Aus den Reiseberichten der Deutschen Brigg „Betty“.
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der auslaufende Strom stärker als gewöhnlich war. In der folgenden Nacht
blitzte und gewitterte es in allen Himmelsgegenden, wobei der Wind‘ bald in
Böen von Stärke 6, bald als leiser Zug aus NE, E, SE und SSW wehte.
Um 7 Uhr Morgens den 21. März lichteten wir den Anker und segelten
von Campana den Strom aufwärts. Als wir gegen 9 Uhr etwa 2 Sm zurück-
gelegt hatten, kamen wir an eine Wendung des Stromes nach OzN, und da uns
der Wind aus dieser Richtung gerade entgegen wehte, sahen wir uns genöthigt,
am rechten Ufer des Flusses, welcher hier 1% Kabllg. breit ist, auf 18m (10 Fad.)
Tiefe zu ankern. Die niedrigen Ufer, welche ganz mit Buschwerk bestanden
3ind, gestatten die Annäherung eines Schiffes bis auf wenige Schritte. Am öst-
lichen, linken Ufer beträgt die Wassertiefe 32 bis 34m (18 bis 19 Fad.) über
lehmigem Grund. Der Strom war 3,5 Kn auslaufend.
. Am Vormittag des 22. März machten wir bei leichtem Südwinde einen
vergeblichen Versuch, vorwärts zu kommen. Nach Verlauf von einer Stunde
war das Schiff unter allen Segeln zwei Schiffslängen zurückgetrieben, weshalb
wieder geankert werden mufste. Der auslaufende Strom hatte eine Geschwindig-
keit von 2,7 Kn. Gleich darauf ging der Wind auf E zurück.
Während der Nacht vom 23. zum 24. März lief der Wind, von Gewitter
ünd Regen begleitet, von N 2 auf W 6 und gegen Morgen auf SW 2, mit welchem
Winde wir Anker auf gingen. Als wir vielleicht !/a Sm gesegelt waren,
schralte der Wind durch S, SE und E auf NE, und zwang uns wieder zu ankern,
Der Strom lief mit einer Stärke von 2,5 Kun aus.
Am 25, März traten häufig Gewitter und anhaltender Regen auf, bei viel-
fach starken östlichen Winden. Es lief eine starke Strömung aus. Der Wasser-
stand im Flusse war ganz bedeutend, fast in gleicher Höhe mit den Ufern,
Am 26, März war der Strom bei vorherrschend starken nördlichen und
nordnordöstlichen Winden ebenfalls stark. Er lief mit einer Geschwindigkeit
von 2,7 Kn die Stunde. Der Wasserstand war um 1,2m (4 Fufs) niedriger als
am Tage vorher.
Am 27. März hatten wir einen Pampero. Während des ganzen Vor-
mittags herrschte bei klarem Wetter Wind von NE bis N, der in Böen die
Stärke 7 erreichte. Das Barometer, welches anfänglich fiel, erreichte um 9° a. m.
seinen tiefsten Stand und fing dann langsam an zu steigen. Seit 4" p. m.
sammelten sich im W und SW drohende Gewitterwolken. Zu gleicher Zeit
wurde der nördliche Wind schwächer, bis es schliefslich gegen 6* p. m. gänzlich
windstill wurde, Dabei war die Hitze sehr grofs. Um 7° p. m. waren die
drohenden Gewitterwolken, von fortwährendem Blitzen begleitet, bis zu unserm
Zenith heraufgekommen, und nun fiel eine orkanartige Böe (Stärke 11) von
15 Minuten Dauer ein, welche das Schiff soweit zum Ueberholen brachte, dal
der Schandeckel zu Wasser lag. Während der beiden folgenden Stunden lief
der Wind unter heftigen Gewittern auf SW. Von Windstillen, die eine halb-
stündige Dauer hatten, unterbrochen, dann aber wieder in Stöfsen mit der
Stärke 9—10 wehend und von schweren Regengüssen begleitet, hielt dieser
Wind bis zum folgenden Morgen an, wo er bis zur Stärke 2 abflaute. Das
Barometer war im stetigen Steigen begriffen und das Wetter leicht regnerisch,
Den 28. März Morgens lichteten wir unsern Anker und segelten bei
leichtem SW-Winde etwa 2 Sm nach NOzO bis OzN. Von hier an wurde der
Lauf des Stromes nördlicher und westlicher, bis er zuletzt WzN war und auf
die zunächst zu umsegelnde Landspitze führte, gegenüber welcher auf dem west-
lichen Flufßufer das Städtchen Zarate liegt. Etwa noch 1!/2 Sm ‘von dieser
Landspitze entfernt wurde es so flau, dafs wir den Strom nicht todtsegeln
konnten, sondern unter dem westlichen Ufer auf 20m (11 Fad.) ankern mufsten,
Am jenseitigen, sonst unbewohnten Ufer befand sich im ONO von uns eine
Ziegelei, Eine Stunde später, um 9!/* a. m., frischte der Wind von SW soweit
auf, dafs‘ es uns wieder gelang, stromaufwärts Fortschritt zu machen... Von
Zarate an wird der Kurs wieder nördlicher, bis NzW. Der Wind kam auf
dieser Strecke nur noch stofsweise über das Gebüsch am Ufer und wurde
schließlich zeitweise ganz still, so dafs wir zurückzutreiben begannen. Wir
ankerten deshalb um 1%2% p. m. ungefähr 60 Schritte vom rechten Flulsufer in
12,6 m (7 Fad.) Tiefe.