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Aus den Reiseberichten der Deutschen Brigg „Betty“,
Zestal Creek, um 12° m. Minnie Creek, welcher am rechten Ufer mündet, und um
2b p. m. waren wir frei von der Bank, welche am linken Ufer der Mündung
des Parana Guazu nach OzN in den Uruguay sich hinein erstreckt.
Am Nachmittag segelten wir im Uruguay 8tromaufwärts. Um 3% 45” p, m.
passirten wir Punta Gorda und ankerten um 5* 30” p. m. auf einer Tiefe von
16m unweit Nueva Palmyra, ein hübsches Städtchen, welches an einer Bucht
am linken Flufsufer liegt.
Am 6. April konnten wir anfänglich, da kein auslaufender Strom uns
entgegen war, trotz der flauen Briese Fortgang machen. Weiter im Flufs
hinauf machte sich der Strom jedoch mehr fühlbar, und mufsten wir deshalb,
als wir Punta Arenal sowie die in der Nähe liegende eiförmige Boje in Sicht
hatten, ankern.
In der Nacht vom 6. zum 7. April wehte ein stürmischer SW-Wind, der
auch am nächsten Tage und in der folgenden Nacht noch anhielt. Strom wurde
während dieser Zeit nicht bemerkt. Ueber Bord geworfene Gegenstände trieben
dem Ufer zu. Infolge des stürmischen Wetters entstand eine kurze südwest-
liche See, weshalb wir genöthigt waren, Kabeltau und Giene auf der Anker-
kette zu befestigen.
Um 1'/2 p. m. den 8. April lichteten wir den Anker, setzten Segel und
fuhren mit frischem südwestlichem Winde stromaufwärts. Wir fanden, dafs die
sine Hälfte des Ankerstocks verloren gegangen war. Als wir die achte Boje
des Englischen Kanals passirt hatten, ankerten wir, weil mittlerweile die Nacht
hereingebrochen war. Sämmtliche Bojen liegen an der Uruguay-Seite des
Flusses und werden allein vom Staate Uruguay unterhalten. Einige derselben
waren von ihrer Position vertrieben.
Um 6'/& a. m. am 9. April segelten wir auf Nord-Kurs nach der Mitte
des Fahrwassers und folgten dann der Richtung, in welcher die Bojen von
ginander liegen. Um 8'/* a. m. passirten wir Fray Bentos, um 2* p. m. die
Nordspitze der Insel Roman Grande, und um 4" p.m. ankerten wir, Roman
Chico-Insel in S!AO rw. 1,5 Sm entfernt, auf 8m (4,5 Fad.) Tiefe über hartem
Sandgrund. Der Strom lief 0,5 Kn die Stunde aus. Seit dem Aufhören des
südlichen und Einsetzen eines nördlichen Windes in der Nacht vom 9. zum
10. April schien das Wasser in fortwährendem Fallen begriffen zu sein. Nach
dem Wasserstandsmesser am Uruguay-Flulsufer, von dem wir %/4 Kabllg. entfernt
lagen, nahm der Stand in dieser Nacht um 1,5m ab.
Bis zum 14. blieben wir der Anfangs leichten, später estürmischen nörd-
lichen Winde wegen vor Anker liegen.
Am 11. April war der Wasserstand, bei einer ablaufenden Strömung von
0,3 Sm die Stunde, wieder um 0,3m (1 Fufs) gefallen. Unser Ankerplatz be-
fand sich etwa 2,5 Sm südlich von der ersten bedeutenden Barre im Uruguay.
Auf dieser safsen seit dem 10. zwei Barken fest, eine Deutsche und eine
Italienische, erstere von 3,9m, letztere von 4,2m Tiefgang. Es ist vorgekommen,
dafs so tief gehende Schiffe fünf Wochen auf oder vor der Barre auf den
erforderlichen Wasserstand haben warten müssen. Vor der Annäherung an die
aeichte Stelle im Flufs bemerkt man an dem dicht zu passirenden Ufer Pfähle
eingerammt, die in deutlichen Zahlen die Wassertiefe markiren, welche auf den
Aachsten Stellen des Fahrwassers auf der Barre steht. Es ist somit dem
Kapitän Gelegenheit geboten, in Erwägung zu ziehen, ob er die Fahrt über die
Barre unternehmen darf, oder ob er besser thut, vor derselben zu ankerpn.
Längs der tiefsten Fahrrinne, welche über die Barre führt, sind kleine Bojen
‘gröfßsere Proviantbehälter) verankert worden.
Am Vormittage des 13. April ging der Wind, stärker und stärker
werdend, nach NW und wehte um 4* p.m., bei drohend bewölktem Himmel
and anhaltendem Blitzen, von WzN in Böen mit der Stärke 10. Gegen 6*p. m.
lief er auf SWzW und gegen 10 p.m. auf SzW, bei einer Stärke von 9—8.
Einzelne Gewitter, von Regen begleitet, zogen über das Schiff hinweg. Während
dieser Zeit war keine Strömung zu bemerken. Wir lagen hinter beiden Ankern
auf den Wind geschwait. Am 14. holte der Wind, zu einer schwachen Briese
abflauend, allmählich auf E. Am Morgen dieses Tages fanden wir, als
wir das Loth warfen, daßls das Wasser während der Nacht 0,4m (1,5 Fuß)
restiegen war.