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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Beobachtungen von Luft- und Wassertemperaturen. 
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wurde, stark beeinflufste. Der Grund für die Erscheinung, dafs die Temperatur 
des Oberflächenwassers höher ist als die der Luft, scheint in der verhältnifs- 
mäfsig ‚grofsen Trockenheit der letzteren zu liegen. Die Differenzen in den 
Ablesungen des trockenen und nassen Thermometers’ in allen passirten Regionen 
beweisen, dafs die Luft nie ganz mit Wasserdampf gesättigt ist. Der geringste 
beobachtete Unterschied zwischen beiden Ablesungen betrug 1,0° am 28. Januar, 
als das Schiff sich mitten im Aequatorial-Kalmengürtel befand; die Temperatur 
des Wassers schwankte zwischen 26,3° und 26,6° und betrug im Mittel 26,42°, 
die mittlere Temperatur der Luft war an dem Tage 0,92° geringer als die des 
Wassers, also 25,5°, während das nasse Thermometer einen noch um 1,3° 
niedrigeren Stand, d. h. 24,2° zeigte; da der Himmel an dem ganzen Tage 
vollkommen bedeckt war, so ist anzunehmen, dafs keine Veberhitzung durch 
die Umgebung stattfand und die Ablesungen richtig waren. 
Hieraus und aus der noch größeren Differenz zwischen trockenem und 
nassem Thermometer am 31. Januar und 1. Februar bei einer besonders schwülen 
drückenden Luft läfst sich auch, wie oben schon erwähnt, auf einen zu hohen 
Stand des ersteren an diesen Tagen schliefsen. Infolge der hiermit konstatirten 
relativen Trockenheit der Luft findet auf der Wasseroberfläche eine stete Ver- 
dunstung statt, wodurch derselben und der darauf ruhenden Luftschicht Wärme 
entzogen wird, mithin eine Abkühlung derselben eintritt, Das obere abgekühlte 
Wasser wird durch wärmeres und daher weniger dichtes Wasser von unten 
verdrängt, dieser Prozefs wird durch die mit der Verdunstung verbundene 
Konzentration noch begünstigt. Die latent gewordene Wärme sowohl des 
Wassers als der Luft wird durch Strahlung der Sonne ersetzt. Bei der geringen 
Absorptionsfähigkeit der verhältnifsmäfsig trockenen Atmosphäre dringen die 
Sonnenstrahlen aber durch dieselbe hindurch, ohne sie wesentlich zu erwärmen, 
während die Wasseroberfläche eine gröfsere Wärmemenge aufnimmt und erst 
allmählich an die untere Luftschicht etwas Wärme abgiebt. Hierdurch erscheint 
der Unterschied zwischen Luft- und Oberflächentemperatur des Wassers voll- 
kommen erklärt. Wenn als primärer Grund und Bedingung der höheren Wasser- 
temperatur hiernach die nicht vollkommene Sättigung der Luft mit Wasserdampf 
angesehen werden mufs, so wird im Sättigungsfalle voraussichtlich der beregte 
Unterschied nicht stattfinden, es kann unter Umständen sogar das Umgekehrte 
eintreten. Wenn z. B. an der Ostküste Asiens der SW-Monsun aus der Chine- 
sischen See weht und weiter in den nördlichen Stillen Ocean vordringt, so er- 
reicht er an den Küsten Japans eine Breite von natürlich niedrigerer Temperatur, 
30 dafs ein Theil des Wasserdampfes kondensirt wird, der in Form von Wasser- 
dunst oder Nebel den Horizont unsichtig macht. Die Bedingungen sind dann 
umgekehrt: anstatt dafs die Luft durch Verdunstung Wärme verliert, wird sie 
durch die Kondensation des Wasserdampfes erwärmt. Solche Fälle sind jedoch 
nur Ausnahmen, die Regel wird sein, dafs das Oberflächenwassoer wärmer als 
die Luft ist, und zwar ist der Unterschied abhängig von der relativen Trocken- 
heit der Luft und der damit zusammenhängenden gröfseren oder geringeren 
Verdunstung des Wassers an seiner Oberfläche. 
Bei der Revision des zum Gebrauch bestimmten Thermometers machte 
Herr Buchanan noch ganz interessante Beobachtungen bezüglich des Schmelz- 
punktes des Eises in Wasser von verschiedenem Salzgehalt, und fand das 
bereits von Petterson bei der Vega-Expedition erhaltene Resultat, dafs reines 
Frischwassereis in Seewasser getaucht bei einer Temperatur bedeutend unter 
0° C. schmilzt, bestätigt. Als er zuerst das Eis in Wasser that, welches 
35,65 Gramm Salz per Kilogramm Wasser enthielt, fiel das Thermometer schnell 
unter Null und behielt eine konstante Temperatur von — 1°C, Darauf wurde 
das Seewasser abgegossen und das Eis in eine Mischung von See- und destil- 
lirtem Wasser zu gleichen Theilen gelegt; hierbei zeigte das Thermometer eine 
Temperatur von — 0,45°; in destillirtem Wasser allein stand es schliefslich auf 
0°C. Eine Mischung von gleichen Theilen gleich warmen See- und destillirten 
Wassers ergab keine Temperaturänderung. Nach diesen Beobachtungen ist die 
Erniedrigung des Schmelzpunktes des Eises ungefähr proportional dem Salzgehalt 
des angewandten Wassers, 
Ann, 4, Hydr, ote., 1885, Heft XL
	        
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