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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Aus den Reiseberichten der Deutschen Brigg „Betty“, 
619 
Um 542 a. m. lichteten wir den Anker und segelten bei leichter südwest- 
licher Briese stromaufwärts. Eine Stunde später passirten wir die erste Barro 
(Banca Grande). Wir fanden auf derselben eine Wassertiefe von 3,9m (13 Fufs). 
Die oben erwähnten beiden Schiffe lagen noch fest. Sie hatten einen Wurfanker 
mit Leine nach SO stehen. Die Barre bei Saladero de Rivera passirten wir -um 
0* 35” p.m. Ein Deutscher Schöner, welcher oberhalb der Barre vor Anker 
lag, hatte drei Tage mit einem Tiefgange von 3,4m (11% Fuls) auf derselben 
festgesessen, und erst infolge des Pamperos vom 13. war er wieder flott ge- 
worden. Um 5* 15" p.m. ankerten‘ wir bei der Insel Almaron auf einer 
Wassertiefe von 8,1m (4'/ Fad.) auf grobem Grund, 2 Kabllg. vom. Westufer 
entfernt. Bei leichter nördlicher Briese stellte sich in der folgenden Nacht 
leichter auslaufender Strom von 0,5 Sm ein, während bis zum Abend ein Strom 
von 0,3 Sm einlief. - 
Am Nachmittage des 15. April und im Laufe des folgenden Tages liefs 
ich durch den Steuermann und den Lotsen das vor uns liegende Fahrwasser 
auslothen und an geeigneten Stellen mit Bojen belegen, Das Fahrwasser führt 
zunächst nahe dem Argentinischen Ufer entlang und geht dann mit OzN-Kurs 
dicht an der NW-Spitze der Insel Almaron vorbei auf die nächste Barre zu, 
woselbst eine Wassertiefe von 3,9m (13 Fufs) gefunden wurde, Der Boden ist 
hart. Von der SO-Spitze der Insel Almaron bis zu der Mitte derselben ist das 
Wasser sehr flach und hat auf einem Abstande von %/4 Kabllg. vom Ufer eine 
Tiefe von 1,2m (4 Fuls). | 
Gröfere Schiffe nehmen den letzten Theil ihrer Ladung unterhalb — süd- 
wärts — der Insel Almaron ein oder leichten daselbst, wenn sie mit voller 
Ladung für Paysandu ankommen. 
Um 10" a.m. den 17. April kam nach einer Windstille leichter südlicher 
Wind durch. Wir setzten unsere Reise fort, passirten um 12* m. ‘die letzte 
Barre, um 1* p. m. Paysandu und ankerten um 2* p. m. vor dem Nuovo Paysandı- 
Saladero, auf einer Wassertiefe von 18m (10 Fad.) über hartem Grunde. Das 
Ufer an der Uruguay-Seite ist durchgängig steinig, während das gegenüber- 
liegende Ufer, das Argentinische, welches mit Gras, Schilf und Weidenbäumen 
bewachsen ist, aus Lehm und Schlick besteht. 
Am 17. Mai war „Betty“ segelfertig, um mit einer Ladung Talg die Reise 
von Paysandu nach England anzutreten. Der ungünstigen Windverhältnisse 
wegen konnte die Abfahrt jedoch nicht eher als am 21. bewerkstelligt werden. 
Von leichten nördlichen und nordnordwestlichen Winden geleitet, erreichten 
wir dann am 26. Mai um 9" p.m. die Aufsenrhede von Montevideo. Während 
dieser Fahrt fanden wir beim Passiren der Barre Banca Grande 5,4m (18 Fufs) 
Wasser, 
Auf der ersten Barre bei Martin Garcia — von oben kommend — war 
die Tiefe ebenfalls 5,4m, auf der zweiten dagegen 4,0m. Zwischen der ersten 
und der zweiten Barre lag eine grofse Flotte von Schiffen, die stromabwärts 
bestimmt waren und auf einen höheren Wasserstand warteten, Auf der zweiten 
Barre war ein grofßser Dampfer festgerathen und lag dwars im Fahrwasser. 
Am 1. Juni 1884 setzte „Betty“ die Reise von Montevideo nach Eng- 
land fort.“ 
. Alle Kompafsrichtungen sind im Vorstehenden und Nachfolgenden recht- 
weisend gegeben. Die Mifsweisung ist gleich 1 Strich Ost angenommen. 
Ueber die Flufsstrecke des Parana de las Palmas, genannt Volta St. An- 
tonio, macht Kapt. Bendrat noch folgende Bemerkungen: 
„Wenn man, von oben kommend, - die auf der rechten Seite des Parana 
de las Palmas liegende Mündung des Flusses Baradero passirt hat, sieht man 
am rechten Ufer, 100 bis 200 Schritt von demselben landeinwärts, aus dem 
Wiesen- und Sumpfgrund einen Höhenzug, stellenweise steil, aufsteigen, der sich 
stromabwärts bis unterhalb Campana hinzieht und dort verflachend in das 
niedrige Ufer des La Plata übergeht. Besteigt man diesen Höhenzug, so hat 
man eine weite Ebene, die Pampas, vor sich, auf der, soweit das Auge reicht, 
nur Graswuchs, einige Maisfelder und ganz spärlich vertheilte Estancias zu 
sehen sind. Letztere sind erkennbar an den sie umgebenden Baumgruppen und 
vielen in ihrer Nähe grasenden Viehheerden. Von der Baradero-Mündung bis 
zur Volta St. Antonio befinden sich am Abhange des genannten Höhenzuges
	        
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