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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Kleine Notizen. 
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Kleine Notizen.) 
li. (D. S.) Bemerkungen über Seebeben. a) Auf der Reise nach 
Sydney macht Kapt. Morisse, Führer der Deutschen Bark „Amaranth“, am 
24. Oktober 1883 auf 0° 27‘/N-Br und 27° 58‘ W-Lg in seinem meteorologischen 
Journal folgende Bemerkung: „Um 4% Uhr Morgens fühlten wir eine Er- 
schütterung des Schiffes, wie von einem Erdbeben hervorgerufen. Wir lotheten 
sogleich, hatten aber keinen Grund. Es war auch an der Meeresoberfläche 
nichts Aufsergewöhnliches wahrzunehmen, und das Schiff blieb in voller Fahrt, 
Wir nehmen an, dafs eine vulkanische Eruption die Ursache der Erschütterung 
gewesen ist.“ 
b) Kapt, A. Schulze von dem Deutschen Vollschiffe „Christine“, auf 
der Reise von New-York nach Pulo Penang, berichtet: „Am 2. Januar 1884 
Mittags, auf 0° 57‘ N-Br und 29° 26‘ W-Lg, spürten wir zwei schwere Er- 
schütterungen des Schiffes, jede von 4 bis 6 Sekunden Dauer, wie von einem 
Erdbeben herrührend. Die St. Pauls-Klippe peilte zur Zeit rw. 0zS, etwa 10 Sm 
entfernt. Das Wasser war so klar, dafs man den Kiel des Schiffes sehen konnte. 
Wir waren deshalb überzeugt, dafs das Schiff auf einen festen Gegenstand nicht 
gestoßen hatte, weil ein solcher jedenfalls hätte gesehen werden müssen,“ 
c) Ferner berichtet Kapt. Henne von der Deutschen Bark „Willy“ auf 
der Reise von Hamburg nach Hongkong: „Trieben bei flauen umlaufenden 
Winden, die gröfstentheils eine nordöstliche Richtung hatten und die Stärke 2 
nicht überschritten, und häufigen Windstillen vom 27. November bis 6. Dezember 
1883 in der Ombay-Strafse. Der Strom änderte sich ziemlich regelmäfsig alle 
6 Stunden und setzte das eine Mal nach NE, das andere Mal nach SW, am 
stärksten nach der letztgenannten Richtung, dabei eine starke Kabbelung hervor- 
rufend. Am 2, Dezember um 10% p. m. spürten wir einen solch heftigen Stofs 
im Schiffe, dafs die ganze Mannschaft sofort auf die Beine sprang, ein jeder 
denkend, dafs das Schiff auf eine Klippe gelaufen sei. Das Wetter war schön 
und das Wasser ganz ruhig. Dem Mann am Ruder flog das Rad aus der Hand, 
Ich selbst wurde an Deck niedergeschleudert. Bine angestellte Lothung ergab 
mit 90m (50 Fad.) keinen Grund. Der Stofls mußte daher wohl von einem 
Erdbeben herrühren. Weitere Erschütterungen wurden nicht bemerkt.“*) 
Ein sehr starkes Seebeben, das vielleicht mit dem Ende Dezember 1884 
in Südspanien aufgetretenen heftigen Erdbeben in Verbindung stand, wurde 
von verschiedenen Schiffen in der Nacht vom 21. zum 22. Dezember 1884 
zwischen der Westküste von Südeuropa und den Azoren beobachtet. Es sind 
darüber der Seewarte bis jetzt folgende Berichte zugegangen: 
d) Deutsche Bark „Emma Römer“, Kapt. P. Albrand: „Am 22. De- 
zember 1884 um 2" a, m., auf 39° 52‘ N-Br und 28° 34‘ W-Lg, beobachteten 
wir ein Erd- oder vielmehr ein Seebeben. Die Erschütterung war ähnlich, als 
wenn auf tiefem Wasser die Ankerkette hinausläuft, Der Rudersmann sagte 
aus, dafs das Rad in seinen Händen hin und her gestofsen habe. Die Dauer 
der Erscheinung betrug 1—1'/ Minuten. Den ganzen Tag vorher und auch 
am Anfange der Wache war das Wetter schön und klar. Zur Zeit des Soe- 
bebens herrschte leichter Südwind, bei bewölktem Himmel und hohem Baro- 
meterstand.“ 
e) Deutsche Bark „Ventilia“, Kapt. Oestmann: „Um 2" 20” a. m. den 
22, Dezember 1884, auf 39° 36‘ N-Br und 24° 23‘ W-Lg, bemerkten wir eine 
vulkanische Erschütterung, welche während der ersten 15 Sekunden ziemlich 
stark war, ein donnerähnliches Geräusch verursachte und dann in eine leicht 
zitternde Bewegung überging. Das ganze Phänomen dauerte etwa 3 Minuten 
und schien etwa von NO nach SW sich zu bewegen. Es wehte zur Zeit leichter 
SSE-Wind bei anhaltendem feinem Regen.“ 
f) Deutsches Schiff „Carl“, Kapt. E. Backhaus: „In der Nacht vom 
21. auf den 22. Dezember 1884, um 2* 20”, verspürten wir plötzlich eine heftige, 
ungefähr 5 Minuten anhaltende Erschütterung des Schiffes. Die Erschütterung 
4‘) Die mit (D. S.) bezeichneten Notizen sind von der Deutschen Seewarie eingesendet, 
2) In derselben Gegend wurde am 9. und 10. November 1883 wiederholt. starkes Seebeben 
beobachtet. S. diese Annalen, Jahre, 1884. S. 181.
	        
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