Aus den Reiseberichten der Deutschen Brigg „Betty“,
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Um 542 a. m. lichteten wir den Anker und segelten bei leichter südwest-
licher Briese stromaufwärts. Eine Stunde später passirten wir die erste Barro
(Banca Grande). Wir fanden auf derselben eine Wassertiefe von 3,9m (13 Fufs).
Die oben erwähnten beiden Schiffe lagen noch fest. Sie hatten einen Wurfanker
mit Leine nach SO stehen. Die Barre bei Saladero de Rivera passirten wir -um
0* 35” p.m. Ein Deutscher Schöner, welcher oberhalb der Barre vor Anker
lag, hatte drei Tage mit einem Tiefgange von 3,4m (11% Fuls) auf derselben
festgesessen, und erst infolge des Pamperos vom 13. war er wieder flott ge-
worden. Um 5* 15" p.m. ankerten‘ wir bei der Insel Almaron auf einer
Wassertiefe von 8,1m (4'/ Fad.) auf grobem Grund, 2 Kabllg. vom. Westufer
entfernt. Bei leichter nördlicher Briese stellte sich in der folgenden Nacht
leichter auslaufender Strom von 0,5 Sm ein, während bis zum Abend ein Strom
von 0,3 Sm einlief. -
Am Nachmittage des 15. April und im Laufe des folgenden Tages liefs
ich durch den Steuermann und den Lotsen das vor uns liegende Fahrwasser
auslothen und an geeigneten Stellen mit Bojen belegen, Das Fahrwasser führt
zunächst nahe dem Argentinischen Ufer entlang und geht dann mit OzN-Kurs
dicht an der NW-Spitze der Insel Almaron vorbei auf die nächste Barre zu,
woselbst eine Wassertiefe von 3,9m (13 Fufs) gefunden wurde, Der Boden ist
hart. Von der SO-Spitze der Insel Almaron bis zu der Mitte derselben ist das
Wasser sehr flach und hat auf einem Abstande von %/4 Kabllg. vom Ufer eine
Tiefe von 1,2m (4 Fuls). |
Gröfere Schiffe nehmen den letzten Theil ihrer Ladung unterhalb — süd-
wärts — der Insel Almaron ein oder leichten daselbst, wenn sie mit voller
Ladung für Paysandu ankommen.
Um 10" a.m. den 17. April kam nach einer Windstille leichter südlicher
Wind durch. Wir setzten unsere Reise fort, passirten um 12* m. ‘die letzte
Barre, um 1* p. m. Paysandu und ankerten um 2* p. m. vor dem Nuovo Paysandı-
Saladero, auf einer Wassertiefe von 18m (10 Fad.) über hartem Grunde. Das
Ufer an der Uruguay-Seite ist durchgängig steinig, während das gegenüber-
liegende Ufer, das Argentinische, welches mit Gras, Schilf und Weidenbäumen
bewachsen ist, aus Lehm und Schlick besteht.
Am 17. Mai war „Betty“ segelfertig, um mit einer Ladung Talg die Reise
von Paysandu nach England anzutreten. Der ungünstigen Windverhältnisse
wegen konnte die Abfahrt jedoch nicht eher als am 21. bewerkstelligt werden.
Von leichten nördlichen und nordnordwestlichen Winden geleitet, erreichten
wir dann am 26. Mai um 9" p.m. die Aufsenrhede von Montevideo. Während
dieser Fahrt fanden wir beim Passiren der Barre Banca Grande 5,4m (18 Fufs)
Wasser,
Auf der ersten Barre bei Martin Garcia — von oben kommend — war
die Tiefe ebenfalls 5,4m, auf der zweiten dagegen 4,0m. Zwischen der ersten
und der zweiten Barre lag eine grofse Flotte von Schiffen, die stromabwärts
bestimmt waren und auf einen höheren Wasserstand warteten, Auf der zweiten
Barre war ein grofßser Dampfer festgerathen und lag dwars im Fahrwasser.
Am 1. Juni 1884 setzte „Betty“ die Reise von Montevideo nach Eng-
land fort.“
. Alle Kompafsrichtungen sind im Vorstehenden und Nachfolgenden recht-
weisend gegeben. Die Mifsweisung ist gleich 1 Strich Ost angenommen.
Ueber die Flufsstrecke des Parana de las Palmas, genannt Volta St. An-
tonio, macht Kapt. Bendrat noch folgende Bemerkungen:
„Wenn man, von oben kommend, - die auf der rechten Seite des Parana
de las Palmas liegende Mündung des Flusses Baradero passirt hat, sieht man
am rechten Ufer, 100 bis 200 Schritt von demselben landeinwärts, aus dem
Wiesen- und Sumpfgrund einen Höhenzug, stellenweise steil, aufsteigen, der sich
stromabwärts bis unterhalb Campana hinzieht und dort verflachend in das
niedrige Ufer des La Plata übergeht. Besteigt man diesen Höhenzug, so hat
man eine weite Ebene, die Pampas, vor sich, auf der, soweit das Auge reicht,
nur Graswuchs, einige Maisfelder und ganz spärlich vertheilte Estancias zu
sehen sind. Letztere sind erkennbar an den sie umgebenden Baumgruppen und
vielen in ihrer Nähe grasenden Viehheerden. Von der Baradero-Mündung bis
zur Volta St. Antonio befinden sich am Abhange des genannten Höhenzuges