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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

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Aus den Reiseberichten der Deutschen Brigg „Betty“, 
Zestal Creek, um 12° m. Minnie Creek, welcher am rechten Ufer mündet, und um 
2b p. m. waren wir frei von der Bank, welche am linken Ufer der Mündung 
des Parana Guazu nach OzN in den Uruguay sich hinein erstreckt. 
Am Nachmittag segelten wir im Uruguay 8tromaufwärts. Um 3% 45” p, m. 
passirten wir Punta Gorda und ankerten um 5* 30” p. m. auf einer Tiefe von 
16m unweit Nueva Palmyra, ein hübsches Städtchen, welches an einer Bucht 
am linken Flufsufer liegt. 
Am 6. April konnten wir anfänglich, da kein auslaufender Strom uns 
entgegen war, trotz der flauen Briese Fortgang machen. Weiter im Flufs 
hinauf machte sich der Strom jedoch mehr fühlbar, und mufsten wir deshalb, 
als wir Punta Arenal sowie die in der Nähe liegende eiförmige Boje in Sicht 
hatten, ankern. 
In der Nacht vom 6. zum 7. April wehte ein stürmischer SW-Wind, der 
auch am nächsten Tage und in der folgenden Nacht noch anhielt. Strom wurde 
während dieser Zeit nicht bemerkt. Ueber Bord geworfene Gegenstände trieben 
dem Ufer zu. Infolge des stürmischen Wetters entstand eine kurze südwest- 
liche See, weshalb wir genöthigt waren, Kabeltau und Giene auf der Anker- 
kette zu befestigen. 
Um 1'/2 p. m. den 8. April lichteten wir den Anker, setzten Segel und 
fuhren mit frischem südwestlichem Winde stromaufwärts. Wir fanden, dafs die 
sine Hälfte des Ankerstocks verloren gegangen war. Als wir die achte Boje 
des Englischen Kanals passirt hatten, ankerten wir, weil mittlerweile die Nacht 
hereingebrochen war. Sämmtliche Bojen liegen an der Uruguay-Seite des 
Flusses und werden allein vom Staate Uruguay unterhalten. Einige derselben 
waren von ihrer Position vertrieben. 
Um 6'/& a. m. am 9. April segelten wir auf Nord-Kurs nach der Mitte 
des Fahrwassers und folgten dann der Richtung, in welcher die Bojen von 
ginander liegen. Um 8'/* a. m. passirten wir Fray Bentos, um 2* p. m. die 
Nordspitze der Insel Roman Grande, und um 4" p.m. ankerten wir, Roman 
Chico-Insel in S!AO rw. 1,5 Sm entfernt, auf 8m (4,5 Fad.) Tiefe über hartem 
Sandgrund. Der Strom lief 0,5 Kn die Stunde aus. Seit dem Aufhören des 
südlichen und Einsetzen eines nördlichen Windes in der Nacht vom 9. zum 
10. April schien das Wasser in fortwährendem Fallen begriffen zu sein. Nach 
dem Wasserstandsmesser am Uruguay-Flulsufer, von dem wir %/4 Kabllg. entfernt 
lagen, nahm der Stand in dieser Nacht um 1,5m ab. 
Bis zum 14. blieben wir der Anfangs leichten, später estürmischen nörd- 
lichen Winde wegen vor Anker liegen. 
Am 11. April war der Wasserstand, bei einer ablaufenden Strömung von 
0,3 Sm die Stunde, wieder um 0,3m (1 Fufs) gefallen. Unser Ankerplatz be- 
fand sich etwa 2,5 Sm südlich von der ersten bedeutenden Barre im Uruguay. 
Auf dieser safsen seit dem 10. zwei Barken fest, eine Deutsche und eine 
Italienische, erstere von 3,9m, letztere von 4,2m Tiefgang. Es ist vorgekommen, 
dafs so tief gehende Schiffe fünf Wochen auf oder vor der Barre auf den 
erforderlichen Wasserstand haben warten müssen. Vor der Annäherung an die 
aeichte Stelle im Flufs bemerkt man an dem dicht zu passirenden Ufer Pfähle 
eingerammt, die in deutlichen Zahlen die Wassertiefe markiren, welche auf den 
Aachsten Stellen des Fahrwassers auf der Barre steht. Es ist somit dem 
Kapitän Gelegenheit geboten, in Erwägung zu ziehen, ob er die Fahrt über die 
Barre unternehmen darf, oder ob er besser thut, vor derselben zu ankerpn. 
Längs der tiefsten Fahrrinne, welche über die Barre führt, sind kleine Bojen 
‘gröfßsere Proviantbehälter) verankert worden. 
Am Vormittage des 13. April ging der Wind, stärker und stärker 
werdend, nach NW und wehte um 4* p.m., bei drohend bewölktem Himmel 
and anhaltendem Blitzen, von WzN in Böen mit der Stärke 10. Gegen 6*p. m. 
lief er auf SWzW und gegen 10 p.m. auf SzW, bei einer Stärke von 9—8. 
Einzelne Gewitter, von Regen begleitet, zogen über das Schiff hinweg. Während 
dieser Zeit war keine Strömung zu bemerken. Wir lagen hinter beiden Ankern 
auf den Wind geschwait. Am 14. holte der Wind, zu einer schwachen Briese 
abflauend, allmählich auf E. Am Morgen dieses Tages fanden wir, als 
wir das Loth warfen, daßls das Wasser während der Nacht 0,4m (1,5 Fuß) 
restiegen war.
	        
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