Aus den Reiseberichten der Deutschen Brigg „Betty“,
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welcher Bäume gar nicht, Gebüsche aber nur vereinzelt vorkommen. Einige
grofse Wasserlachen lassen erkennen, dafs der Boden überall sehr niedrig ist
und sich an manchen Stellen nicht bis zum Niveau des Flusses erhebt,
Bis zum 4. April Jagen wir .des zu starken Stromes (2,5 bis 3 Sm die
Stunde) und dichten Nebels halber vor Anker. In der Nacht vom 3, zum
4. April herrschte ebenfalls dichter Nebel. Während desselben trieb uns eine
sehr grofse schwimmende Insel vor den Bug, die schliefslich auf der Anker-
kette hängen blieb, nachdem sich ein Theil durch die Erschütterung des An-
pralls losgelöst hatte und weiter getrieben war. Der Strom lief mit einer
Geschwindigkeit von 2,5 Kn aus, und wurde daher die Ankerkette, als die
Insel vor den Bug trieb, aufs äufserste angespannt. Das Schiff erzitterte in-
folge des starken Rucks, der auf das Ankerspill ausgeübt wurde. Die meiste
Zeit, wenn wir vor Anker lagen, mufste das Schiff, um das starke GHieren zu
vermeiden, gesteuert werden. Dasselbe geschah auch in dieser Nacht; doch
wurde die herantreibende Insel, obwohl ein Mann auf dem Ausguck stand, des
dichten Nebels wegen zu spät entdeckt, und war es uns nicht möglich, von
derselben‘ frei zu scheeren. Die Insel mochte einen Durchmesser von etwa 18m
haben, bei einer Tiefe unter Wasser von 0,2m, während die auf derselben
stehenden Gräser und Büsche eine Höhe von 1,2 bis 1,5m erreichten. ,
Nachdem wir das Schiff bezw. die Ankerkette von der Insel durch Aus-
einanderstechen der letzteren befreit hatten, lichteten wir am Morgen des
4. April den Anker und trieben unter Füllen und Backen südostwärts stromab:
Um 11* a. m. passirten wir eine Spitze am linken Flufsufer, woselbst der Strom
auf eine Strecke von %4 Sm eine NO-Richtung annimmt. Hierauf führt der
Kurs, dicht am linken Ufer entlang, 1% Sm nach OzN und 0. Von hier hat
man %/4 Sm nach SOzS zu segeln, bis zu einer Spitze am linken Ufer, wo der
Fluß eine neue Wendung nach NOzN und NO macht. Etwa 1 Sm von dieser
Spitze liegt im NWzW, ungefähr in der Mitte des Stromes, — %s der Breito
vom linken und !/s vom rechten Ufer entfernt — eine Bank, auf deren flachster
Stelle sich bei mittlerem Wasserstande etwa 2m Wasser befinden und welche
ungefähr 1,5 Kabllg. lang ist. Auf der Hinreise, als wir ostwärts von der Bank
vor Anker lagen, habe ich Gelegenheit genommen, dieselbe auszulothen. ;
An der Insel Botijas, die bei der zuletzt erwähnten Landspitze gelegen
ist, theilt sich der Flufs in zwei Arme. Derjenige, welcher das gewöhnliche
Fahrwasser bildet, führt, wie schon erwähnt, nach NOzN und NO. In demselben
hat man die Insel zur Rechten. Ein anderer Arm des Parana de Guazu fielst
an der Spitze vorbei nach SzO und macht dann allmählich eine Biegung um
die Insel Botzjas herum. Die Insel ist gegenwärtig von einem Franzosen be-
wohnt, der sich einige Kühe, Pferde und-Schafe hält. Derselbe wird jedoch
seines Aufenthalts dort nicht froh. Vor einigen Jahren raubte ihm ein hoher
Wasserstand all sein Vieh. Die ganze Insel war, wie der Herr mir selbst be-
richtete, total überschwemmt, und er war genöthigt, in die stets bereit liegenden
Boote. zu flüchten. Das Wohnhaus steht auf einer kleinen Anhöhe nahe dem
NW-Ufer der Insel. Der Bewohner der Insel besucht die vorbeipassirenden
Schiffe und versieht sie mit etwas Gemüse, falls ihm solches von den so häufig
Alles verheerenden Heuschrecken übrig gelassen ist. Auch versieht er bei
kleinen Schiffen mit seinen Pferden einen Schleppdienst am Ufer entlang. Der
Strom hat hier fast bis in die unmittelbare Nähe des Ufers eine Tiefe von
34 bis 36m (19 bis 20 Fad.).
Wir kamen heute (4. April) nicht weiter, als 1 Kabllg. westwärts von
der zuletzt genannten Spitze, und ankerten dicht am Ufer auf 31,5m (17,5 Fad.)
Tiefe auf lehmigem Grund, .
Am 5. April lichteten wir mit Tagesanbruch unsern Anker und trieben
dann unter Füllen und Backen stromab, dem Ufer der Insel Botijas entlang
nach NOzN und NO. Bei der Nordspitze der Insel angelangt, veränderte sich
der Kurs allmählich bis SzO, und da jetzt nordwestlicher Wind wehte, so
passirten wir. das Südostende ‘der Insel bei günstigem Winde schon um
7» 40° a. m. Im Laufe des Tages frischte der Wind immer mehr auf — er
erlangte in Böen sogar die Stärke 7 bis 8 — so dafs wir, außerdem von
einer stark mitlaufenden Strömung begünstigt, rasch vorwärts kamen. Um
10 45” a. m. passirten wir die Südspitze der Pigeon-Insel, um 11° a. m.