Der für einen halben Tag schwach auftretende
Wind veränderte sich dort, bei einem Luftdrucke von 769,0 mm, durch N nach
NNE und wurde Passat. Nachdem dieser bald grössere Stärke gewonnen hatte,
wurde der Verlauf der Reise auch wieder ein günstigerer. ‚Zur äquatorialen,
in 13° N-Br und 26,8° W-Lg liegenden Passatgrenze gelangte „Polynesia“ am
11. September. Der flau gewordene Wind lief dort zurück durch N nach NW,
um dann bald in leichte Mallung zu enden. Diese, die fast nur aus westlicher
Richtung kam, die nur an einem Tage von frischer Briese unterbrochen wurde,
verzögerte neben Stille die Fahrt während der folgenden 7 Tage in solcher
Weise, dafs man nur bis nach 5,7° N-Br in 25,4° W-Lg vorrücken konute,
Als das während der vorhergehenden Woche von beständiger Ostströmung ver-
setzte Schiff sich am 18. September in der Nähe dieses Punktes befand, traf es
dort den kräftigen SW-Monsun an, bei dem mit St-B.-Halsen gesegelt wurde.
[In 3,9° N-Br. und 22° W-Lg wurde am 20. September gewendet, Man gelangte
dann bis zum 24. September zu der in 27,8° W-Lg überschrittenen Linie. Um
dieselbe von Lizard her zu erreichen, waren 29 Tage erforderlich gewesen.
Während dieser Zeit hatte man: 40° N-Br in 15,8° W-Lg am 30, August,
30° .N-Br in 20,8° W-Lg am 4. September, 20° N-Br in 252° W-Lg am
7. September und 10° N-Br in 26,6° W-Lg am 14. September gekreuzt. Die
auf einer Reise von Liverpool nach Rosario begriffene Elsflether Bark „Charlotte“,
welche 50° N-Br am 19. August verlassen und die später die Kap Verde-Gruppe
an ihrer Ostseite passiert hatte, erreichte südliche Breite in 23,2° W-Lg am
28, September, Am letzteren Tage ging in 23,6° W-Lg auch die, nach Rangoon
bestimmte Bremer Bark „Johanne Auguste“ von nördlicher in südliche Breite
über. Dieselbe hatte den Kanal am 25. August verlassen. Noch ein dritter
Mitsegler, der nach Batavia bestimmte Blankeneser Dreimastschoner „Heinrich
Lohmann“, welcher sich am 23. August in Sicht von Lizard befunden hatte,
verliefs die nördliche Halbkugel in 17,8° W-Lg am 25. September. Die polare
Passatgrenze war von „Charlotte“ in 36,8° N-Br und 17,8° W-Lg am 28. August,
von „Johanne Auguste“ in 32,6° N-Br und 19,1° W-Lg, wie von „Heinrich
Lohmann“ in 31,6° N-Br und 18,5° W-Lg am 2. September und von „Polynesia“,
wie schon erwähnt, in 32,2° N-Br. und 19,5° W-Lg am 3. September über-
schritten worden. Nach 20° N-Br waren „Charlotte“ in 20,7° W-Lg am 4. Sep-
tember, „Johanne Auguste“ in 25,3° W-Lg, wie „Heinrich Lohmann“ in 24° W-Lg
und „Polynesia“ in 25,2° W-Lg am 7. September gelangt. Der Passat endete
bei „Charlotte“ in 14,8° N-Br und 22,3° W-Lg am 8. September, bei „Johanne
Auguste“ in 12,7° N-Br und 26,5° W-Lg, wie bei „Heinrich Lohmann“ in 13°
N-Br und 24,7° W-Lg und „Polynesia“ in 13° N-Br und 26,8° W-Lg am
11. September, Endlich wendeten im östlichsten erreichten Punkte „Charlotte“
in 3,7° N-Br und 15,4° W-Lg, wie „Johanne Auguste“ in 3,7° N-Br und 16,7°
W-Lg und „Heinrich Lohmann“ in 3,2° N-Br und 15° W-Lg am 23. September,
während '„ Polynesia“ dasselbe schon am 20. September in 3,9° N-Br und 22°
W-Leg gethan hatte. Um von 20° N-Br aus den Aoquator zu erreichen, waren
für „Polynesia“ 17, für „Johanne Auguste“ 21, für „Heinrich Lohmann“ 18 und
für „Charlotte“ 24 Tage erforderlich gewesen. Das die östliche Route ein-
haltende Schiff war gegen die westlicher segelnden Schiffe besonders deswegen