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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Ann. d. Hydr. etoc., Jahrg. XII. (1885), Heft XI. 
SOE 
Bestimmung des wahrscheinlichsten Beobachtungsortes 
aus beobachteten Gestirnshöhen. 
Von Kapt.-Lieut, a. D. Rottok, 
In allen Fällen, wo es sich um eine gröfsere Genauigkeit resp. die größte 
zu erreichende Genauigkeit einer Ortsbestimmung handelt, ist, wenn das Resultat 
Zweifel zuläfst, oder verschiedene Resultate möglich sind, stets das wahrschein- 
lichste Resultat zu ermitteln. Eine solche Verschiedenheit in den Resultaten 
ist das Gewöhnliche bei Ortsbestimmungen aus mehreren Beobachtungen, denn 
selbst bei der gröfsten Sorgfalt und unter der Annahme, dafs sich bei der Be- 
rechnung und den zu dieser benutzten Elementen keinerlei Ungenauigkeiten 
eingeschlichen haben, ist dieselbe wegen der unvermeidlichen Beobachtungs- 
fehler nicht zu umgehen. Wenngleich in der praktischen Nautik das Problem 
der Bestimmung des wahrscheinlichsten Beobachtungsortes aus verschiedenen 
Höhenbeobachtungen nicht zu den alltäglichen Aufgaben gehört und in‘ den 
meisten dieselbe behandelnden Werken gar nicht berührt ist, so darf es doch 
keineswegs unbeachtet. gelassen werden, da es in einzelnen Fällen derselben 
gute und wichtige Dienste leisten kann; hierzu gehören hauptsächlich die Fälle, 
wo ein Schiff an der Küste oder sonst in schwieriger und gefährlicher Lage 
sich befindet, und es darauf ankommt, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln 
den Standort des Schiffes so genau wie irgend möglich zu ermitteln, und wenn 
die geographische Position irgend eines Punktes bei nur vorübergehendem 
Aufenthalt festgelegt werden soll. Wir dehnen das Problem auch auf den Fall 
einer einzelnen Beobachtung aus, indem wir zu der Bestimmung der wahr- 
scheinlichsten Position noch die sonst gegebenen Anhaltspunkte heranziehon. 
Von den Navigationswerken beschäftigt sich die Französische „Nouvelle Navi- 
gation Astronomique“, Theorie par M. Yvon Villarceau, Pratique par M. Aved 
de Magnac (Paris 1877), mit dem Problem. Nach derselben dort- angewandten 
Methode hat auch Herr Professor Dr, 6. D. E. Weyer in Kiel dasselbe in 
besonders klarer und übersichtlicher Weise in den „Astronomischen Nach- 
richten“, Band 110, behandelt, Diese beiden Werke sind bei der vorliegenden 
Arbeit, zum Theil, soweit es sich um Heranziehung der Französischen Methode 
handelte, benutzt worden. 
Jede beobachtete Gestirnshöhe giebt eine Kreislinie als geometrischen 
Ort der Beobachtung; dieselbe läfst sich auf einem Globus um das beobachtete 
Gestirn als Mittelpunkt und mit der Zenithdistanz oder dem Komplement der 
beobachteten Höhe als Radius konstruiren, Auf den in Merkator-Projektion 
gezeichneten Karten bilden diese Kreise je nach der Lage des Pols zu dem 
Gestirn verschiedene Kurven. Für die meisten nautischen Probleme lassen sich 
(bei nicht zu kleiner Zenithdistanz) kleine Theile dieser Kurven als gerade 
Linien (Tangenten der Kurven) darstellen; wir wollen diese für die Folge 
einfach Höhenlinien nennen. Bei fehlerfreien Beobachtungen müfsten sich alle 
nach verschiedenen an demselben Orte genommenen Gestirnshöhen so konstruirten 
Höhenlinien in einem Punkte schneiden und dieser den Beobachtungsort dar- 
stellen. Bei den unvermeidlichen Beobachtungsfehlern wird dies jedoch nicht 
der Fall sein, vielmehr wird sich eine Anzahl Sechnittpunkte ergeben, aus denen
	        
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