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Aus den Reiseberichten der Deutschen Brigg „Betty“.
In der Nacht vom 28. zum 29. März war das Wetter trübe, bei fast
Windstille und starkem Thau. Erst um 9% a. m. frischte der Wind aus OzN
etwas auf, wodurch wir veranlaßst wurden, den Anker zu lichten. Wir kamen
indefs nicht weit, denn schon um 11 Uhr zwang uns der flau werdende Wind
abermals zu ankern, und zwar an der NO-Seite des Flusses auf einer Tiefe von
19,8m (11 Fad.). Der bis hierher gesteuerte Kurs war ungefähr NzO.
Gegen 2’/a* p. m. erlaubte uns eine von ENE durchkommende und auf-
frischendo Briese weiter zu segeln. Ein Kurs zwischen WzN und NWzW führte
uns in Sicht einer am rechten (westlichen) Ufer des Flusses, auf einem Hügel-
rücken, etwa '/a Kabllg. von dem. sonst niedrigen Uferrande entfernt liegenden
Estancia, welche den Namen St, Antonio führt, Gegenüber dieser Estancia
bildet das linke Ufer des Parana de las Palmas eine Landspitze, um welche
der Flufs eine knappe Biegung nach NzO macht und darauf seinen Kurs nach
NOzN und NOzO verändert. Das linke Ufer haltend, näherten wir uns wegen
des starken Gegenstroms nur langsam der erwähnten Landzunge. Infolge der
starken Richtungsänderung des Flusses bilden sich in demselben an dieser Stelle
bedeutende Wirbel, in denen das Schiff nur mit Mühe dem Ruder gehorchte,
obwohl die Fahrgeschwindigkeit desselben 3,5 Kn betrug. Es gelang uns zwar,
die Landzunge zu umsegeln, allein nachdem wir darauf etwa 1.Kabllg. nach NzO
bis NOzN zurückgelegt hatten, wurde das Schiff wieder zurückgetrieben, weshalb
sofort 20 Schritte vom Ufer entfernt geankert wurde. Hier, %/4 Kabllg, NNO
von der Landspitze, betrug die Wassertiefe 30,6m (17 Fad.) über lehmigem
Boden, Die Strecke, welche wir hier betreten hatten, wird die Volta St. Antonio
genannt und ist für die Schiffahrt die gefährlichste des Campana-Flusses oder
Parana de las Palmas. (Diese Stromstrecke und die darauf folgende bis zur
Mündung des Baradero-Flusses am rechten Ufer ist weiter unten etwas aus-
führlicher beschrieben.)
Sobald sich der Nebel am Morgen des 30. März gehoben hatte, lichteten
wir um 8 Uhr bei frischem südlichem Winde den Anker. Auf einem NOzN-
bis NOzO-Kurse erreichten wir eine Landspitze auf der Westseite des Stromes,
woselbst letzterer eine neue Biegung macht, die erst nach N geht und sich
dann allmählich nach WSW verändert. Dieselbe reicht bis an die Mündung
des Baradero-Flusses, an der rechten Seite des Parana de las Palmas. Von
hier bis zum Zangeve-Flusse macht das Fahrwasser noch mehrere Biegungen,
erst durch N bis OzS, dann zurück durch N bis WzN und nochmals durch
NW und N bis N0OzO. Die Strömung war oberhalb der Mündung dos Flusses
Baradero nicht mehr so stark wie vorher.
Um 3* p. m. segelten wir auf NOzO0-Kurs in den Zangeve hinein. Dieser
kleine Flufs verbindet den Parana de las Palmas mit dem Parana Guazu. Er
ist durchschnittlich !/2 bis %/4 Kabllg. breit und verlänft in einer fast geraden
Linie nach 0zS bis 0. Die Strömung setzte in derselben Richtung. Nachdem
wir mit einer Fahrt von 4 Kn über den Grund bis 3% p. m. darin gesegelt
waren, gelangten wir in den Parana Guazu, in den sich nahezu an derselben
Stelle wie der Zangeve ein anderer kleiner Flufs, der Talavera, ergiefst, Im
Parana Guazu ist der Strom ebenfalls stets auslaufend.
Dem rechten Ufer desselben entlang segelnd, passirten wir um 4%/4h p. m.
die Mündung des Ybucuy-Flusses an der gegenüber liegenden Seite und trieben
dann mit dem Strome unter Backen und Füllen der Segel die nächste, nach
S0zS laufende Strecke hinunter, bis eine hereinbrechende schwere Böe ein
längeres Treiben nicht gestattete. Wir ankerten daher um 54 p. m. etwa
1! Sm von einer Landspitze entfernt, die vor uns am linken Flufsufer sich
befand und woselbst der Flufs eine Biegung nach NOzO bis ONO macht. Auf
dem Ankerplatz, dicht am linken Ufer, betrug die Wassertiefe über lehmigem
Boden 19,8m (11 Fad,). Der Flufs hat hier eine Breite von 3/, Sm und der
auslaufende Strom hatte eine bedeutende Geschwindigkeit, nämlich 2%4 Kn die
Stunde. Die Ufer sind hier, wie überall, sehr niedrig, fast in gleicher Höhe
mit dem gewöhnlichen Hochwasser, und werden daher bei aufserordentlich
hohem Wasserstande überschwemmt. Weidenbäume, kleineres Buschwerk, Schilf
und Binsen reichen bis dicht ans Wasser heran und machen ein Landen schwierig.
Steigt man in die Takelung hinein, so sieht man jenseits des Ufergebüsches
eine weite niedrige Ehene, welche mit Schilf und Gras bewachsen ist und anf