accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Orkan im Indischen Ocean am 24. Februar 1884. 
See bedeutend zu, so dafs man sich um 7 Uhr Morgens schon genöthigt sah, 
das Schiff unter Untermarssegeln an den Wind zu legen. Zunächst geschah 
dies auf B-B.-Halsen. Als jedoch das Barometer noch immer mehr fiel und 
der Wind um 9* a. m. nach SzW 10 wegschralte, wurde das Schiff auf St-B.- 
Halsen gelegt, die Untermarssegel wurden festgemacht, und der gereffte Besan 
wurde gesetzt. 
Um 11° 30" a. m. (auf 22,1° S-Br und 112,2° O-Lg) trat, mit dem Winde 
SzW 10—11, der beobachtete niedrigste Luftdruck von 740,8mm ein. Hierauf 
änderte der Wind seine Richtung lanysam nach SW und sprang dann um 2* p.m,, 
bei einem Luftdruck, der wieder bis 746,4mm zugenommen hatte, auf NW 11, 
Bis 4* p. m. lief eine hohe Dünung aus SWzW und WNW, doch hielt ein an- 
haltender starker Regen die See etwas nieder, so dafs diese nicht brach. Im 
Laufe des Nachmittags nahm bei rasch steigendem Barometer die Stärke des 
Windes schnell ab, und um 12* p. m. wehte bei einem Luftdruck von 757,5mm 
nur noch ein steifer Nordwind. Am folgenden Tage flaute derselbe, von N auf 
NW holend, bis zur Windstille ab. Darauf folgten südliche und südwestliche 
Winde, mit denen die Reise weiter fortgesetzt wurde. 
Die Norwegische Bark „Corona“, die sich auf einer Reise von Kronstadt 
nach Wladiwostock befand, stand am Morgen des 24. Februar um 4 Uhr nach 
ihrer Rechnung auf 23,2° S-Br und 112° 1‘ O-Lg etwa 0,6° südlich von 
„Esmeralda“. Der Wind, den die Bark ebenso wie die „Zsmeralda“ aus süd- 
licher Richtung hatte, war noch leicht, frischte aber bald auf und begann, ent- 
yegengesetzt, wie es auf dem anderen Schiffe der Fall war, östlich zu holen. 
Das Barometer war zugleich im raschen Fallen begriffen. Um 8° a. m. hatte 
der Wind von SE die Stärke 10 erreicht, bei einem Luftdruck von 743,3mm. 
Das Schiff lag auf St-B.-Halsen beigedreht und hatte nur die Leeschot vom 
Grofsmarssegel gesetzt. Von 9* a. m. bis 2!" p. m. lief die See furchtbar 
hoch, dann wurde dieselbe etwas besser. Um 12 Uhr Mittags, nahezu um die- 
selbe Zeit, als an Bord von „Esmeralda“ der niedrigste Luftdruck beobachtet 
wurde, und als der Wind bis NE 11 herumgeholt war, erreichte das Barometer 
an Bord von „Corona“ seinen tiefsten Stand von 737,4mm. Darauf holte, bei 
ziemlich rasch zunehmendem Luftdruck, der Wind auf N und nahm, nachdem 
er bis 4* p. m. als starker Sturm geweht hatte, nach und nach ab, so dafs er 
um 12° p. m. bei einem Luftdruck von 752,9mm aus derselben Richtung mit 
der Stärke 6 wehte. ; 
Stellt man die Beobachtungen der beiden Schiffe zusammen, so ergiebt 
sich als wahrscheinlich, dafs das Centrum des Orkans sich um 8* a, m,. den 
24. Februar ONO 50 Sm von „Esmeralda“ und ebensoweit, aber NNO von 
„Corona“, auf ungefähr 21,8° S-Br und 112,9° O-Lg befand. Am Mittag lag 
es in der Mitte zwischen den beiden Schiffen. in etwa 22,2° S-Br und 112,5° O-Lg 
und um 4* p. m. etwa 40Sm SSW von „Esmeralda“ und WSW von „Corona“, 
auf 22,8° S-Br und 112,0° O-Lg. Demgemäfs war die Bahn der Cyklone nach 
SW!/A4S gerichtet, und die fortschreitende Bewegung derselben betrug etwa 
10 Sm in der Stunde. Die Ausdehnung des Sturmfeldes scheint nur eine geringe 
gewesen zu sein, denn in einem Abstande von 80 Sm vom Centrum notirten 
die Schiffe noch die Windstärke 7. Das Gebiet der Windstärke 10 hatte nur 
einen Durchmesser von etwa 100 Sm. Die Gradienten in der Nähe des Minimums 
waren anscheinend sehr steil, denn bei einer Annäherung an dasselbe von etwa 
35 Sm, von 8" a. m. bis 11®* 30”.a. m., nahm der Luftdruck auf „Zsmeralda“ 
um 10,6mm ab. 
Das Centrum passirte, wie schon bemerkt, zwischen den beiden Schiffen, 
und zwar befand sich „Esmeralda“ auf der rechten, „Corona“ auf der linken 
Seite der Bahn. In Anbetracht dieser Stellung zur Bahn ergiebt sich der Bug, 
der zum Beilegen gewählt wurde, sowohl für das eine als das andere Schiff als 
der verkehrte. Während aber Kapt. Jäger nach der ‚ersten Aenderung des 
Windes seine Lage veränderte, und infolge dessen beim weiteren Herumholen 
des Windes. das Schiff gegen die See anluvte, blieb „Corona“ die ganzo Zeit 
mit St-B.-Halsen über den verkehrten Bug beigedreht und erhielt, als der 
Wind seine Richtung änderte, die See mehr und mehr von der Seite. Wahr- 
scheinlich aus diesem Grunde wird von Kapt. Pedersen die See auch als viel 
gefährlicher beschrieben, als von Kapt. Jäger.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.